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Babylon Berlin – Staffel 5: Der letzte Tanz


Mit der fünften Staffel findet eine der aufwendigsten und außergewöhnlichsten deutschen Serienproduktionen der vergangenen Jahre ihren Abschluss. „Babylon Berlin“ hat seit dem Start im Jahr 2017 nicht nur das Bild historischer Serien im deutschen Fernsehen nachhaltig geprägt, sondern sich auch international einen Namen gemacht. Nach vier Staffeln voller Kriminalfälle, politischer Intrigen, persönlicher Tragödien und rauschender Nächte führt die finale Staffel nun an einen der entscheidendsten Punkte der deutschen Geschichte: den Februar 1933. Adolf Hitler ist zum Reichskanzler ernannt worden, die Weimarer Republik steht unmittelbar vor ihrem Ende und in Berlin verändert sich das gesellschaftliche und politische Klima innerhalb weniger Wochen radikal. Die fünfte Staffel konzentriert sich auf diese kurze, aber entscheidende Zeitspanne und bildet damit tatsächlich den letzten Akt der Geschichte um Gereon Rath und Charlotte Ritter.


Bevor es jedoch in die finale Staffel geht, lohnt sich ein Blick zurück. Denn „Babylon Berlin“ hat über die bisherigen vier Staffeln eine außergewöhnlich komplexe Geschichte aufgebaut, in der sich die persönlichen Schicksale der Figuren immer stärker mit den politischen Entwicklungen verbinden.


In der ersten Staffel lernen wir den Berliner Kriminalkommissar Gereon Rath kennen, der aus Köln nach Berlin kommt und dort in einem Fall ermittelt, der weit über einen gewöhnlichen Kriminalfall hinausgeht. Berlin befindet sich Ende der 1920er-Jahre auf dem Höhepunkt der Weimarer Republik. Nachtclubs, politische Extreme, Prostitution, Drogen und wirtschaftliche Unsicherheit gehören ebenso zum Stadtbild wie technischer Fortschritt und kulturelle Freiheit. Rath wird mit einem geheimnisvollen Zug aus Russland konfrontiert, dessen Fracht zahlreiche Parteien interessiert. Gleichzeitig begegnet er Charlotte Ritter, die zunächst als Stenotypistin bei der Polizei arbeitet, aber unbedingt Kriminalkommissarin werden möchte. Zwischen beiden entwickelt sich eine komplizierte Beziehung, während Rath zunehmend mit den eigenen traumatischen Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg konfrontiert wird.


Die zweite Staffel vertieft diese Geschichten und zeigt gleichzeitig, wie instabil die politische Situation bereits geworden ist. Rath und Ritter arbeiten weiterhin gemeinsam an verschiedenen Fällen, während sich innerhalb der Polizei Machtkämpfe und politische Spannungen verschärfen. Gereon versucht weiterhin, seine inneren Dämonen unter Kontrolle zu halten, während Charlotte immer stärker in die eigentliche Ermittlungsarbeit hineinwächst. Parallel dazu gewinnt der politische Extremismus auf den Straßen an Bedeutung. Die Serie zeigt dabei sehr deutlich, wie die vermeintliche Normalität des Berliner Alltags zunehmend von Gewalt und politischen Auseinandersetzungen überschattet wird.


Mit der dritten Staffel verändert sich der Ton der Serie erneut. Die wirtschaftlichen und politischen Krisen werden immer stärker spürbar. Gereon und Charlotte geraten in neue Ermittlungen, während sich die Beziehungen zwischen den verschiedenen Machtgruppen weiter verkomplizieren. Alfred Nyssen, Helga Rath, Greta Overbeck, Samuel Katelbach und zahlreiche weitere Figuren erhalten größere Bedeutung. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die politische Entwicklung nicht mehr nur ein Hintergrund für die Kriminalgeschichten ist. Die zunehmende Macht der Nationalsozialisten wirkt sich unmittelbar auf das Leben der Hauptfiguren aus. Die Grenzen zwischen Polizei, Politik, Wirtschaft und organisierter Kriminalität verschwimmen immer weiter.


Die vierte Staffel führt schließlich in das Jahr 1931 und damit in eine Zeit, in der die Demokratie bereits massiv unter Druck steht. Die politischen Auseinandersetzungen werden härter, und die Nationalsozialisten gewinnen weiter an Einfluss. Gereon und Charlotte müssen sich nicht nur mit neuen Verbrechen auseinandersetzen, sondern zunehmend auch mit der Frage, auf welcher Seite sie eigentlich stehen. Persönliche Konflikte und politische Entwicklungen sind kaum noch voneinander zu trennen. Die Staffel endet schließlich mit dem immer näher rückenden politischen Umbruch und lässt die Zuschauer mit dem Wissen zurück, dass die bisherige Weltordnung vor ihrem endgültigen Zusammenbruch steht.


Genau hier setzt die fünfte Staffel an. Berlin, 30. Januar 1933: Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt. Nur wenige Wochen bleiben bis zu den Reichstagswahlen am 5. März und dem Reichstagsbrand am 27. Februar. Diese kurze Zeitspanne bildet den erzählerischen Kern der finalen Staffel. Die Serie beschränkt sich dabei nicht darauf, historische Ereignisse nachzuerzählen, sondern zeigt, wie sich der politische Umbruch auf einzelne Menschen auswirkt. Für die Figuren gibt es plötzlich keine einfachen Entscheidungen mehr. Anpassung, Widerstand, innere Emigration oder Flucht werden zu realen Möglichkeiten – und jede Entscheidung kann lebensgefährliche Konsequenzen haben.


Charlotte Ritter steht dabei erneut im Zentrum der Handlung. Sie ermittelt in einer Mordserie an ehemaligen Frontsoldaten. Die Spuren reichen bis in das Jahr 1918 zurück und führen zu einer verschwundenen Akte, die brisante Informationen über Hitlers Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg enthalten soll. Damit verbindet die fünfte Staffel ihren historischen Hintergrund erneut mit einem klassischen Kriminalfall. Die Ermittlungen sind jedoch wesentlich gefährlicher als frühere Fälle, denn inzwischen verändert sich das politische System vor den Augen der Beteiligten. Was gestern noch eine polizeiliche Untersuchung war, kann heute bereits eine politische Bedrohung darstellen.


Auch Gereon Rath gerät unmittelbar in diese Entwicklung hinein. Als er plötzlich verschwindet, steht Charlotte vor der Frage, ob sie ihn überhaupt wiedersehen wird. Gleichzeitig wird sie mit einer Situation konfrontiert, in der selbst vertraute Institutionen nicht mehr die Sicherheit bieten, die sie früher versprochen haben. Die Polizei ist keine neutrale Institution mehr, politische Loyalitäten gewinnen an Bedeutung und Menschen, die bisher nebeneinander existiert haben, müssen plötzlich Stellung beziehen.


Gerade diese Atmosphäre ist eine der großen Stärken der finalen Staffel. „Babylon Berlin“ erzählt nicht einfach die Geschichte vom Ende der Weimarer Republik, sondern macht den schleichenden Verlust von Sicherheit und Freiheit für die Figuren unmittelbar erfahrbar. Die Bedrohung entsteht nicht ausschließlich durch offene Gewalt. Sie zeigt sich auch in Blicken, Gesprächen, plötzlich veränderten Beziehungen und der Frage, wem man überhaupt noch vertrauen kann.
Im Mittelpunkt stehen erneut Volker Bruch als Gereon Rath und Liv Lisa Fries als Charlotte Ritter. Bruch verkörpert Rath als widersprüchlichen Mann, der zwischen seiner Arbeit als Polizist, seinen persönlichen Traumata und den politischen Entwicklungen immer stärker unter Druck gerät. Fries wiederum macht Charlotte zu einer der interessantesten Figuren der Serie. Aus der jungen Frau, die sich in den ersten Staffeln gegen die gesellschaftlichen Grenzen ihrer Zeit behaupten musste, ist eine selbstbewusste Ermittlerin geworden. Ihre Entwicklung gehört zu den wichtigsten Erzählsträngen der gesamten Serie.


Auch das übrige Ensemble ist wieder hervorragend besetzt. Benno Fürmann ist als Günter Wendt zu sehen, Lars Eidinger kehrt als Alfred Nyssen zurück und Hannah Herzsprung spielt erneut Helga Nyssen. Fritzi Haberlandt verkörpert Elisabeth Behnke, Karl Markovics ist als Journalist Samuel Katelbach zu sehen und Christian Friedel spielt Reinhold Gräf. Ebenfalls wieder dabei sind unter anderem Udo Samel als Ernst Gennat, Godehard Giese als Wilhelm Böhm, Jördis Triebel als Dr. Völcker, Martin Wuttke als Heymann und Trystan Pütter als Litten.


Mit Ulrich Noethen, Clemens Schick und Devid Striesow kommen zudem neue beziehungsweise neu eingeführte Figuren hinzu. Schick übernimmt dabei die Rolle Adolf Hitlers, während Striesow als Hermann Göring zu sehen ist. Diese Besetzung unterstreicht, wie unmittelbar die fünfte Staffel die realen historischen Ereignisse in die Handlung integriert.


Bemerkenswert ist außerdem, dass die Serie ihrem bewährten kreativen Team treu bleibt. Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten zeichnen erneut für Drehbuch und Regie verantwortlich. Die finale Staffel basiert frei auf Motiven von Volker Kutschers Roman „Märzgefallene“. Damit bleibt die Serie ihrer literarischen Grundlage verbunden, entwickelt die Geschichte aber weiterhin eigenständig für das Fernsehen.


Inszenatorisch bleibt „Babylon Berlin“ auch in der fünften Staffel auf höchstem Niveau. Die historische Ausstattung, die Kostüme, die Kulissen und die Kameraarbeit erschaffen erneut ein Berlin, das gleichzeitig faszinierend und bedrohlich wirkt. Die Serie versteht es hervorragend, das pulsierende Nachtleben der Hauptstadt mit der politischen Dunkelheit zu kontrastieren. Tanz, Musik und große gesellschaftliche Veranstaltungen stehen neben Gewalt, Verfolgung und politischer Repression. Gerade diese Gegensätze haben „Babylon Berlin“ seit der ersten Staffel geprägt.
Auch musikalisch bleibt die Serie unverwechselbar. Die Musik von Tom Tykwer und Johnny Klimek trägt entscheidend zur besonderen Atmosphäre bei und verbindet historische Elemente mit einer modernen filmischen Energie. Dadurch fühlt sich „Babylon Berlin“ niemals wie eine klassische Geschichtsserie an. Stattdessen entsteht ein eigener Rhythmus, der die Zuschauer mitten in das Berlin dieser Zeit hineinzieht.


Die größte Herausforderung der fünften Staffel besteht darin, die zahlreichen Handlungsstränge und Figuren zu einem glaubwürdigen Abschluss zu führen. „Babylon Berlin“ hat über vier Staffeln ein enormes Figurenensemble aufgebaut. Die finale Staffel muss deshalb nicht nur den politischen Wandel erzählen, sondern auch persönliche Geschichten abschließen. Dabei nimmt sich die Serie erfreulicherweise die Zeit, ihre Figuren nicht einfach zu Schachfiguren der historischen Ereignisse zu machen. Gereon, Charlotte und die zahlreichen Nebenfiguren bleiben Menschen mit eigenen Interessen, Ängsten und Hoffnungen.


Gleichzeitig ist die fünfte Staffel deutlich politischer als viele der vorherigen Episoden. Das liegt allerdings weniger daran, dass die Serie plötzlich ihre bisherigen Themen verändert, sondern vielmehr daran, dass die historischen Ereignisse nun einen Punkt erreicht haben, an dem politische Neutralität kaum noch möglich ist. Die Figuren müssen sich entscheiden, wie sie mit der neuen Realität umgehen. Wer sich anpasst, kann möglicherweise überleben. Wer Widerstand leistet, riskiert sein Leben. Wer flieht, muss alles zurücklassen. Genau diese verschiedenen Reaktionen bilden das emotionale Zentrum der finalen Staffel.


Die Serie profitiert dabei davon, dass sie den Nationalsozialismus nicht als plötzlich auftauchendes Ereignis präsentiert. Stattdessen wird über die gesamten fünf Staffeln hinweg nachvollziehbar, wie politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen ineinandergreifen. Die fünfte Staffel ist damit nicht isoliert zu betrachten. Ihre Wirkung entsteht gerade daraus, dass man als Zuschauer die Figuren bereits seit Jahren begleitet und weiß, was sie erlebt und verloren haben.


Auch die Blu-ray-Veröffentlichung von LEONINE bietet eine passende Möglichkeit, dieses große Serienprojekt noch einmal in physischer Form abzuschließen. Die fünfte Staffel erscheint am 9. Oktober 2026 auf Blu-ray. LEONINE gibt eine Laufzeit von rund 378 Minuten an. Die Veröffentlichung umfasst je nach Edition zwei beziehungsweise drei Blu-rays; die reguläre Ausgabe wird mit zwei Discs geführt. Geboten werden eine Bilddarstellung im Format 1,78:1 beziehungsweise 1080p/25, deutscher Ton in DTS-HD Master Audio 5.1 sowie deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Außerdem ist eine deutsche Audiodeskription enthalten. Die Staffel ist mit FSK 12 freigegeben.


Gerade bei einer Serie wie „Babylon Berlin“ kommt die Heimkino-Veröffentlichung besonders gut zur Geltung. Die aufwendigen Kulissen, die Kostüme, die Nachtclubs, die Straßenszenen und die zahlreichen Massenszenen profitieren von einer hochwertigen Bildpräsentation. Auch die Musik und die Geräuschkulisse spielen eine wichtige Rolle und werden durch den Mehrkanalton entsprechend unterstützt. Die Veröffentlichung ist damit nicht lediglich eine Möglichkeit, die acht Folgen nachzuholen, sondern bietet Fans die Gelegenheit, den Abschluss der Serie dauerhaft ins heimische Regal zu stellen.


Mit ihren acht Folgen beendet die fünfte Staffel eine Serie, die über zehn Jahre hinweg entstanden ist und insgesamt 48 Episoden umfasst. Die Weltpremiere der finalen Staffel fand im September 2026 statt; seit dem 10. September sind alle acht Folgen auch in der ARD Mediathek verfügbar.


Fazit: Mit der fünften Staffel schließt „Babylon Berlin“ seine große Geschichte dort ab, wo die politische Entwicklung Deutschlands einen entscheidenden Wendepunkt erreicht. Der Februar 1933 eignet sich dabei hervorragend als Schauplatz für das Finale, denn die historische Realität liefert bereits genügend Spannung, während Gereon Rath und Charlotte Ritter gleichzeitig mit ihren persönlichen Konflikten und einem letzten großen Fall konfrontiert werden.


Die Stärke der finalen Staffel liegt vor allem darin, dass sie nicht nur historische Ereignisse illustriert, sondern deren Auswirkungen auf die Menschen zeigt. Aus der faszinierenden, rauschenden Metropole der ersten Staffeln ist eine Stadt geworden, in der Unsicherheit und Angst immer stärker das Leben bestimmen. Trotzdem bleiben die bekannten Elemente erhalten: komplexe Figuren, aufwendige Ausstattung, starke Schauspieler, politische Intrigen, Kriminalfälle und eine außergewöhnliche visuelle Inszenierung.


Volker Bruch und Liv Lisa Fries tragen die finale Staffel erneut mit überzeugenden Leistungen, während das große Ensemble dafür sorgt, dass auch die zahlreichen Nebenhandlungen Gewicht bekommen. Gleichzeitig gelingt es dem Kreativteam um Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten, den charakteristischen Stil der Serie bis zum Ende beizubehalten.


„Babylon Berlin“ endet damit nicht einfach mit einer weiteren Staffel, sondern mit einem historischen Einschnitt, der von Anfang an das Ziel der Serie gewesen ist. Der letzte Tanz fällt entsprechend düsterer aus als die rauschenden Nächte zu Beginn der Geschichte. Gerade deshalb funktioniert die fünfte Staffel als Abschluss einer außergewöhnlichen deutschen Serienproduktion sehr gut. Wer die ersten vier Staffeln verfolgt hat, bekommt hier einen konsequenten letzten Akt, der die Geschichte von Gereon Rath und Charlotte Ritter zu Ende erzählt und gleichzeitig daran erinnert, wie schnell eine scheinbar gefestigte Gesellschaft ihre Freiheit verlieren kann.