Ottolenghi Simple Too: Das Kochbuch
Autoren: Yotam Ottolenghi, Verena Lochmuller
Verlag: DK (Dorling Kindersley)
Genre: Kochbuch, orientalisch-inspirierte Alltagsküche
Umfang: 135 Rezepte für Frühstück, Mittag, Abendessen und Dessert
Die Fortsetzung eines Bestsellers
Kaum ein Kochbuch der letzten Dekade hat die deutsche Küchenlandschaft so nachhaltig geprägt wie Yotam Ottolenghis „Simple" aus dem Jahr 2018, das mit seinem cleveren SIMPLE-Kürzel-System aus schnell, zutatensparsam, vorbereitbar, vorratsfreundlich, mühelos und einfacher-als-gedacht Millionen Hobbyköchinnen und -köche für die orientalisch inspirierte Küche des israelisch-britischen Starkochs begeisterte. Mit Ottolenghi Simple Too knüpft der Autor nun bewusst an diesen Erfolg an, ohne dabei jedoch eine bloße Wiederholung abzuliefern. Wie Ottolenghi selbst in Interviews erklärte, sei das neue Buch vor allem als Reaktion auf eine zunehmend laute und komplizierte Welt gedacht, in der sich viele Menschen nach einem ruhigeren, weniger hektischen Ort sehnen. Einfaches Kochen wird hier explizit als eine mögliche Antwort auf diese kollektive Erschöpfung verstanden, eine Haltung, die dem Buch von der ersten Seite an eine angenehm entschleunigte Grundstimmung verleiht.
Zwei Köpfe hinter dem Buch
Verantwortlich für dieses neue Kapitel der Simple-Reihe zeichnen zwei Persönlichkeiten, die in der Ottolenghi-Welt unterschiedliche, aber sich ergänzende Rollen einnehmen. Yotam Ottolenghi selbst ist längst über den Status des Kochbuchautors hinausgewachsen: Als Gastronom und Chefkoch betreibt er acht Londoner Ottolenghi-Delis sowie die Restaurants NOPI, ROVI und Ottolenghi Geneva, die allesamt zu den kulinarischen Kult-Adressen Europas zählen. Seit 2006 schreibt er zudem eine wöchentliche Kolumne für den Saturday Guardian und ist regelmäßiger Beitragender der New York Times. Elf mehrfach preisgekrönte Bestseller-Kochbücher mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren allein in Deutschland sprechen für sich, ebenso wie der inzwischen vielzitierte „Ottolenghi-Effekt", jenes Synonym für einen Kochstil voller Farbe, Fülle und mediterran-orientalischem Sonnenschein, mit dem Ottolenghi einst als „exotisch" geltende Zutaten wie Sumach, Za'atar oder Granatapfelmelasse in deutschen Küchen salonfähig machte. An seiner Seite steht mit Verena Lochmuller eine Autorin, deren Werdegang selbst schon eine kleine Erzählung wert ist: In Deutschland geboren, in Schottland aufgewachsen und mit einer Patisserie-Ausbildung in New York City im Gepäck, leitet Lochmuller seit 2015 die Ottolenghi Testkitchen in London. Als Rezept- und Produktentwicklerin verleiht sie den Kreationen aus den Ottolenghi-Küchen eine besonders verspielte Note, indem sie unerwartete Techniken und Zutaten einbringt, wovon sie überzeugt ist, dass ein gutes Gebäckrezept die eigentliche Geheimwaffe jeder Küche sei. Bereits als Co-Autorin von „Ottolenghi Comfort" und mehreren Büchern aus der Ottolenghi Testkitchen hat sie ihre Handschrift unter Beweis gestellt, die auch in Simple Too deutlich zu spüren ist.
Einfachheit als roter Faden
Anders als bei vielen Kochbüchern, die Einfachheit lediglich als Marketingversprechen bemühen, wird das Konzept hier tatsächlich konsequent durchdekliniert. Jedes der 135 Rezepte erfüllt mindestens eines von mehreren klar definierten Einfachheitskriterien: Manche Gerichte sind in unter dreißig Minuten fertig, andere entstehen komplett in nur einem Topf, wieder andere lassen sich clever im Voraus vorbereiten und warten nur noch darauf, zum richtigen Zeitpunkt zusammengestellt zu werden. Diese Systematik, die bereits im ersten Simple-Band für Orientierung sorgte, wird in Simple Too konsequent fortgeführt und um zusätzliche Facetten des Alltagskochens erweitert. Anders als der Vorgänger deckt das neue Buch dabei erstmals auch den Frühstückstisch und den Dessertteller ab, wodurch sich das Repertoire von der reinen Feierabendküche zu einem Begleiter durch den gesamten kulinarischen Tagesablauf weitet.
Vom Frühstückstisch bis zum Dessert
Der erweiterte Rezeptumfang erweist sich als eine der größten Stärken des Buches. Wo „Simple" noch vorrangig auf Mittag- und Abendessen fokussierte, nimmt Simple Too nun auch jene Momente des Tages in den Blick, die im hektischen Alltag oft zu kurz kommen, allen voran das Frühstück, das bei Ottolenghi selbstverständlich weit über Müsli und Toast hinausgeht. Auch das Dessertkapitel setzt spürbar die verspielte, patissiere-geschulte Handschrift Verena Lochmullers um und bringt unerwartete Kombinationen auf den Tisch, die dem typischen Ottolenghi-Stil treu bleiben, dabei aber eine zusätzliche technische Raffinesse mitbringen. Bei allen Gerichten bleibt dabei der grundlegende Ottolenghi-Stil erkennbar: farbenfrohe Gemüsegerichte, kräftige Gewürzmischungen und eine Vorliebe für Kontraste zwischen süß, sauer, scharf und erdig, nur eben konsequent heruntergebrochen auf das Wesentliche.
Gestaltung und praktische Handhabung
Wie schon bei den Vorgängerbänden der Reihe legt DK auch bei Simple Too erkennbaren Wert auf eine klare, aufgeräumte Gestaltung, die sich am bewährten Ottolenghi-Layout orientiert: großzügige Fotografien, die die Gerichte appetitlich in Szene setzen, sowie ein übersichtliches Icon-System, das die jeweiligen Einfachheitskriterien auf einen Blick erkennbar macht. Diese visuelle Klarheit erweist sich in der praktischen Küchennutzung als echter Mehrwert, da sich Rezepte je nach verfügbarer Zeit, vorhandenen Zutaten oder aktueller Kochlaune gezielt auswählen lassen, ganz ohne das Buch von vorne bis hinten durchblättern zu müssen.
Fazit
Mit Ottolenghi Simple Too gelingt Yotam Ottolenghi gemeinsam mit Verena Lochmuller eine gelungene und sinnvoll erweiterte Fortsetzung des Bestsellers „Simple", die den bewährten Grundgedanken der Einfachheit konsequent weiterdenkt und dabei erstmals auch Frühstück und Dessert in den Fokus rückt. Das Buch überzeugt durch seine klare Struktur, die alltagstaugliche Rezeptauswahl und die spürbare Handschrift zweier Köche, die sich in ihrer kulinarischen Herangehensweise hervorragend ergänzen. Wer bereits den Vorgänger schätzte oder generell auf der Suche nach unkomplizierter, aber keineswegs langweiliger orientalischer Alltagsküche ist, findet hier ein Kochbuch, das seinem Titel alle Ehre macht.