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Es gibt Stoffe, die altern nicht – sie reifen. Astrid Lindgrens 1964 entstandene Fernsehserie „Ferien auf Saltkrokan", im schwedischen Original „Skafferitrappan" betitelt und hierzulande seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des kollektiven Kindheitserlebnisses mehrerer Generationen, gehört zweifellos dazu. Wenn One Gate Media die Serie nun in einer modernen Überarbeitung als DVD-Miniserie unter dem Titel „Unsere Ferien auf Saltkrokan" neu herausbringt, ist das zunächst einmal ein Anlass zur Freude – und bei näherer Betrachtung auch ein Anlass zur Reflexion darüber, was ein solcher Klassiker heute noch zu sagen hat und wie er dabei wirkt.


Die Geschichte selbst ist rasch erzählt, und ihre Stärke liegt gerade in ihrer scheinbaren Schlichtheit. Der junge Pelle verbringt den Sommer mit seiner Familie auf der kleinen schwedischen Schäreninsel Saltkrokan: Papa Melker, ein zerstreut-liebenswerter Schriftsteller, und die Brüder Ivan und Elliott reisen gemeinsam an, etwas später folgt die ältere Schwester Malin mit ihrer kleinen Tochter Skrollan. Auf der Insel warten bereits Freundschaften, Abenteuer und jene kleinen und großen Dramen, aus denen Kindheiten gemacht sind. Die temperamentvolle Tjorven, deren einzige Gesellschaft abseits ihrer älteren Schwestern Julia und Elin der Hund Bootsmann war, findet in den Neuankömmlingen willkommene Gefährten. Stina, die mit ihrer Oma Ia Urlaub auf Saltkrokan macht, ist ohnehin bei jedem Abenteuer mit dabei – und selbst der spießige Uffe, der sich mit schöner Regelmäßigkeit einmischt und für Reibung sorgt, trägt auf seine Weise zum lebendigen Treiben bei.


Was Lindgren in dieser Serie entfaltet, ist kein aufgeregtes Abenteuer nach dem Muster moderner Kinderunterhaltung, sondern etwas Selteneres und Kostbareres: eine authentische Darstellung kindlicher Lebenswirklichkeit, in der Freude und Trauer, Neugierde und Angst, Freundschaft und Konflikt mit gleicher Ernsthaftigkeit behandelt werden. Die sechs Episoden – vom „Schreinerhäuschen" über den im Nebel verlorenen Ausflug, Pelles sehnlichst gewünschtes Kaninchen und das Geisterschiff bis hin zur Geburtstagsfeier mit Hindernissen und dem abschließenden sechsten Kapitel – bilden dabei keine streng aufbauende Handlung, sondern ein episodisches Panorama des Insellebens, das in seiner Summe ein Bild entstehen lässt, das mehr ist als seine Einzelteile.


Die moderne Überarbeitung, mit der One Gate Media das Material für die heutige DVD-Veröffentlichung aufbereitet hat, ist mit Bedacht vorgenommen worden. Bild und Ton wurden zeitgemäß aufgewertet, ohne dem historischen Material seinen Charakter zu nehmen – jene eigentümliche Wärme und Textur, die Aufnahmen dieser Ära eigen ist und die gerade in Kombination mit dem nordischen Sommerlicht eine Atmosphäre erzeugt, die sich moderner Hochglanzproduktion schlicht entzieht. Wer hier auf eine grundlegende inhaltliche Neu- oder Umgestaltung gehofft oder gefürchtet hat, kann beruhigt sein: Es ist noch immer Lindgrens Saltkrokan, nur eben in einer Form, die auch auf aktuellen Fernsehern ohne den verwitterten Eindruck früherer Heimvideofassungen zur Geltung kommt.


Was diese Serie auch heute noch so einnehmend macht, ist das Zusammenspiel aus Ort, Figuren und Erzählhaltung. Saltkrokan ist als Schauplatz von einer fast hypnotischen Wirkung – die karge Schönheit der Schären, das Wasser, die Holzhäuser, die langen Sommertage: eine Welt, die real und märchenhaft zugleich wirkt und in der jede Kleinigkeit das Gewicht einer großen Erfahrung annimmt. Lindgren wusste, dass Kinder keine vereinfachten Erwachsenen sind, sondern Menschen mit eigenem Ernst und eigener Würde – und diese Haltung prägt jede Szene der Serie, ohne jemals didaktisch oder belehrend zu werden. Wenn Pelle um sein Kaninchen bangt oder Tjorven ihre stürmische Freundschaft lebt, fühlt das sich niemals aufgesetzt an, sondern beobachtet und wahr.


„Unsere Ferien auf Saltkrokan" ist damit weit mehr als eine nostalgische Wiederbegegnung für jene, die mit der Serie aufgewachsen sind – wenngleich diese Wiederbegegnung in der überarbeiteten Fassung besonders schön gelingt. Es ist auch eine echte Entdeckung für jüngere Zuschauer und Zuschauerinnen, die mit Lindgrens Werk bislang weniger vertraut sind, und ein Beweis dafür, dass gute Kinderunterhaltung keiner Hochgeschwindigkeit, keines permanenten Spektakels und keines digitalen Effektaufwands bedarf, um zu fesseln und zu berühren. Manchmal genügt eine Insel, ein Sommer und Menschen, denen man gerne zuschaut.