Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 – Review (PS5)


Nach der ersten METAL GEAR SOLID: MASTER COLLECTION, die 2023 die drei klassischen Hauptteile der Serie zusammenfasste, folgt nun mit Vol. 2 der nächste, in vielerlei Hinsicht bedeutsamere Schritt in Konamis Bemühen, das Vermächtnis von Hideo Kojimas Stealth-Action-Saga für moderne Plattformen zu bewahren. Denn während Vol. 1 vor allem Titel versammelte, die längst in unterschiedlichen Fassungen kursierten, bringt Vol. 2 mit Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots ein Spiel zurück, das seit seinem Erscheinen 2008 als eines der letzten großen PlayStation-3-Exklusivtitel praktisch unerreichbar war. Ergänzt wird das Paket durch Metal Gear Solid: Peace Walker in seiner bereits von der HD Collection bekannten Fassung sowie den Game-Boy-Color-Titel Metal Gear: Ghost Babel als Bonusinhalt.


Solid Snakes letzter Auftrag: Metal Gear Solid 4


Das eigentliche Herzstück der Sammlung ist zweifellos Guns of the Patriots. Als direkter Abschluss der um Solid Snake kreisenden Handlungsstränge lässt Kojima seinen gealterten, von künstlich beschleunigter Alterung gezeichneten Protagonisten noch einmal in den Kampf ziehen – konfrontiert mit früheren Weggefährten, alten Widersachern und den Konsequenzen einer Welt, die von privaten Militärfirmen und ferngesteuerten Kriegsrobotern beherrscht wird. Erzählerisch ist Guns of the Patriots ein Kraftakt, der sämtliche losen Fäden der vorangegangenen Teile zusammenführt und dabei nicht davor zurückschreckt, seine Zwischensequenzen auf Spielfilmlänge auszudehnen. Wer die MGS-Reihe seit ihren Anfängen begleitet, wird hier mit einem emotional aufgeladenen, mitunter überladenen Finale belohnt; Neueinsteigende dürften angesichts der schieren erzählerischen Dichte zunächst etwas erschlagen sein, finden im mitgelieferten Master Book und der ausführlichen Datenbank aber wertvolle Einstiegshilfen. Spielerisch zeigt sich Guns of the Patriots als der bislang dynamischste Teil der klassischen Formel: Das Octocamo-System erlaubt es Snake, sich seiner Umgebung anzupassen, während offenere Levelabschnitte und die Möglichkeit, Konflikte zwischen rivalisierenden Fraktionen für die eigenen Zwecke zu nutzen, der schleichenden Herangehensweise neue taktische Tiefe verleihen.


Der Aufstieg von Big Boss: Peace Walker


Den zweiten Hauptteil der Sammlung bildet Metal Gear Solid: Peace Walker in seiner bereits bekannten HD-Collection-Fassung. Ursprünglich für die PSP konzipiert, erzählt der Titel vom Aufstieg des legendären Big Boss, der inmitten des Kalten Krieges in Costa Rica seine eigene Privatarmee aufbaut und damit den erzählerischen Grundstein für die spätere Entwicklung der gesamten Saga legt. Anders als die linear inszenierten Hauptteile setzt Peace Walker auf eine Missionsstruktur mit Basisausbau-Elementen, die spürbar as Blaupause für das spätere, deutlich aufwendigere Mother-Base-System aus Metal Gear Solid V diente. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, mit bis zu sechs Mitspielenden gemeinsam online auf Mission zu gehen – ein Feature, das dem eigentlich für unterwegs konzipierten Titel bereits zu PSP-Zeiten eine überraschend soziale Komponente verlieh und auch heute noch motiviert.


Ghost Babel als liebevolle Randnotiz


Als Bonusinhalt legt Konami mit Metal Gear: Ghost Babel einen echten Fundstück für Serienkenner bei. Der ursprünglich exklusiv für den Game Boy Color erschienene Titel gilt unter Fans seit jeher als heimlicher Geheimtipp innerhalb der Reihe, da er trotz der technischen Beschränkungen der Handheld-Hardware ein erstaunlich stimmiges Stealth-Erlebnis bot. Seine Aufnahme in die Master Collection ist zwar naturgemäß kein Kaufargument für sich allein, rundet das Gesamtpaket aber sinnvoll ab und dürfte insbesondere bei langjährigen Anhängern der Serie für nostalgische Momente sorgen.


Technische Umsetzung


Alle drei Titel wurden für ihre Rückkehr auf moderne Plattformen spürbar überarbeitet. Am deutlichsten profitiert davon naturgemäß Guns of the Patriots, das erstmals überhaupt von der PlayStation 3 gelöst wurde und nun in verbesserter Grafik läuft – schärfere Texturen, eine stabilere Bildrate und eine insgesamt zeitgemäßere Präsentation sorgen dafür, dass sich das einstige Cell-Prozessor-Schwergewicht auf der PS5 spürbar geschmeidiger spielt, ohne dabei seinen ursprünglichen visuellen Charakter zu verlieren. Auch Peace Walker wurde noch einmal poliert und unterstützt nun durchgängig eine an moderne Standards angepasste Doppelanalogstick-Steuerung, die dem einstigen PSP-Titel deutlich besser zu Gesicht steht als sein ursprüngliches Bedienkonzept.


Umfangreiches, aber textlastiges Zusatzmaterial


Neben den Spielen selbst legt Konami der Sammlung ein beachtliches Begleitprogramm bei. Ein Screenplay Book hält die kompletten Spieltexte beider Haupttitel fest, während jeweils ein Master Book detailliert in Handlung, Charaktere und Hintergründe von Guns of the Patriots und Peace Walker einführt. Ergänzt wird dies durch einen digitalen Soundtrack sowie eine umfangreiche Datenbank, die sich über die gesamte Historie der Serie von den Anfängen bis hin zu Guns of the Patriots erstreckt und damit gerade Neueinsteigenden eine wertvolle Orientierungshilfe durch die verzweigte Erzählchronologie bietet. Wer allerdings auf audiovisuelles Bonusmaterial im Stil eines Making-ofs oder auf Entwicklerinterviews gehofft hatte, wird enttäuscht: Das gesamte Zusatzmaterial liegt ausschließlich in Text- und Bildform vor, eine Fortsetzung eines Kritikpunkts, der bereits bei Vol. 1 spürbar war. Angesichts der reichhaltigen Entstehungsgeschichte gerade von Guns of the Patriots wäre hier durchaus noch Luft nach oben gewesen.


Fazit


METAL GEAR SOLID: MASTER COLLECTION Vol. 2 mag inhaltlich schlanker ausfallen als der Vorgänger, gewinnt aber an Bedeutung, wo es zählt: Mit Guns of the Patriots wird eines der letzten großen Konsolen-exklusiven Kapitel der Serie endlich einem breiten Publikum zugänglich gemacht, während Peace Walker als unterschätzter Grundpfeiler der Big-Boss-Geschichte die perfekte Ergänzung liefert. Ghost Babel rundet das Paket als charmante Beigabe ab. Wer sich am textlastigen Bonusmaterial nicht stört, erhält hier eine der wichtigsten Veröffentlichungen des Jahres für Fans taktischer Spionage-Action.