Die Schlacht von Marathon – Antikes Heldenepos neu auf Blu-ray

Zwischen Palastintrige und Perserkrieg

490 vor Christus: Athen steht am Abgrund. Das persische Großreich unter König Darius rüstet zur Invasion, während innerhalb der Stadtmauern eigene Machtkämpfe toben. Der gefeierte Athlet und mehrfache Olympiasieger Philippides wird in dieser Stunde zum Anführer der heiligen Garde und damit zum Hoffnungsträger seines Volkes berufen. Doch der Ruhm macht ihn zur Zielscheibe: Theokrit, ein Anhänger des einst aus Athen vertriebenen Tyrannen Hippias, sieht in Philippides' Aufstieg eine Bedrohung seiner eigenen Ambitionen und schmiedet im Verborgenen Pläne, die Stadt unter persischer Duldung selbst zu beherrschen. Verschärft wird die Rivalität durch die schöne Andromeda, um deren Gunst beide Männer werben, obwohl ihr Vater Kreusos sie bereits Theokrit versprochen hat. So verdichten sich private Eifersucht und politischer Verrat zu einem Konflikt, der sich erst in der berühmten Feldschlacht bei Marathon entlädt, wo Philippides an der Seite des Feldherrn Miltiades gegen die persische Übermacht antreten muss – und wo sich zeigt, dass der wahre Feind nicht immer außerhalb der eigenen Mauern steht.

Die historische Schlacht bei Marathon

Der Film nimmt sich seine dramaturgischen Freiheiten, doch der historische Kern ist real und gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der griechischen Antike. Im Jahr 490 v. Chr. landete ein persisches Expeditionsheer unter den Feldherren Datis und Artaphernes in der Bucht von Marathon, rund vierzig Kilometer nordöstlich von Athen. Es war der zweite Versuch des persischen Großkönigs Darius I., die aufständischen griechischen Städte des ionischen Aufstands zu bestrafen und zugleich Athen und Eretria zu unterwerfen, die den Aufständischen Beistand geleistet hatten. Die zahlenmäßig deutlich unterlegenen Athener, verstärkt nur durch ein kleines Kontingent aus Platää, formierten sich unter dem Kommando mehrerer Strategen, unter denen sich Miltiades als treibende Kraft für die offene Feldschlacht durchsetzte. Die Athener setzten auf eine geschwächte Mitte und verstärkte Flügel, eine taktische Entscheidung, die zur Einkesselung und vernichtenden Niederlage der Perser führte. Der Sieg bei Marathon wurde in der Antike zum Gründungsmythos athenischer Wehrhaftigkeit und demokratischen Selbstbewusstseins stilisiert und ist bis heute untrennbar mit der – historisch nicht gesicherten, aber legendenumrankten – Geschichte des Läufers verbunden, der die Siegesnachricht nach Athen getragen haben soll, ehe er tot zusammenbrach. Genau diese Legende, die dem Marathonlauf seinen Namen gab, bildet den erzählerischen Anker, um den sich der Film mit seiner Figur des Philippides rankt, auch wenn Drehbuchautoren Ennio De Concini, Augusto Frassinetti und Produzent Bruno Vailati die historischen Eckdaten großzügig mit fiktiven Intrigen, Liebesgeschichten und Verratsmotiven ausgeschmückt haben, wie es für das Genre des Sandalenfilms typisch war.

Steve Reeves und die Männer hinter der Kamera

Im Zentrum des Films steht Steve Reeves, der US-amerikanische Bodybuilder und ehemalige Mister-Universum-Titelträger, der sich Mitte der 1950er Jahre nach Italien aufmachte und dort zum Gesicht des wiederauflebenden Sandalenfilms wurde. Sein internationaler Durchbruch mit „Herkules“ (1958) hatte eine ganze Welle muskelbepackter Antikhelden auf die europäischen Leinwände gespült, und „Die Schlacht von Marathon“ entstand mitten in dieser Hochphase, als Reeves bereits zum Aushängeschild eines ganzen Genres avanciert war. Als Philippides bringt er genau jene Mischung aus physischer Präsenz und stoischer Würde ein, die sein Markenzeichen wurde: bartlos, jungenhaft und in seiner körperlichen Erscheinung von der Kamera geradezu zelebriert, verkörpert er den unbesiegbaren Volkshelden mit einer Selbstverständlichkeit, die dem Genre seine ikonische Statur verlieh. 2026 wäre Reeves, der 2000 verstarb, hundert Jahre alt geworden, was der Neuveröffentlichung eine zusätzliche, fast jubiläumshafte Note verleiht.

Für die Optik des Films verantwortlich zeichnete Mario Bava, der hier als Kameramann fungierte und gemeinsam mit Masino Manunza und Ubaldo Terzano für die opulente Bildsprache sorgte. Offizieller Regisseur der Produktion war der aus Frankreich stammende, in Hollywood zum Meister des Film noir gereifte Jacques Tourneur, doch die Produktionsgeschichte ist eng mit Bavas Namen verwoben: Zahlreiche Quellen, darunter internationale Filmografien, führen ihn als Co-Regisseur, der insbesondere die aufwendigen Schlachtszenen maßgeblich mitgestaltet oder eigenständig inszeniert haben soll – eine im italienischen Genrekino jener Jahre keineswegs untypische Arbeitsteilung. Für Bava, der zu diesem Zeitpunkt bereits als gefragter Kameramann galt, war „Die Schlacht von Marathon“ einer der letzten Schritte auf dem Weg zu seiner eigenen Regiekarriere: Nur ein Jahr später inszenierte er mit „Die toten Augen des Dr. Dracula“ seinen ersten eigenständigen Horrorfilm und legte damit den Grundstein für sein späteres Renommee als einer der einflussreichsten Stilisten des europäischen Genrekinos, dessen Handschrift sich bis in Werke wie „Blutige Seide“ oder „Kill, Baby... Kill!“ verfolgen lässt. Diese doppelte Handschrift – Tourneurs erzählerische Routine und Bavas visuelles Gespür für Licht, Farbe und Raum – prägt den eigentümlichen Reiz des Films, der zwischen klassischem Hollywood-Abenteuerkino und der aufkeimenden italienischen Genreästhetik changiert.

An der Seite von Reeves überzeugen Mylène Demongeot als Andromeda mit spröder Anmut und Sergio Fantoni als intriganter Theokrit mit einer angenehm undurchsichtigen Präsenz, während Alberto Lupo dem Feldherrn Miltiades die nötige Autorität verleiht. Die musikalische Untermalung stammt von Roberto Nicolosi, dessen atmosphärische Score den antiken Pathos zusätzlich unterstreicht.

Die neue Blu-ray von Explosive Media

Die Neuveröffentlichung durch Explosive Media im Vertrieb von Plaion Pictures bringt den 1959 entstandenen Antikschinken nun erstmals in einer zeitgemäßen Heimkinofassung zu den Sammlern, die dem Klassiker in Bildqualität und Ausstattung gerecht wird, wie sie für ein über sechzig Jahre altes Werk kaum selbstverständlich ist.

Verpackungstechnisch setzt das Label auf eine schlichte, aber ansprechende Amaray-Aufmachung, die das plakative Sandalenfilm-Artwork der Ära aufgreift und damit sowohl Nostalgiker als auch Neuentdecker des Genres anspricht. Wer auf opulentere Mediabook-Gestaltungen mit Booklet und Wechselcover gehofft hatte, wird hier auf eine bewusst reduzierte, aber liebevoll gestaltete Alternative verwiesen, die dem Film dennoch einen würdigen Rahmen verschafft.

In technischer Hinsicht überrascht die Restaurierung mit einer erfreulich stabilen Bildqualität, die dem Farbenrausch von Bavas Kameraarbeit sichtbar zugutekommt: Die satten Rot- und Goldtöne der Kostüme, die staubigen Schlachtfeld-Panoramen und die für das Genre charakteristischen Studiokulissen kommen in einer Schärfe und Farbtreue zur Geltung, die dem Alter des Materials keine nennenswerten Abstriche abverlangt. Kompressionsartefakte oder gröbere Bildstörungen treten kaum in Erscheinung, wodurch sich der Film deutlich frischer präsentiert, als es viele frühere Videoauswertungen vermuten ließen. Der Ton liegt in ordentlicher, dem Alter angemessener Qualität vor und transportiert sowohl die Dialoge als auch Nicolosis Musikuntermalung klar und ohne störende Nebengeräusche.

Beim Bonusmaterial hält sich die Ausstattung in überschaubarem, aber sinnvollem Rahmen. Ein Interview mit Steve Reeves gewährt Einblicke in die Entstehung des Films und die Karriere des Hauptdarstellers, dessen Weg vom Bodybuilding-Champion zum internationalen Leinwandhelden hier aus erster Hand nachgezeichnet wird. Ergänzt wird dies durch den Original-Kinotrailer, der die zeitgenössische Vermarktung des Films dokumentiert, sowie eine Bildergalerie, die weiteres Anschauungsmaterial rund um Dreharbeiten und Kinoauswertung bereithält. Wer auf einen ausführlichen Audiokommentar oder eine umfassendere Making-of-Dokumentation gehofft hatte, wird hier zwar nicht vollumfänglich bedient, doch die vorhandenen Extras erfüllen ihren Zweck als kompakte, kurzweilige Ergänzung zum Hauptfilm.

Fazit

„Die Schlacht von Marathon“ mag in seiner Auslegung der historischen Ereignisse mehr Legende als Geschichtsstunde sein, doch als Vertreter des italienischen Sandalenfilms der ausgehenden 1950er Jahre bietet er alles, was das Genre auszeichnet: einen charismatischen Steve Reeves auf dem Höhepunkt seiner Popularität, die stilprägende Kameraarbeit eines späteren Genremeisters in Mario Bava und ein bildgewaltiges, mit Intrigen und antikem Pathos angereichertes Abenteuer, das sich souverän zwischen Hollywood-Handwerk und italienischer Genreästhetik bewegt. Die Neuveröffentlichung von Explosive Media im Vertrieb von Plaion Pictures präsentiert diesen Klassiker in einer technisch überzeugenden, wenn auch beim Bonusmaterial eher schlanken Fassung und macht ihn damit Sammlern und Genrefreunden gleichermaßen zugänglich.