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Spider-Man & Punisher


Zwei Gegensätze, eine unbequeme Nähe


Kaum ein Duo im Marvel-Kosmos verkörpert so unterschiedliche moralische Grundhaltungen wie Spider-Man und der Punisher – und genau diese Reibung steht im Zentrum dieses Sammelbandes, der zwei zeitlich weit auseinanderliegende, aber thematisch verwandte Geschichten zusammenführt. Die erste Story, ein Klassiker aus der Feder von Marv Wolfman mit Zeichnungen von Keith Pollard, konfrontiert Peter Parker mit der schonungslosen Konsequenz von Frank Castles Rechtsauffassung. Der Punisher macht bei seinem gewaltsamen Feldzug gegen das organisierte Verbrechen keinen Halt vor Grautönen, und als Spider-Man sich ihm in den Weg stellt, reagiert Castle auf seine gewohnt kompromisslose Art: Er nimmt kurzerhand Peter Parker selbst ins Visier. Diese Eskalation offenbart auf packende Weise, wie unvereinbar Spider-Mans Idealismus mit Castles brutalem Pragmatismus tatsächlich ist – ein Konflikt, der weit über eine simple Schlägerei zwischen zwei kostümierten Figuren hinausgeht.


Wolfman, der sein erzählerisches Handwerk unter anderem bei den Fantastic Four verfeinert hat, versteht es, diese Konfrontation nicht nur als actionreiche Auseinandersetzung zu inszenieren, sondern als ernsthafte Charakterstudie zweier fundamental gegensätzlicher Weltanschauungen.


Jahre später: Ein Datenträger als Bedrohung


Die zweite, deutlich modernere Geschichte des Bandes verlagert den Fokus auf Daredevil, der unerwartet in den Besitz brisanter Informationen über sämtliche kriminelle Organisationen gerät. Dieser Wissensvorsprung macht ihn augenblicklich zur Zielscheibe für praktisch jede Verbrecherorganisation, die etwas zu verlieren hat. Spider-Man, der seinem langjährigen Verbündeten in dieser prekären Lage beistehen will, findet sich unversehens erneut in einer Gemengelage mit dem Punisher wieder, der diesmal von einer Komplizin unterstützt wird. Mark Waid, dessen Gespür für vertrauensvolle Team-up-Dynamiken bereits bei seiner Arbeit an Daredevil unter Beweis gestellt wurde, und Greg Rucka, bekannt für seine pointierten Wolverine-Geschichten, verleihen dieser zweiten Erzählung eine deutlich verschärfte, gegenwartsnähere Note. Marco Checchetto, der zuletzt mit Ultimate Spider-Man für Aufsehen sorgte, sorgt mit seinem präzisen, schattenreichen Stil dafür, dass sich die Bedrohungslage auch visuell greifbar anfühlt.


Einordnung in die größere Sammlung


Der Band ist Teil einer zehnteiligen Spider-Man Collection, deren einzelne Ausgaben inhaltlich unabhängig voneinander gelesen werden können, sich aber optisch zu einem größeren Ganzen zusammenfügen. Die Cover aller zehn Bände bilden gemeinsam ein zusammenhängendes Artwork von Giuseppe Camuncoli, ergänzt durch ein durchgängiges Rückenbild, das sich über die komplette Sammlung erstreckt. Wer die Reihe komplett sammelt, erhält somit nicht nur inhaltlich abgeschlossene Geschichten, sondern auch ein optisch stimmiges Gesamtkunstwerk im Regal.


Fazit


Spider-Man & Punisher liefert mit seinen beiden enthaltenen Geschichten ein packendes Kontrastprogramm aus klassischer und moderner Marvel-Erzählkunst. Die Gegenüberstellung von Peter Parkers moralischem Kompass und Frank Castles gnadenloser Konsequenz funktioniert in beiden Storys hervorragend und wird von einem hochkarätigen Autoren- und Zeichnerensemble getragen. Wer sich für die komplexe Beziehung dieser beiden ungleichen Charaktere interessiert oder schlicht packende, actiongeladene Marvel-Geschichten schätzt, wird mit diesem Band bestens bedient.