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Tödlicher Salut – Swinging London zwischen Werbeagentur und Attentatsplan


Es gibt Filme, die man sich vor allem deshalb ansieht, weil man in ihnen die Konturen eines später weltberühmten Stars erkennen kann, lange bevor dieser zur Ikone wurde. „Tödlicher Salut“ ist ein solcher Fall: Roger Moore, zu diesem Zeitpunkt vor allem als Fernsehstar aus „Simon Templar“ bekannt, spielt hier einen Werbemann, der in eine Verschwörung hineingezogen wird – und man sieht ihm förmlich an, wie sich unter der Oberfläche bereits der spätere James Bond formt. Plaion Pictures bringt diesen charmanten, wenig bekannten Genrebeitrag nun auf Blu-ray heraus und erweist damit einem Kultfilm für Kenner klassischer Eurospy-Unterhaltung eine späte Ehre.


Die Geschichte: Werbung, Flirt und Attentat


Gary Fenn, gespielt von Roger Moore, führt in London das sorglose Leben eines erfolgreichen Werbemannes – gutes Auftreten, schneller Humor, ein Gespür für Chancen, sowohl beruflich als auch privat. Diese Sorglosigkeit endet abrupt, als er auf die geheimnisvolle Marla Kugash trifft. Was als beiläufiger Flirt beginnt, entwickelt sich rasch zu einer gefährlichen Angelegenheit, denn Marla hat unbeabsichtigt Informationen über ein geplantes Attentat aufgeschnappt. Damit geraten beide ins Visier einer skrupellosen Verschwörergruppe. Gary versucht, dem Komplott auf die Spur zu kommen, gerät dabei jedoch selbst unter Mordverdacht und muss fortan sowohl den eigentlichen Tätern als auch der Polizei entkommen. Der Film verbindet damit den klassischen Thriller-Mechanismus des zu Unrecht Verdächtigten, wie ihn schon Hitchcock etabliert hatte, mit dem urbanen Flair und der modischen Oberflächlichkeit des Swinging London der sechziger Jahre.


Regisseur Alvin Rakoff und sein Gespür für Tempo


Inszeniert wurde „Tödlicher Salut“ von Alvin Rakoff, einem kanadisch-britischen Regisseur, der sein Handwerk vor allem im Fernsehen der fünfziger und sechziger Jahre geschärft hatte, unter anderem mit zahlreichen Live-Fernsehspielen für die BBC. Diese Erfahrung mit engen Produktionsbedingungen und straffer Erzählökonomie merkt man dem Film an: Rakoff inszeniert mit spürbarem Tempo und leichter Hand, ohne sich in Nebensträngen zu verlieren. Statt auf große Actionsequenzen setzt er auf eine stimmige urbane Atmosphäre, die das London jener Jahre als schillernden, aber auch tückischen Schauplatz zeichnet. Später sollte Rakoff mit Fernsehproduktionen wie „A Voyage Round My Father“ oder Literaturverfilmungen wie „King Lear“ mit Laurence Olivier reüssieren, doch bereits hier zeigt sich sein Talent, Geschichten kompakt und pointiert zu erzählen, ohne dabei an atmosphärischer Dichte zu verlieren.


Roger Moore und Martha Hyer als charismatisches Zentrum


Roger Moore verkörpert Gary Fenn mit genau jener Mischung aus Eleganz, trockenem Witz und selbstironischer Nonchalance, die ihn nur wenige Jahre später zum Weltstar machen sollte. Wer seine spätere Bond-Ära kennt, erkennt in diesem Frühwerk bereits viele der Markenzeichen: den lässigen Charme, die Fähigkeit, auch in brenzligen Situationen einen lockeren Spruch zu finden, und ein Auftreten, das Gefahr eher mit einem Augenzwinkern als mit sichtbarer Anspannung begegnet. Für Fans, die Moores Werdegang nachvollziehen möchten, ist „Tödlicher Salut“ deshalb ein aufschlussreicher Baustein, gewissermaßen ein Probelauf für die Rolle, die seine Karriere später prägen sollte.


An seiner Seite steht Martha Hyer als Marla Kugash. Die US-amerikanische Schauspielerin, die zuvor bereits in Hollywoodproduktionen wie „Some Came Running“ für Aufsehen gesorgt und eine Oscar-Nominierung erhalten hatte, bringt der Figur eine Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit entgegen, die sie vor der reinen Dekorationsrolle bewahrt, die weibliche Figuren in Thrillern jener Zeit häufig zugeschrieben bekamen. Zwischen Hyer und Moore entsteht eine glaubwürdige Chemie, die dem Film über manche dramaturgische Schwäche hinweghilft.


Verstärkt wird das Ensemble durch Bernard Lee, der cineastisch interessierten Zuschauern vor allem als „M“ aus den frühen Bond-Filmen ein Begriff sein dürfte und hier auf ironische Weise bereits im Umfeld des künftigen 007 auftaucht. Claudie Lange und Alexis Kanner runden die prominente Besetzung ab und sorgen für zusätzliche internationale Ausstrahlung.


Zwischen Agentenfilm und Zeitkolorit


Was „Tödlicher Salut“ besonders reizvoll macht, ist die Verbindung aus handfester Thriller-Spannung und dem spezifischen Flair des Swinging London. Die Werbeagentur-Kulisse, die modische Garderobe, die Musik und das urbane Lebensgefühl der sechziger Jahre werden nicht nur als Hintergrund genutzt, sondern prägen den Ton des gesamten Films. Wer klassische Eurospy-Produktionen und britische Agentenunterhaltung jener Dekade schätzt, findet hier einen kurzweiligen, stilbewussten Vertreter des Genres, der zwar nicht die Klasse der großen Bond-Filme erreicht, aber gerade durch seine Kompaktheit und seinen Charme überzeugt.


Bildpräsentation und Technik


Plaion Pictures präsentiert „Tödlicher Salut“ in einer für einen weitgehend unbekannten Genretitel dieser Ära erfreulich sauberen technischen Aufbereitung. Die Bildqualität lässt den urbanen Look des Londons der sechziger Jahre angemessen zur Geltung kommen, die Farbgebung wirkt stimmig, ohne künstlich nachbearbeitet zu erscheinen, und feine Details in Kostümen und Ausstattung bleiben erkennbar. Für Sammler, die Wert auf eine adäquate Bildqualität auch bei weniger prominenten Katalogtiteln legen, dürfte die Veröffentlichung eine erfreuliche Überraschung sein.


Bonusmaterial


Das Bonusmaterial fällt bewusst schlank aus und beschränkt sich auf den originalen Kinotrailer sowie eine Bildergalerie. Der Trailer vermittelt einen guten Eindruck davon, wie der Film zu seiner Entstehungszeit vermarktet wurde, und liefert damit einen kleinen zeitgeschichtlichen Kontext, während die Bildergalerie mit Szenenfotos und Werbematerial zum Verweilen einlädt. Wer sich umfangreiche Zusatzinterviews oder Audiokommentare erhofft hatte, wird hier zwar nicht bedient, doch für einen eher unbekannten Katalogtitel ist dieses schlanke Angebot durchaus üblich und schmälert den Gesamteindruck der Veröffentlichung nur wenig.


Fazit


„Tödlicher Salut“ ist ein charmant-spannender Kulttitel, der vor allem für Fans klassischer Eurospy- und Agentenunterhaltung sowie für alle, die Roger Moores Weg zum Weltstar nachvollziehen möchten, eine lohnende Entdeckung darstellt. Alvin Rakoffs zügige, atmosphärisch dichte Inszenierung, das charismatische Zusammenspiel von Moore und Hyer sowie die stimmige Zeichnung des Swinging London machen den Film zu einem unterhaltsamen Zeitdokument. Die Blu-ray von Plaion Pictures überzeugt mit solider Bildqualität, auch wenn das Bonusmaterial überschaubar bleibt.