Mit Tormented Souls 2 kehrt Caroline Walker zurück und muss sich erneut einem Albtraum stellen, der selbst erfahrenen Horrorfans einiges abverlangt. Das von Dual Effect entwickelte und von PQube veröffentlichte Survival-Horror-Spiel knüpft an die Ereignisse des ersten Teils an und setzt erneut auf düstere Schauplätze, gefährliche Kreaturen, knifflige Rätsel und einen permanenten Mangel an Ressourcen. Seit dem 15. Oktober 2026 ist das Spiel auch für die Nintendo Switch 2 erhältlich. Damit lässt sich der Horror nun auch unterwegs erleben. Doch kann die Fortsetzung auf Nintendos neuer Konsole überzeugen und die Atmosphäre klassischer Horrorspiele erfolgreich mit modernen Spielelementen verbinden?
Die Geschichte setzt nach den schrecklichen Ereignissen im Wildberger-Krankenhaus ein. Caroline Walker hofft, gemeinsam mit ihrer Schwester Anna endlich ein normales Leben führen zu können. Doch dieser Wunsch erfüllt sich nicht. Anna wird von verstörenden Visionen heimgesucht, in denen sie Gewalt und Tod erlebt. Ihre Zeichnungen zeigen schreckliche Ereignisse, die sich wenig später tatsächlich zu bewahrheiten scheinen. Als sich ihr Zustand zunehmend verschlechtert, sucht Caroline verzweifelt nach einer Möglichkeit, ihrer Schwester zu helfen. Ihre Nachforschungen führen sie in den abgelegenen Ort Villa Hess in den Bergen Südchiles. Dort befindet sich eine geheimnisvolle Klinik, deren freundliches Personal zunächst einen vertrauenswürdigen Eindruck vermittelt. Schon bald zeigt sich jedoch, dass hinter der scheinbaren Ruhe ein düsteres Geheimnis verborgen liegt. Als sich die Ereignisse überschlagen und ein sinisterer Kult in den Mittelpunkt rückt, muss Caroline erneut um das Leben ihrer Schwester kämpfen.
Die Handlung entwickelt sich zu einer unheimlichen Reise durch eine Welt, in der Realität und Albtraum immer stärker miteinander verschmelzen. Dabei setzt das Spiel auf zahlreiche mysteriöse Begegnungen, unerwartete Wendungen und verstörende Enthüllungen. Nicht jede Entwicklung kommt völlig überraschend, doch die Geschichte versteht es, genügend offene Fragen aufzuwerfen, um die Neugier aufrechtzuerhalten. Gerade die Verbindung zwischen Carolines persönlichem Schicksal, Annas rätselhafter Erkrankung und den übernatürlichen Vorgängen in Villa Hess sorgt dafür, dass die Erkundung der Spielwelt einen erzählerischen Zweck erhält.
Spielerisch orientiert sich Tormented Souls 2 bewusst an den Survival-Horror-Klassikern der Neunzigerjahre. Wer die frühen Teile von Resident Evil oder die beklemmende Atmosphäre von Silent Hill schätzt, dürfte sich schnell heimisch fühlen. Die Entwickler setzen auf feste Kameraperspektiven, verwinkelte Gebäude, dunkle Korridore und Räume, in denen hinter jeder Tür eine neue Gefahr lauern könnte. Die Kamera zeigt dabei häufig nur einen Ausschnitt der Umgebung. Dadurch bleibt unklar, was sich außerhalb des sichtbaren Bildbereichs befindet. Selbst wenn gerade kein Gegner zu sehen ist, entsteht so ein Gefühl ständiger Unsicherheit. Das Spiel muss nicht permanent auf laute Schockmomente setzen, denn oftmals reicht schon ein verdächtiges Geräusch oder ein dunkler Gang, um die Anspannung steigen zu lassen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Abenteuers ist die gründliche Erkundung der Umgebung. Villa Hess besteht aus unterschiedlichen Schauplätzen, darunter ein unheimliches Kloster, ein heruntergekommenes Einkaufszentrum und eine verlassene Schule. Jeder dieser Orte besitzt seinen eigenen Charakter und bietet neue Geheimnisse, Gefahren und Rätsel. Dabei geht es nicht einfach darum, von einem Ziel zum nächsten zu laufen. Vielmehr müssen Räume sorgfältig untersucht, Gegenstände eingesammelt und Hinweise miteinander in Verbindung gebracht werden. Notizen, Dokumente und andere Fundstücke liefern wichtige Informationen, die häufig erst später ihren eigentlichen Zweck offenbaren. Wer Hinweise nur überfliegt oder Gegenstände achtlos liegen lässt, kann schnell an einer scheinbar unlösbaren Aufgabe scheitern.
Die Rätsel gehören zu den zentralen Stärken des Spiels, verlangen aber Geduld und Aufmerksamkeit. Gegenstände müssen untersucht, verändert und miteinander kombiniert werden, um neue Informationen oder Zugänge zu erhalten. Manchmal liegt die Lösung direkt vor der Nase, während man in anderen Situationen mehrere Räume erneut durchsuchen muss, um einen bislang übersehenen Hinweis zu entdecken. Die Aufgaben sind nicht immer selbsterklärend und können durchaus zum Nachdenken anregen. Allerdings gibt es auch Momente, in denen die Suche nach dem nächsten Handlungsschritt eher mühsam als spannend ausfällt. Wer sich gerne systematisch durch komplexe Rätsel arbeitet, wird daran seine Freude haben. Spieler, die lieber einer klaren Aufgabenführung folgen, dürften dagegen gelegentlich die Geduld verlieren.
Eine interessante Erweiterung stellt Carolines übernatürliche Fähigkeit dar, zwischen unterschiedlichen Realitätsebenen zu wechseln. Auf der sogenannten anderen Seite begegnet sie einer verdrehten, albtraumhaften Version ihrer Umgebung. Die Veränderungen dieser Welt können sich auf die Gegenwart auswirken und neue Wege eröffnen. Dadurch werden die Rätsel um eine zusätzliche Dimension erweitert. Es genügt nicht mehr, lediglich einen Raum zu untersuchen oder einen Schlüssel zu finden. Vielmehr muss man verstehen, wie bestimmte Ereignisse und Gegenstände miteinander zusammenhängen und welche Auswirkungen Veränderungen auf die jeweils andere Realität haben. Diese Mechanik sorgt für einige der interessantesten Denksportaufgaben und hebt die Fortsetzung über eine reine Nostalgieübung hinaus.
Natürlich kommt auch der Kampf ums Überleben nicht zu kurz. In Villa Hess warten zahlreiche groteske Kreaturen auf Caroline. Die Gegner reichen von verstörenden, mit Klingen bewaffneten Wesen bis hin zu massigen, gepanzerten Monstern. Viele Begegnungen sind gefährlich genug, dass ein unüberlegter Angriff schnell im Tod endet. Munition und Heilgegenstände sind knapp, weshalb jeder Schuss gut überlegt sein sollte. Nicht jeder Gegner muss zwangsläufig bekämpft werden, und manchmal ist es sinnvoller, Abstand zu gewinnen oder eine Konfrontation zu umgehen. Wer dagegen wahllos Munition verschwendet, kann sich später in einer äußerst unangenehmen Situation wiederfinden.
Für die Verteidigung stehen Caroline verschiedene improvisierte Waffen zur Verfügung. Dazu gehört auch ein pneumatischer Nagler, der sich als ungewöhnliches, aber wirkungsvolles Werkzeug im Kampf gegen die Kreaturen erweist. Im Verlauf des Abenteuers kommen weitere Waffen und Verbesserungsmöglichkeiten hinzu. Die neue Schnellauswahl erleichtert zudem den Wechsel zwischen den verfügbaren Waffen, sodass man sich in gefährlichen Situationen etwas flexibler verhalten kann. Gerade bei den Bosskämpfen kommt es darauf an, Angriffsmuster zu beobachten, Schwachstellen zu erkennen und die Umgebung sinnvoll einzubeziehen. Einfach nur möglichst schnell abzudrücken, führt hier nicht immer zum Erfolg.
Allerdings gehört die Steuerung zu den Bereichen, in denen der Titel seinen klassischen Vorbildern nicht vollständig entkommt. Spieler können zwischen einer modernen Bewegungssteuerung und der traditionellen Panzersteuerung wählen. Letztere orientiert sich an älteren Survival-Horror-Spielen, bei denen sich die Figur relativ zur eigenen Ausrichtung bewegt. Für Nostalgiker kann das reizvoll sein, während Neueinsteiger damit zunächst zurechtkommen müssen. Doch auch die modernere Variante ist nicht in jeder Situation vollkommen intuitiv. Die festen Kameraperspektiven erschweren gelegentlich die Orientierung, besonders wenn man plötzlich auf einen Gegner trifft oder sich die Blickrichtung beim Wechsel des Bildausschnitts verändert. Hinzu kommen Interaktionen, die unnötig umständlich ausfallen können. Gerade beim Untersuchen von Gegenständen und beim Umgang mit dem Inventar wäre eine etwas flüssigere Bedienung wünschenswert gewesen.
Auch das Speichersystem trägt zum Überlebensdruck bei. Wer im klassischen Modus spielt, muss bestimmte Kassetten finden, um an entsprechenden Geräten den Spielstand zu sichern. Das passt hervorragend zur altmodischen Ausrichtung und sorgt dafür, dass Erkundung und Ressourcenmanagement noch wichtiger werden. Gleichzeitig wirkt der Speichervorgang selbst unnötig kompliziert, da mehrere Schritte erforderlich sind, bevor der Fortschritt tatsächlich gesichert ist. Wer lieber etwas entspannter spielt, kann auf den unterstützten Modus zurückgreifen. Dadurch lässt sich der Schwierigkeitsgrad zugänglicher gestalten, ohne dass die grundsätzliche Ausrichtung als Survival-Horror-Abenteuer verloren geht.
Optisch setzt Tormented Souls 2 vor allem auf seine düsteren Umgebungen und eine wirkungsvolle Lichtgestaltung. Verlassene Gebäude, schmutzige Korridore, blutige Räume und unheimliche medizinische Einrichtungen erzeugen eine beklemmende Atmosphäre. Besonders gelungen sind die Kreaturendesigns, die mit grotesken Formen und verstörenden Details für unangenehme Begegnungen sorgen. Die Charaktermodelle und Gesichtsanimationen wirken dagegen nicht immer vollkommen überzeugend. Auch die Darstellung der Haare und manche Animationen fallen gegenüber der gelungenen Gestaltung der Umgebungen ab. Dennoch funktioniert die visuelle Präsentation insgesamt gut, weil die Licht- und Schatteneffekte sowie die Kameraführung entscheidend dazu beitragen, dass sich die Spielwelt bedrohlich und unberechenbar anfühlt.
Auf der Nintendo Switch 2 macht das Spiel im Großen und Ganzen eine ordentliche Figur. Die technische Umsetzung ermöglicht es, die unheimlichen Schauplätze auch im Handheld-Modus zu erkunden. Gerade unterwegs entfaltet das Spiel eine besondere Wirkung, wenn man mit Kopfhörern spielt und sich ganz auf die Atmosphäre konzentriert. Allerdings muss man bei der Portierung gewisse Abstriche hinnehmen. Im Vergleich zu leistungsstärkeren Plattformen sind visuelle Unterschiede erkennbar, und je nach Spielsituation kann die Bildrate weniger konstant ausfallen. Die Switch-2-Version ist damit nicht in jeder Hinsicht die technisch beste Möglichkeit, das Abenteuer zu erleben. Für eine mobile Spielerfahrung bleibt sie dennoch interessant, zumal das langsame Erkundungstempo und die festen Kameraperspektiven gut zum Spielen auf dem kleineren Bildschirm passen.
Einen wichtigen Anteil an der Atmosphäre hat die Soundgestaltung. Knarrende Geräusche, entfernte Schreie, Schritte und andere schwer einzuordnende Laute sorgen dafür, dass man sich auch in scheinbar ruhigen Bereichen niemals wirklich sicher fühlt. Die Musik hält sich häufig zurück und lässt den Umgebungsgeräuschen genügend Raum. Dadurch können selbst unspektakuläre Momente eine bedrohliche Wirkung entfalten. Die Sprachausgabe ist insgesamt brauchbar, wirkt bei einzelnen Dialogen allerdings etwas steif. Auch die Inszenierung mancher Gespräche könnte natürlicher ausfallen. Diese Schwächen fallen jedoch weniger ins Gewicht, wenn die Atmosphäre eines verlassenen Gebäudes ihre volle Wirkung entfaltet und man sich nur noch darauf konzentriert, den nächsten Raum möglichst unbeschadet zu erreichen.
Insgesamt zeigt sich Tormented Souls 2 als konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers. Die Geschichte ist umfangreicher, die Schauplätze sind abwechslungsreich und die Mechanik mit den unterschiedlichen Realitätsebenen bringt frischen Wind in die bekannte Formel. Gleichzeitig bleibt das Spiel seinen Wurzeln treu und setzt auf Erkundung, knappe Ressourcen, feste Kameraperspektiven und anspruchsvolle Rätsel. Nicht alle Entscheidungen bei Steuerung und Inventar wirken zeitgemäß, und manche Aufgaben können unnötig kompliziert geraten. Wer sich darauf einlässt, erhält jedoch ein atmosphärisches Horrorabenteuer, das seine Spannung nicht allein aus Schockmomenten, sondern vor allem aus Unsicherheit und dem Gefühl ständiger Bedrohung bezieht.
Besonders erfreulich ist, dass Tormented Souls 2 auch auf der Nintendo Switch 2 seine Stärken ausspielen kann. Die Möglichkeit, den Horror unterwegs zu erleben, ist ein echter Pluspunkt. Wer das Spiel hauptsächlich im Handheld-Modus nutzen möchte, bekommt eine interessante Alternative zu den Versionen für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC. Technische Einschränkungen sollte man allerdings einkalkulieren, denn die Umsetzung ist nicht in jeder Hinsicht perfekt. Vor allem die gelegentlich schwankende Performance und die etwas umständliche Bedienung verhindern, dass das Spielerlebnis durchgehend rund wirkt.
Fazit:
Tormented Souls 2 ist eine gelungene Fortsetzung für alle, die klassischen Survival-Horror mit festen Kameraperspektiven, kniffligen Rätseln und einem konsequenten Mangel an Ressourcen lieben. Die düsteren Schauplätze, das gelungene Sounddesign und die interessante Mechanik zum Wechsel zwischen Realitätsebenen sorgen für zahlreiche spannende Momente. Die Steuerung und manche umständlichen Interaktionen zeigen jedoch, dass nicht jede klassische Spielmechanik gut gealtert ist. Auch die technische Umsetzung auf der Nintendo Switch 2 hat kleinere Schwächen. Trotzdem ist das Abenteuer eine Empfehlung für erfahrene Horrorfans, die sich gerne in eine bedrohliche Spielwelt wagen und auch vor anspruchsvollen Rätseln nicht zurückschrecken. Wer dagegen einen besonders zugänglichen Horrortrip mit moderner Steuerung erwartet, sollte sich auf eine gewisse Eingewöhnungszeit einstellen.