Silver Star – Alles oder nichts
Regie: Ruben Amar, Lola Bessis
Darsteller: Grace Van Dien, Troy Leigh-Anne Johnson, Tamara Fruits, Johnathan Davis
Verleih: Ascot Elite Home Entertainment
VÖ Blu-ray: 24. September 2026
Produktionsländer: USA, Frankreich
Laufzeit: ca. 102 Minuten
Genre: Drama, Komödie, Krimi, Thriller


Zwei Französinnen und ihr Blick auf Amerika


Silver Star ist bereits das zweite gemeinsame Langfilmwerk des französischen Regieduos Ruben Amar und Lola Bessis, die seit 2012 in den USA leben und dort schon mit ihrem Debüt „Swim Little Fish Swim" internationale Aufmerksamkeit erregten. Bessis, Tochter der bekannten französischen Produzentin Daniela Lumbroso, machte sich zunächst als Schauspielerin einen Namen, ehe sie gemeinsam mit Amar zur Regie wechselte. Mit Silver Star haben sich die beiden bewusst dem klassischen amerikanischen Roadmovie- und Gangsterfilm-Genre gewidmet, einem Genre, das seit „Bonnie und Clyde" untrennbar mit der Erzählung von Außenseiterinnen verbunden ist, die sich gemeinsam gegen ein System stellen, das ihnen wenig Perspektiven bietet. Die eigene Erfahrung als Außenstehende im heutigen Amerika habe die Regisseurinnen dabei maßgeblich zu diesem Projekt bewegt: Sie wollten, wie Bessis selbst betonte, ihren Figuren angesichts des aktuellen politischen Klimas bewusst die Möglichkeit einer besseren Zukunft schenken.


Ein Banküberfall, der aus dem Ruder läuft


Im Zentrum der Geschichte steht Billie, eine introvertierte junge Afroamerikanerin aus einer Militärfamilie, die frisch aus dem Gefängnis entlassen wurde und erfahren muss, dass ihren entfremdeten Eltern die Zwangsräumung droht. Um ihnen zu helfen, entschließt sich Billie zu einem verzweifelten Schritt und überfällt eine Bank, ein Plan, der jedoch bereits in den ersten Minuten gründlich aus dem Ruder läuft. Als Geisel gerät ihr ausgerechnet Franny in die Hände, eine hochschwangere, impulsive und ausgesprochen redselige Achtzehnjährige, die im Leben ebenfalls nicht mehr allzu viel zu verlieren hat. Aus dieser unfreiwilligen Zweckgemeinschaft entwickelt sich eine elektrisierende Flucht quer durch die amerikanische Provinz, bei der sich die beiden ungleichen Frauen zunächst aneinander reiben, ehe sich zwischen ihnen eine überraschend zärtliche Verbindung entwickelt.


Zwei Schauspielerinnen tragen den Film


Die Rolle der Franny übernimmt Grace Van Dien, die einem breiteren Publikum vor allem durch ihre Rolle der Chrissy Cunningham in der vierten Staffel von „Stranger Things" bekannt wurde und seither zunehmend anspruchsvollere Charakterrollen übernimmt. Ihre Darstellung der ebenso chaotischen wie charmanten Franny gilt international bereits als eine der Stärken des Films: Mit ihrem pausenlosen, vulgär-komischen Redefluss und ihrem punktgenauen Timing zieht sie das Publikum von der ersten Szene an auf ihre Seite, ohne dabei ihre Filmpartnerin in den Schatten zu stellen. Ihr zur Seite steht Troy Leigh-Anne Johnson als zurückhaltende, wortkarge Billie, deren stille Verletzlichkeit einen wirkungsvollen Kontrast zu Frannys impulsiver Art bildet. Gemeinsam entwickeln die beiden Darstellerinnen eine Chemie, die dem Film weit über die reine Genre-Mechanik hinaus emotionale Tiefe verleiht und die Freundschaft der beiden Frauen zu einem regelrechten Herzstück der Erzählung werden lässt.


Zwischen Genre-Vergnügen und leiser Gesellschaftskritik


Amar und Bessis gelingt dabei der Spagat, ihren Film als kurzweiliges Genre-Vergnügen anzulegen, ohne die gesellschaftlichen Untertöne dabei ganz aus den Augen zu verlieren. Die prekäre Lebenssituation beider Hauptfiguren, seien es Billies Herkunft aus einer von wirtschaftlicher Not geprägten Militärfamilie oder Frannys Dasein am Rand der Gesellschaft, bildet dabei stets den emotionalen Resonanzboden für die actionreicheren Momente der Handlung. Anders als viele amerikanische Genrevertreter blicken die beiden französischen Filmemacherinnen dabei mit einem leicht distanzierten, aber keineswegs kalten Blick auf ihr gewähltes Setting, was dem Film eine eigene, unverwechselbare Note verleiht.


Bildgestaltung und technische Umsetzung


Kameramann Cole Graham fängt die Weite der amerikanischen Landschaft mit einem warmen, leicht körnigen Bildlook ein, der dem Roadmovie-Charakter der Geschichte visuell entgegenkommt und die zunehmend enger werdende Beziehung der beiden Protagonistinnen gekonnt mit offenen, weiten Landschaftsaufnahmen kontrastiert. Die von Polérik Rouvière komponierte Musik unterstreicht dabei sowohl die comedy-artigen als auch die dramatischeren Momente des Films, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Die Blu-ray-Veröffentlichung von Ascot Elite setzt diese Bildsprache in ordentlicher technischer Qualität um, wenngleich sich der Umfang des Bonusmaterials bei dieser eher kleiner dimensionierten Independent-Produktion in überschaubaren Grenzen hält und sich im Wesentlichen auf ergänzendes Werbematerial beschränkt.


Fazit


Silver Star ist ein charmant-schräges Roadmovie, das dem klassischen amerikanischen Gangsterfilm-Genre eine erfrischend eigenständige, von zwei französischen Filmemacherinnen geprägte Perspektive verleiht. Getragen wird der Film maßgeblich von der Chemie zwischen Grace Van Dien und Troy Leigh-Anne Johnson, deren ungewöhnliche Freundschaft dem Genre-Gerüst emotionale Tiefe verleiht, ohne dass dabei der leichtfüßige, kurzweilige Unterhaltungswert verloren geht. Wer unkonventionelle Buddy-Movies mit Herz und einem Schuss Gesellschaftskritik schätzt, macht mit dieser Blu-ray-Veröffentlichung wenig falsch.