Mit Fading Echo bringt das Studio Emeteria, ein Studio von New Tales, ein ungewöhnliches Action-Adventure-RPG auf die PlayStation 5, das sich vor allem durch seine eigenwillige Spielwelt und eine besondere zentrale Mechanik von der Masse abheben möchte. Statt einfach nur mit Schwertern, Schusswaffen oder klassischen Zaubern auf Gegner loszugehen, dreht sich hier nahezu alles um Wasser, Elemente, Bewegung und den Wechsel zwischen verschiedenen Realitäten. Das Ergebnis ist ein Spiel, das sich nur schwer in eine einzige Schublade stecken lässt. Fading Echo verbindet Action, Erkundung, Rätsel und Rollenspielelemente miteinander und versucht dabei, dem Spieler möglichst viele Freiheiten bei der Lösung seiner Aufgaben zu geben.
Im Mittelpunkt steht One, eine junge Legende, die sich aufmacht, die Welt Corel zu retten. Corel ist allerdings keine gewöhnliche Fantasy-Welt. Die einst zusammenhängende Welt wurde durch eine mysteriöse Kraft namens Paradox auseinandergerissen und in verschiedene Realitäten aufgespalten. Die sogenannte Paradox-Korruption breitet sich immer weiter aus und droht, das zu verschlingen, was von Corel noch übrig ist. Für One wird die Reise deshalb zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Gleichzeitig geht es aber auch um ihre eigene Vergangenheit und die Frage, wer sie eigentlich ist und welche Rolle ihre besonderen Fähigkeiten in dieser zerfallenden Welt spielen.
Schon beim ersten Blick auf die Spielwelt fällt auf, dass sich Fading Echo nicht unbedingt an klassische Fantasy-Konventionen hält. Schwebende Inseln, zerstörte Landschaften, verzerrte Realitäten und eine Mischung aus natürlichen und teilweise sehr ungewöhnlichen Umgebungen ergeben ein Szenario, das angenehm eigenständig wirkt. Die Welt von Corel besitzt dadurch einen gewissen surrealen Charakter. Man hat nicht permanent das Gefühl, durch eine typische Fantasywelt zu laufen, sondern erkundet eine Umgebung, die immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen überrascht.
Dabei ist Wasser der wichtigste Bestandteil des gesamten Spiels. One besitzt die Fähigkeit, Æther, wie das Wasser in der Welt von Fading Echo genannt wird, zu manipulieren. Das beschränkt sich allerdings nicht darauf, Wasser als eine Art magisches Geschoss einzusetzen. One kann ihre Gestalt verändern und selbst zu einer Art lebendigem Wasserklumpen werden. Diese Fähigkeit ist nicht nur ein netter visueller Effekt, sondern bildet einen wesentlichen Bestandteil des Gameplays.
Als Wasserwesen kann sich One beispielsweise durch enge Spalten bewegen, durch Rohre schießen oder Schwung aufnehmen, um größere Entfernungen zurückzulegen. Dadurch wird die Fortbewegung selbst zu einem Bestandteil des Rätseldesigns. Statt einfach nur einen Weg von A nach B abzulaufen, muss man sich immer wieder überlegen, wie man seine Wasserform sinnvoll einsetzen kann. Besonders gelungen ist dabei, dass Bewegung, Erkundung und Kampf nicht völlig voneinander getrennt sind. Die gleiche Fähigkeit kann in unterschiedlichen Situationen völlig unterschiedliche Funktionen übernehmen.
Auch im Kampf spielt Æther eine zentrale Rolle. One kann Wasserwellen erzeugen, Gegner durchnässen oder mit geladenen Schüssen angreifen. Richtig interessant wird das Kampfsystem aber erst durch die Interaktion mit anderen Elementen. Wasser reagiert mit Lava, Giftmüll und der Paradox-Korruption. Dadurch entstehen unterschiedliche Möglichkeiten, Gegner zu beeinflussen und die Umgebung für sich zu nutzen.
Genau hier liegt eine der interessantesten Ideen von Fading Echo. Das Spiel möchte dem Spieler nicht einfach eine festgelegte Angriffskette vorgeben. Stattdessen soll man beobachten, was sich auf dem Schlachtfeld befindet, welche Gegner vor einem stehen und welche Elemente in der Umgebung verfügbar sind. Anschließend entscheidet man selbst, wie man diese miteinander kombiniert. Ein Gegner kann beispielsweise zunächst mit Wasser durchnässt werden, bevor ein weiterer Effekt ausgelöst wird. Andere Situationen können wiederum dadurch gelöst werden, dass man die Umgebung manipuliert und eine Kettenreaktion in Gang setzt.
Dadurch besitzt das Kampfsystem zumindest theoretisch eine angenehme Experimentierfreude. Es geht nicht ausschließlich darum, möglichst schnell auf den Angriffsknopf zu drücken. Wer sich die Zeit nimmt, die unterschiedlichen Möglichkeiten auszuprobieren, kann teilweise deutlich elegantere Lösungen finden. Gerade bei anspruchsvolleren Begegnungen kommt es deshalb darauf an, nicht nur die Gegner, sondern auch die Umgebung im Auge zu behalten.
Das funktioniert besonders gut, weil Fading Echo seine verschiedenen Spielsysteme nicht isoliert voneinander behandelt. Wasser, Bewegung, Elementarreaktionen, Rätsel und Realitätswechsel greifen ineinander. Man lernt zunächst die einzelnen Möglichkeiten kennen und beginnt anschließend, diese miteinander zu kombinieren. Dadurch entsteht mit zunehmendem Spielfortschritt ein immer größerer Werkzeugkasten.
Eine weitere wichtige Mechanik ist der Wechsel zwischen verschiedenen Realitäten. Corel existiert nicht mehr als eine einzige stabile Welt. Durch das Paradox sind unterschiedliche Versionen derselben Umgebung entstanden. One kann zwischen diesen Realitäten wechseln und dadurch Bereiche erreichen oder Möglichkeiten nutzen, die in einer anderen Version der Welt nicht vorhanden sind.
Diese Idee wird sowohl bei der Erkundung als auch bei den Rätseln eingesetzt. Ein Weg, der in einer Realität blockiert ist, kann in einer anderen Realität plötzlich offen sein. Ein benötigtes Element befindet sich möglicherweise nur auf der anderen Seite des Realitätswechsels. Dadurch verändern sich bekannte Bereiche und bekommen eine zusätzliche Ebene.
Besonders interessant ist, dass diese Mechanik auch im Kampf eingesetzt wird. Ein Wechsel der Realität kann die vorhandenen Ressourcen, Gefahren oder Elemente verändern. Dadurch kann eine eigentlich schwierige Kampfsituation plötzlich ganz anders aussehen. Statt einen Gegner einfach nur mit stärkeren Angriffen zu besiegen, kann man unter Umständen die Umgebung wechseln und sich dadurch einen entscheidenden Vorteil verschaffen.
Das sorgt für eine angenehme Verbindung zwischen Erkundung und Action. Ein Spieler, der sich intensiv mit der Welt beschäftigt und die verschiedenen Systeme versteht, wird dadurch belohnt. Gleichzeitig verhindert das, dass sich die unterschiedlichen Gameplay-Bereiche völlig getrennt voneinander anfühlen.
Das Rätseldesign profitiert ebenfalls von diesem Ansatz. Fading Echo verlangt nicht ausschließlich klassische Schalterrätsel. Häufig muss man sich überlegen, wie man Wasser, Umgebung und Realitäten miteinander kombiniert. Gerade die Wasserform von One eröffnet dabei Möglichkeiten, die man bei einem gewöhnlichen Action-Adventure nicht erwarten würde.
Das kann beispielsweise bedeuten, dass man sich durch eine kleine Öffnung bewegt, Wasser an einer bestimmten Stelle verteilt oder durch Rohre in einen anderen Bereich gelangt. An anderer Stelle wiederum muss man Elemente miteinander reagieren lassen. Dadurch entsteht ein Spielgefühl, bei dem man immer wieder dazu animiert wird, die Umgebung genauer zu betrachten.
Allerdings ist genau diese Experimentierfreude auch eine kleine Hürde für Spieler, die gerne sehr klare Vorgaben bekommen. Fading Echo möchte nicht ständig erklären, welche Lösung die Entwickler vorgesehen haben. Vielmehr soll man selbst herausfinden, welche Möglichkeiten die verschiedenen Systeme bieten. Das kann zu schönen Aha-Momenten führen, verlangt aber auch etwas Geduld und Bereitschaft zum Ausprobieren.
Die Spielwelt selbst trägt viel zum Erlebnis bei. Die schwebenden Inseln und zerbrochenen Realitäten erzeugen eine ungewöhnliche Kulisse, die sich angenehm von klassischen Fantasy- oder Science-Fiction-Welten unterscheidet. Gleichzeitig vermittelt die Paradox-Korruption ein Gefühl des Zerfalls. Die Welt ist nicht einfach nur ein schöner Ort, den man erkundet, sondern ein Gebiet, das zunehmend von einer mysteriösen Macht verändert und verschlungen wird.
Auch erzählerisch versucht Fading Echo, mehr zu bieten als die übliche Geschichte vom Helden, der eine Welt retten muss. One steht zwar vor der Aufgabe, Corel vor dem Untergang zu bewahren, gleichzeitig muss sie aber ihre eigene Vergangenheit erforschen. Dadurch besitzt die Handlung eine persönliche Ebene. Die Frage nach Ones Herkunft und ihrer Verbindung zu ihren Fähigkeiten begleitet die Reise.
Unterwegs trifft One auf verschiedene ungewöhnliche Verbündete. Diese Figuren stehen ihr aus unterschiedlichen Gründen zur Seite. Manche sind loyal, andere werden von Schuldgefühlen angetrieben und wieder andere haben schlicht keinen anderen Ort mehr, an den sie gehen können. Dadurch entsteht eine kleine Gruppe von Charakteren, die unterschiedliche Beziehungen zu One und zu der zerfallenden Welt besitzen.
Als Gegenspieler steht unter anderem Maddock im Mittelpunkt, der skrupellose Anführer des Paradox auf Corel. Er verkörpert die Bedrohung, gegen die One antreten muss, und sorgt dafür, dass ihre Reise nicht nur eine Erkundungstour durch eine interessante Welt bleibt.
Auf der PlayStation 5 profitiert Fading Echo natürlich von der modernen Hardware. Die Darstellung der schwebenden Landschaften und der verschiedenen Realitäten kann ihre Wirkung entfalten, während die DualSense-Unterstützung für zusätzliches Feedback sorgt. Gerade bei einem Spiel, bei dem Wasser und verschiedene Elementareffekte so wichtig sind, bietet das haptische Feedback eine passende Ergänzung.
Die PS5-Version unterstützt außerdem manuelle Speicherfunktionen und zahlreiche Barrierefreiheitsoptionen. Im PlayStation Store werden insgesamt 22 entsprechende Funktionen aufgeführt. Damit lässt sich das Spielerlebnis in verschiedenen Bereichen an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Gerade bei einem Action-Adventure mit zahlreichen unterschiedlichen Mechaniken ist es erfreulich, wenn der Entwickler hier nicht nur eine einzige Standarderfahrung voraussetzt.
Auch die deutsche Bildschirmtext-Unterstützung ist positiv hervorzuheben. Die Sprachausgabe ist dagegen unter anderem auf Englisch und Portugiesisch verfügbar. Für Spieler, die Wert auf deutsche Texte legen, ist die Lokalisierung somit problemlos nutzbar.
Fading Echo ist außerdem ein reines Singleplayer-Abenteuer. Einen Mehrspielermodus gibt es nicht. Das passt allerdings durchaus zum Aufbau des Spiels, denn die Reise von One und die Erforschung ihrer Vergangenheit stehen klar im Mittelpunkt. Wer ein kooperatives Actionspiel sucht, wird hier entsprechend nicht fündig.
Besonders angenehm ist, dass man das Spiel vor dem Kauf über eine kostenlose PS5-Demo ausprobieren kann. Gerade bei einem Titel wie Fading Echo, dessen Reiz stark von seinen ungewöhnlichen Gameplay-Systemen abhängt, ist diese Möglichkeit sinnvoll. Denn die Mischung aus Wasser-Manipulation, Elementarkombinationen und Realitätswechseln ist etwas, das man am besten selbst erlebt, anstatt es nur anhand von Beschreibungen zu beurteilen.
Preislich bewegt sich die PS5-Version mit 19,99 Euro im vergleichsweise günstigen Bereich. Das macht Fading Echo vor allem für Spieler interessant, die nach einem kleineren, ungewöhnlichen Action-Adventure suchen und nicht zwingend ein riesiges Open-World-Abenteuer mit mehreren hundert Stunden Spielzeit benötigen.
Seine größte Stärke besitzt Fading Echo eindeutig in seiner ungewöhnlichen Grundidee. Wasser ist hier nicht einfach nur ein Element, das einen bestimmten Zauber repräsentiert. Es ist gleichzeitig Waffe, Fortbewegungsmittel, Rätselwerkzeug und Bestandteil der Welt. Die Möglichkeit, selbst zur Wasserform zu werden, erweitert das Konzept zusätzlich und sorgt für einige Gameplay-Möglichkeiten, die man in dieser Form nicht unbedingt erwartet.
Dazu kommt der Wechsel zwischen den Realitäten. Auch diese Mechanik hätte leicht zu einem reinen Story-Gimmick werden können, wird aber in verschiedene Bereiche des Spiels integriert. Dadurch entsteht eine Welt, in der man nicht nur fragt, was sich vor einem befindet, sondern auch, wie derselbe Ort in einer anderen Realität aussehen könnte.
Natürlich ist das Konzept nicht frei von kleineren Schwächen. Die Vielzahl der Mechaniken kann gerade zu Beginn etwas überfordernd wirken. Wer lieber ein sehr geradliniges Action-Adventure spielt, bei dem die Lösung der nächsten Aufgabe meistens sofort klar ist, muss sich auf Fading Echo erst einlassen. Auch die starke Ausrichtung auf Experimente bedeutet, dass nicht jede Begegnung auf Anhieb so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat.
Gerade dadurch entstehen allerdings auch die schönsten Momente. Wenn man eine Kombination aus Wasser, Umgebung und Elementen ausprobiert und plötzlich eine unerwartete Kettenreaktion auslöst, vermittelt das Spiel tatsächlich das Gefühl, dass man selbst eine Lösung gefunden hat. Genau dieses Gefühl ist es, das Fading Echo von vielen stärker standardisierten Action-Adventures unterscheidet.
Unterm Strich ist Fading Echo ein ungewöhnliches und erfrischend kreatives Action-Adventure-RPG für die PS5. Die Geschichte um One und die vom Paradox zerbrochene Welt Corel liefert den passenden Rahmen für ein Gameplay, das stark auf Experimentieren setzt. Die Möglichkeit, Wasser zu manipulieren, selbst zur Wasserform zu werden, Elemente miteinander reagieren zu lassen und zwischen unterschiedlichen Realitäten zu wechseln, sorgt für eine interessante Mischung aus Kampf, Erkundung und Rätseln.
Dabei versucht das Spiel nicht, jedes bekannte Genre-Element möglichst groß aufzublasen. Stattdessen konzentriert sich Fading Echo auf einige wenige, dafür ungewöhnliche Ideen und verbindet diese miteinander. Gerade die Kombination aus Æther, Elementarreaktionen und Realitätswechsel macht das Spiel interessant. Wer bereit ist, sich auf diese Systeme einzulassen und eigene Lösungen auszuprobieren, bekommt ein Action-Adventure, das sich angenehm eigenständig präsentiert.
Für 19,99 Euro bietet Fading Echo auf der PS5 damit eine interessante Alternative zu den großen Blockbuster-Produktionen. Die kostenlose Demo ermöglicht zudem einen unkomplizierten Einstieg, bevor man sich für den Kauf entscheidet. Fading Echo ist sicherlich kein Spiel, das jeden Spieler gleichermaßen ansprechen wird, doch wer ungewöhnliche Spielmechaniken, surreale Welten und kreative Rätsel mag, sollte One und ihrer Reise durch Corel durchaus eine Chance geben. Vor allem die Idee, Wasser gleichzeitig als Waffe, Bewegungsmittel und Rätselwerkzeug einzusetzen und diese Möglichkeiten mit dem Wechsel zwischen Realitäten zu verbinden, verleiht dem Abenteuer seinen eigenen Charakter.