Hot Wheels: Infinite Rush – Wenn die Spielzeugkiste zur offenen Welt wird
Mit Hot Wheels: Infinite Rush bringt das italienische Studio Milestone S.r.l., das sich in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Motorrad- und Motorsportsimulationen einen Namen gemacht hat, die legendäre Spielzeugmarke von Mattel auf eine neue Konsolengeneration – und wagt dabei den Sprung von den kompakten Kachelstrecken der Vorgänger hin zu einer vollständig offenen Spielwelt. Für die Nintendo Switch 2 erscheint der Titel als Game-Key Card zum Preis von rund 40 bis 50 Euro, unter anderem in einer Day-One-Edition, und richtet sich damit gleichermaßen an Kinder, nostalgische Sammler und Arcade-Racing-Fans, die einer realistischen Fahrsimulation ohnehin schon lange den Rücken gekehrt haben.
Eine Welt aus Plastik, Chrom und Neonlicht
Der auffälligste Unterschied zu früheren Hot-Wheels-Spielen liegt im Aufbau der Spielwelt selbst. Statt einzelner, in sich geschlossener Streckenabschnitte bietet Infinite Rush nun vier frei befahrbare Inseln, die sich thematisch deutlich voneinander abheben: eine pulsierende Großstadt, grüne Parkanlagen und Ferienresorts, von Neonlicht durchzogene Wasserkanäle sowie eine ausgedörrte Wüstenlandschaft. Angetrieben von der Unreal Engine 5, gelingt es dem Studio dabei überzeugend, den charakteristischen Spielzeug-Look der Marke einzufangen – von der hohl und plastikartig wirkenden Vegetation bis zu den Fahrzeugen selbst, deren Lackierungen, Chromteile und Reifen bewusst an waschechte Hot-Wheels-Die-Cast-Modelle erinnern. Wer sich hier eine glaubwürdige Fahrphysik erhofft, wird enttäuscht – doch genau das ist nicht der Anspruch des Spiels. Stattdessen fühlt sich jedes Drift-Manöver bewusst überzeichnet und spielzeughaft an, was der Prämisse einer im Miniaturformat lebendig gewordenen Welt erstaunlich treu bleibt.
Fuhrpark, Fahrzeugklassen und die Rush Masters
Über 150 Fahrzeuge warten darauf, freigeschaltet zu werden – aufgeteilt in vier Klassen, die spürbar unterschiedliche Fahrstile bedienen: wendige Drifters, kompromisslos schnelle Speeders, schwerfällige, aber äußerst widerstandsfähige Titans sowie ausgewogene Allrounder. Neue Boliden lassen sich sowohl über einen liebevoll gestalteten, an einen echten Spielzeugladen erinnernden Shop erspielen als auch durch das Herausfordern der sogenannten Rush Masters gewinnen, mächtiger Kontrahenten, die jede Insel beherrschen und deren Fahrzeuge nach einem Sieg in die eigene Sammlung übergehen. Dieses Prinzip – Sammeln, Herausfordern, Aufsteigen – bildet das strukturelle Rückgrat des gesamten Spiels und dürfte insbesondere jüngere Spieler und eingefleischte Sammler der Marke ansprechen.
Kreativität als zweite Säule: Garage und Streckeneditor
Neben dem reinen Fahrerlebnis setzt Infinite Rush stark auf Personalisierung. In der Garage lassen sich Karosseriematerialien, Scheibentönungen, Reifen, Auspuffeffekte sowie zahlreiche Aufkleber und Décors frei kombinieren – ein Editor, der sich angenehm intuitiv bedienen lässt, ohne dabei an Tiefgang zu verlieren, was sich auch mit den Joy-Con-2-Controllern der Switch 2 unkompliziert umsetzen lässt. Ergänzt wird dies durch einen erweiterten Streckeneditor, der die charakteristische orangefarbene Hot-Wheels-Fahrbahn mit den aus der Spielwelt bekannten Biomen und thematischen Versatzstücken kombinierbar macht und zusätzlich das Platzieren virtueller Gegner auf selbst erstellten Strecken erlaubt. Wer eigene Kreationen mit der Community teilen möchte, kann dies über einen entsprechenden Marktplatz tun, was dem Spiel über den Release hinaus zusätzliche Langlebigkeit verschafft.
Umfang, Nebenaktivitäten und Mehrspielermodus
Die vier Inseln sind großzügig mit versteckten Missionen, Sammelobjekten und Nebenaktivitäten bestückt, die erst durch aktives Erkunden sichtbar werden – ein Ansatz, der spürbar von offenen Sandkasten-Titeln wie den LEGO-Spielen oder auch von Burnout Paradise inspiriert scheint. Der Wechsel zwischen den Inseln erfolgt über spektakuläre Sprungrampen, die in kurze Ladesequenzen übergehen. Neben dem Fokus auf Online-Rennen und nutzergenerierte Inhalte wurde auch der lokale Mehrspielermodus nicht vergessen: Im geteilten Bildschirm treten bis zu vier Spielerinnen und Spieler gegeneinander an, was sich besonders im Handheld-Modus der Switch 2 als kurzweiliger Couch-Spaß eignet. Beim Online-Spiel ist allerdings Vorsicht geboten, da Berichten zufolge Switch-2-Besitzer online ausschließlich gegen andere Switch-2-Spieler antreten können, während die plattformübergreifende Kompatibilität zwischen PS5, Xbox Series und PC gesondert gilt.
Technische Präsentation
Auf der Switch 2 profitiert Infinite Rush von der gegenüber der Vorgängerkonsole deutlich gesteigerten Hardwareleistung, muss sich bei der grafischen Detailtiefe im direkten Vergleich zu PS5 und Xbox Series jedoch naturgemäß Kompromisse gefallen lassen. Der hybride Charakter der Konsole zahlt sich hier aber besonders aus: Ob im Dock an den Fernseher angeschlossen oder unterwegs im Handheld-Modus samt HD-Rumble-Feedback der Joy-Con 2 – das überzeichnete, spielzeughafte Fahrgefühl kommt in beiden Spielmodi gut zur Geltung, was dem Titel gerade für gelegentliches Zwischendurch-Spielen entgegenkommt.
Editionen und Umfang
Für die Switch 2 steht der Titel unter anderem als Standard- sowie als Day-One-Edition zur Verfügung, wobei Letztere zum Launch üblicherweise mit kleineren Bonusinhalten aufwartet. Milestone hat bereits weitere Fahrzeuge und Updates für die Zeit nach dem Launch in Aussicht gestellt, was dem an sich schon inhaltsreichen Titel zusätzliches Durchhaltevermögen verschaffen dürfte.
Fazit
Hot Wheels: Infinite Rush gelingt der seltene Spagat, gleichermaßen ein hervorragendes Lizenzspiel für Fans der Marke und ein eigenständig überzeugender Arcade-Racer zu sein, der auch ohne nostalgische Bindung an die kleinen Spielzeugautos zu begeistern weiß. Die offene Spielwelt, der große Fuhrpark und die tiefgehenden Anpassungsoptionen sorgen für ein Spielerlebnis, das deutlich über die Zielgruppe der jüngeren Spieler hinausreicht, während die Flexibilität zwischen TV- und Handheld-Modus der Switch 2 dem Titel zusätzlich entgegenkommt.