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Ein amerikanischer Archäologe, ein uraltes Grab unter den Straßen Roms und Donald Pleasence, der sich tapfer durch Nebelmaschinen und grünes Discolicht kämpft: „Specters – Mächte des Bösen" ist eines dieser italienischen Horrorwerke der späten 80er, die lange im Schatten der großen Genrenamen standen. Wicked Vision holt den Film nun im Rahmen der Italo Movie Collection erstmals als Blu-ray zurück ins Rampenlicht.
Handlung


Während der Ausgrabungen in einem antiken Katakombensystem unter der Ewigen Stadt stößt der Archäologie-Professor Lasky auf eine versiegelte Kammer, die seit Jahrhunderten unberührt blieb. Doch die Neugier der Forscher hat einen tödlichen Preis: Durch die Erschütterungen von U-Bahn-Bauarbeiten wird ein verborgener Gang freigelegt, und eine uralte, bösartige Entität erwacht aus ihrem Schlummer. Was als wissenschaftliche Sensation beginnt, wandelt sich schnell in einen blutigen Albtraum. Ein unsichtbares Grauen beginnt, die Mitglieder des Teams nacheinander auf entsetzliche Weise zu dezimieren. In den labyrinthischen Tunneln unter Rom gibt es kein Entkommen vor den Mächten des Bösen, die nur ein Ziel kennen: die Lebenden in ihr dunkles Reich hinabzuziehen.


Der Film nimmt sich viel Zeit für seine junge Forschergruppe, ihre Beziehungen und Eifersüchteleien, ehe das eigentliche Grauen langsam Fahrt aufnimmt. Wer schnelle Schockmomente erwartet, wird zunächst enttäuscht – „Specters" setzt stattdessen auf eine morbide, fast schon morastige Grundstimmung, die sich erst im letzten Drittel zu einem handfesten Creature-Feature auswächst.


Regisseur und Entstehung


Marcello Avallone inszenierte mit „Specters" 1987 seinen vierten Spielfilm und zugleich sein erstes Werk im Horrorgenre. Die Idee zum Film reifte, nachdem Avallone Anfang der 80er-Jahre in den USA gearbeitet hatte und beschloss, sich verstärkt dem Horrorfilm zuzuwenden. Gemeinsam mit Produzent Maurizio Tedesco sowie dem Corriere-della-Sera-Journalisten Andrea Purgatori entwickelte er ein Drehbuch, das gezielt auch für den internationalen Markt konzipiert wurde – der Film wurde komplett in englischer Sprache gedreht. Mit Dardano Sacchetti, bekannt durch zahlreiche Arbeiten für Lucio Fulci sowie für „Demons", war zudem ein Autor mit prominentem Horror-Stammbaum als Skriptdoktor beteiligt, wenngleich sein tatsächlicher Beitrag zum fertigen Drehbuch eher gering ausfiel. Avallone selbst betonte später, dass es ihm weniger um einen klassischen Horrorfilm gegangen sei als vielmehr um eine Geschichte über die Angst und die schattenhafte Grenze zwischen Gut und Böse. Nach nur neun Wochen Drehzeit kam „Specters" im Mai 1987 in die italienischen Kinos, ehe der Film erst zwei Jahre später auch in den USA Verbreitung fand.


Besetzung


In der Hauptrolle des Marcus ist John Pepper zu sehen, der vor seiner Zeit vor der Kamera bereits als Regieassistent unter anderem bei „Garp und wie er die Welt sah" und „Ghostbusters" gearbeitet hatte. Für die Rolle wurde er vor allem aufgrund seiner Sprachgewandtheit im Englischen besetzt – „Specters" blieb seine einzige tragende Schauspielrolle. An seiner Seite steht Trine Michelsen als Alice, eine Sängerin und Schauspielerin, unter deren Beziehung zu Marcus dessen Besessenheit von der Ausgrabung zunehmend leidet. Die zweifellos größte Besetzungscoup des Films ist jedoch Donald Pleasence in der Rolle des Professor Lasky. Der britische Charakterdarsteller, dem Horrorfans vor allem als Dr. Sam Loomis aus John Carpenters „Halloween"-Reihe ein Begriff sein dürfte, verleiht der Produktion trotz überschaubarem Budget eine gewisse Seriosität und liefert eine für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltende, leicht schrullige Performance ab. Massimo De Rossi spielt Matteo, Riccardo De Torrebruna gibt Andrea, und Lavinia Grizi rundet das Grabungsteam als Barbara ab.
Handwerk und Wirkung


„Specters" leidet zweifellos unter einem reichlich konfusen Drehbuch – gleich mehrere Handlungsstränge werden angerissen, ohne wirklich zu Ende erzählt zu werden, und die Natur des titelgebenden Bösen bleibt bis zum Abspann diffus. Was den Film dennoch sehenswert macht, ist seine morbide, feuchte Katakombenatmosphäre sowie die effektvollen Arbeiten von Sergio Stivaletti, der bereits hier – zwei Jahre vor seinem Durchbruch bei „Zombie 3" und lange vor „DellaMorte DellAmore" – sein Gespür für schleimiges, kreatürliches Horror-Design unter Beweis stellt. Zwar bleibt die titelgebende Entität über weite Strecken unsichtbar und wird nur in kurzen, effektvollen Momenten gezeigt, doch gerade das finale Aufeinandertreffen entschädigt für die eher zähe erste Hälfte. Wind- und Nebelmaschinen kommen dabei zwar reichlich zum Einsatz, verleihen dem Film aber auch einen gewissen trashigen Charme, der sich ins Herz der Genrefans einschleicht.


Die Veröffentlichung


Als Teil der Italo Movie Collection bringt Wicked Vision „Specters – Mächte des Bösen" nun erstmals hierzulande als Blu-ray heraus – ein längst überfälliger Schritt für einen Film, der bislang nur schwer zugänglich war. Der Veröffentlichung liegt ein Wendecover ohne Logo bei, dazu ein 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach, der den Film in den historischen und produktionstechnischen Kontext einordnet. Sowohl der italienische als auch der englische Audiotrack sind mit jeweils passenden deutschen und englischen Untertiteln versehen, sodass Fans den Film ganz nach Vorliebe in seiner Originalfassung genießen können.


Extras im Detail


Herzstück des Bonusmaterials ist der Audiokommentar mit den Filmhistorikern Troy Howarth und Eugenio Ercolani, die den Film ausführlich einordnen und mit Hintergrundwissen zur italienischen Horrorlandschaft der 80er anreichern. Ergänzt wird dieser durch ein umfangreiches Interviewprogramm: In „Little Roman Ghosts" blickt Regisseur und Co-Autor Marcello Avallone selbst auf die Entstehung des Films zurück, während Produzent und Co-Autor Maurizio Tedesco in „Paranormal Roman Activity" von den Hintergründen der Produktion erzählt. Special-Effects-Künstler Sergio Stivaletti kommt in „Little Specters, Little Demons" zu Wort und gibt Einblicke in seine kreatürlichen Effekte, ehe Filmhistoriker Eugenio Ercolani in „A Horrific Anomaly" den Film noch einmal aus akademischer Perspektive beleuchtet. Als besonderes Schmankerl liegt zudem mit „Simply Emma" ein Audio-Interview mit Schauspielerin Erna Schürer bei, die im Film als Katakombenführerin zu sehen ist. Abgerundet wird das Paket durch einen alternativen Vorspann mit der italienischen Titelsequenz samt Credits sowie eine Bildergalerie.


Fazit


„Specters – Mächte des Bösen" ist sicherlich kein verkanntes Meisterwerk, sondern eher ein charmant-schrulliges Beispiel dafür, wie das italienische Horrorkino der späten 80er auch mit begrenztem Budget und einem reichlich löchrigen Drehbuch atmosphärische Momente erzeugen konnte. Wer sich auf die gemächliche erste Hälfte einlässt, wird mit einer morbiden Katakombenstimmung, den ordentlichen Effekten von Sergio Stivaletti und einem sichtlich amüsierten Donald Pleasence belohnt. Wicked Vision liefert mit dieser Blu-ray-Erstveröffentlichung im Rahmen der Italo Movie Collection ein rundes Paket samt kenntnisreichem Bonusmaterial ab, das dem Film die längst überfällige Aufmerksamkeit verschafft.