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Creation Stories

Stab & Technische Daten
Regie: Nick Moran | Drehbuch: Irvine Welsh, Dean Cavanagh | Produziert von: Danny Boyle | GB 2021 | 100 Minuten | FSK ab 12 | Deutsche Blu-ray: Pandastorm Pictures


Besetzung
Ewen Bremner (Alan McGee), Jason Isaacs (Ralph), Suki Waterhouse (Gemma), Thomas Turgoose (Noel Gallagher), Leo Flanagan (Liam Gallagher)


Die Geschichte


Creation Stories erzählt das Leben von Alan McGee – Gründer des Kultstempels Creation Records – als wildes, chaotisches und zutiefst menschliches Spektakel. Der Film beginnt in Glasgow der frühen 1970er-Jahre, wo der junge Alan in bedrückenden, ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Sein Vater ist ein verbitterter Mann, das Zuhause bietet wenig Wärme – doch die Musik, allen voran die glitzernde Provokation von David Bowie und die raue Wut der Sex Pistols, öffnet Alan eine Tür zu einer anderen Welt. Es ist ein Motiv, das der Film klug nutzt: Musik als Rettungsanker, als Identität, als Revolution.


Angetrieben von diesem Feuer zieht es McGee nach London. Was folgt, ist eine der schillerndsten Karrieren der britischen Musikgeschichte. Aus einem Geist des Chaos heraus gründet er Creation Records, ein Independent-Label, das den Sound der 1980er und 1990er Jahre maßgeblich prägen wird. My Bloody Valentine, The Jesus and Mary Chain, Primal Scream – und dann, der größte Coup: Oasis. Der Moment, in dem McGee die Gallagher-Brüder in einem schottischen Club entdeckt, gehört zu den stärksten Szenen des Films. Regisseur Nick Moran inszeniert ihn wie eine Epiphanie – ein Punk, der einen neuen Messias erblickt.
Doch wo Licht, da Schatten: Der Erfolg korrumpiert, die Exzesse nehmen zu. Drogen, Paranoia, Erschöpfung. Die Freundschaft zu Ralph (ein herrlich unkontrollierter Jason Isaacs) wird zum Spiegel seiner Selbstzerstörung. Irvine Welsh, der das Drehbuch gemeinsam mit Dean Cavanagh verfasst hat, kennt diese Welt aus dem Effeff – man spürt in jeder Zeile den Autor von Trainspotting. Die Fallhöhe ist immens, der Absturz entsprechend schmerzhaft.


Inszenierung & Stil


Nick Moran inszeniert Creation Stories bewusst wild und fragmentarisch. Der Film springt zwischen Zeitebenen, bricht die vierte Wand, wechselt zwischen Grunge-Ästhetik und popkulturellen Montagen. Produzent Danny Boyle – dessen Fingerabdruck überall spürbar ist – bringt jene kinetische Energie mit, die schon Trainspotting und Slumdog Millionaire ausgezeichnet hat. Das ist kein konventionelles Biopic im Stil von Bohemian Rhapsody, das akkurat Fakten abhakt. Hier regiert das Lebensgefühl, der Rausch, die Ambivalenz.


Ewen Bremner, unvergessen als Spud in Trainspotting, ist eine Idealbesetzung. Er verleiht McGee eine nervöse, fiebrige Qualität – nie vollständig sympathisch, nie vollständig abstoßend. Man folgt ihm, weil man seine Obsession versteht, auch wenn man seine Entscheidungen nicht gutheißen kann. Suki Waterhouse als Journalistin Gemma, die McGee im Interview befragt, funktioniert als nüchterner Anker und Kontrapunkt zu seinen Eskapaden.


Musik & Zeitgeist


Der Soundtrack ist naturgemäß ein Hauptdarsteller: Creation-Records-Klassiker durchziehen den Film und geben jedem Abschnitt seine emotionale Textur. Wer mit Oasis, Primal Scream oder The Jesus and Mary Chain aufgewachsen ist, erlebt hier echte nostalgische Schauer. Aber auch Zuschauende ohne diesen biografischen Zugang spüren die Kraft dieser Musik als historisches Dokument einer Ära, in der britische Popkultur die Welt prägte. Der Film schafft es, Britpop nicht nur zu illustrieren, sondern zu erklären – als Ergebnis von echten, verrückten, leidenschaftlichen Menschen.


Die Blu-ray von Pandastorm Pictures


Die deutsche Blu-ray-Veröffentlichung von Pandastorm Pictures präsentiert den Film in einer soliden technischen Ausstattung. Das Bild profitiert vom Format: Die bewusst körnige, zeitweise grobkörnige Ästhetik des Films wird im 1080p-Transfer angemessen wiedergegeben, ohne dass digitale Glättung die Rohheit des Materials zerstört. Der Soundtrack – und das ist bei einem Musikfilm entscheidend – kommt kraftvoll und dynamisch aus den Lautsprechern; insbesondere die Creation-Records-Klassiker entfalten echte Wirkung.


Die deutsche Synchronisation ist ordentlich, für die volle Wirkung des walisisch-glasgowischen Idioms empfiehlt sich jedoch der Originalton mit Untertiteln. Bremners und Isaacs' Stimmen tragen in der englischen Fassung eine authentische Rauheit, die bei der Synchronisation unvermeidlich etwas geglättet wird.

Fazit


Creation Stories ist kein perfektes Biopic – aber es ist ein lebendiges. Die fragmentarische Struktur und der entfesselte Stil mögen Zuschauende, die geordnete Erzählungen bevorzugen, gelegentlich überfordern. Doch wer sich auf das Chaos einlässt, erlebt ein Porträt von beeindruckender emotionaler Wucht: über Musik als Obsession, über Selbstzerstörung als Schattenseite des Genies, und über eine Ära der britischen Popkultur, die ihresgleichen sucht. Die Pandastorm-Blu-ray ist eine ordentliche Heimkino-Veröffentlichung, die dem Film gerecht wird – für Fans von Trainspotting, Britpop und rockenden Biopics klar eine Kaufempfehlung.