Mit dem zweiten Sammelband der aktuellen Green-Lantern-Serie setzt Panini die Veröffentlichung einer Reihe fort, die sich zunehmend als eine der ambitionierteren DC-Serien der laufenden Ära entpuppt. "Zwischen Himmel und Hölle" sammelt die Hefte 19 bis 24 der seit 2023 laufenden Serie und liefert dabei einen Band, der in vielerlei Hinsicht überzeugt, an einigen Stellen aber auch die strukturellen Grenzen des Formats spürbar werden lässt.
Jeremy Adams hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch seine Arbeit am Flash einen ausgezeichneten Ruf als DC-Autor erarbeitet. Er versteht es, klassische Superheldenmythologie mit modernem Erzählrhythmus zu verbinden, und bringt diese Qualitäten auch in seine Green-Lantern-Arbeit ein. Was ihn von vielen seiner Zeitgenossen unterscheidet, ist sein offensichtliches Gefühl für die Figuren selbst – ihre Stimmen, ihre Eigenheiten, ihre unterschiedlichen Zugänge zu Verantwortung und Heldentum. Das zahlt sich in diesem Band deutlich aus, denn mit Hal Jordan und Kyle Rayner stehen zwei Charaktere im Mittelpunkt, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und Adams nutzt diesen Kontrast gezielt und effektiv.
Hal Jordans Handlungsstrang ist dabei zweifellos das Herzstück des Bandes. Adams schickt ihn in buchstäblich höllisches Terrain, und was zunächst wie ein weiteres kosmisches Abenteuer wirkt, entwickelt sich zu einer der interessantesten Sequenzen der gesamten Serie. Die Idee, dass Dämonen und Teufel nicht das größte Problem darstellen, dem sich Hal dort gegenübersieht, ist mehr als ein griffiger Werbetext – sie trägt tatsächlich eine echte erzählerische Wendung in sich, die den Leser überrascht und gleichzeitig viel über die Figur aussagt. Hal Jordan als jemanden zu zeigen, der selbst in der Hölle noch der Sturköpfigste im Raum ist, funktioniert wunderbar komödiantisch und zugleich charakterisierend. Adams gelingt hier das seltene Kunststück, eine Figur im Extremszenario zu platzieren und dabei trotzdem ihren Kern vollständig zu bewahren.
Kyle Rayners Einsatz an der anderen Front ist etwas leiser, aber nicht weniger interessant. Die Rekrutierungsmission an den Grenzen des Quellenalls gibt Adams die Möglichkeit, das Green-Lantern-Universum zu erweitern und ungewöhnlichere Figuren und Konstellationen einzuführen. Kyle als derjenige Lantern, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn kreative und unkonventionelle Lösungen gefragt sind, wird hier seiner Rolle vollauf gerecht. Dass die beiden Stränge thematisch miteinander verwoben sind, ohne dabei aufeinander angewiesen zu sein, zeugt von handwerklichem Geschick auf Seiten des Autors.
Die Bedrohung durch die Fraktal-Lanterns wird in diesem Band weiter ausgebaut und konkretisiert. Adams vermeidet dabei den häufigen Fehler, den Antagonisten zu früh vollständig zu erklären, und lässt stattdessen genug im Dunkeln, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Besonders interessant ist die Entwicklung rund um die Sorrow Lantern, die in diesem Band einen mächtigen Verbündeten gewinnt und damit als Gegenpol zum Corps deutlich an Gewicht zulegt. Es bleibt abzuwarten, wohin Adams diese Figur langfristig führen möchte, aber die Weichen sind vielversprechend gestellt.
Auf der zeichnerischen Seite teilen sich Xérmanico und Fernando Pasarin die Arbeit, was sowohl Stärken als auch kleinere Reibungsverluste mit sich bringt. Pasarin ist ein Routinier, dem man die Erfahrung in jedem Panel anmerkt. Seine Seiten sind detailreich, räumlich überzeugend und besitzen eine Solidität, die gerade in großen kosmischen Szenarien wichtig ist. Er versteht es, Weite und Bedrohung gleichzeitig darzustellen, und seine Charakterarbeit ist präzise ohne steif zu wirken. Xérmanico bringt einen etwas raueren, energischeren Ansatz mit, der in schnellen Actionsequenzen ausgezeichnet funktioniert und dem Material eine gewisse Dringlichkeit verleiht. Im direkten Wechsel mit Pasarins polierterem Stil entsteht gelegentlich ein Bruch, der aufmerksame Leser kurz aus dem Lesefluss reißen kann. Das ist letztlich jedoch eine strukturelle Frage des Formats und kein Versagen der Zeichner selbst, die beide auf ihrem jeweiligen Terrain überzeugen.
Die Kolorierung hält die beiden Stile gut zusammen und sorgt für einen visuellen Zusammenhalt, der die zeichnerischen Unterschiede abfedert. Gerade die Höllensequenzen profitieren von einer atmosphärisch dichten Farbgebung, die Hal Jordans grünem Ring wirkungsvoll die glutroten und schwefligen Töne seiner Umgebung entgegenstellt.
Ein kleiner Kritikpunkt betrifft das Erzähltempo. Wer die Hefte einzeln gelesen hat, wird den Rhythmus gewohnt sein, aber im Sammelband gelesen wirken manche Übergänge und Plotentwicklungen etwas hastig. Das ist ein bekanntes Problem des Formats, und Adams ist damit nicht allein, aber an einigen Stellen hätte man sich gewünscht, dass einzelne Momente etwas mehr Raum zum Atmen erhalten hätten. Das gilt vor allem für einige der Nebencharaktere, die interessante Ansätze bieten, aber im Rhythmus der Haupthandlung etwas untergehen.
Insgesamt ist "Green Lantern: Zwischen Himmel und Hölle" ein lohnender Band, der die Stärken der aktuellen Serie gut repräsentiert. Adams schreibt mit Herzblut und Gespür für das Material, die Zeichner liefern solide bis starke Arbeit, und die übergeordnete Geschichte gewinnt an Fahrt und Tiefe. Wer Green Lantern in seiner klassischen kosmischen Dimension mag, wer Helden an ihren Grenzen sehen möchte und wer eine Serie sucht, die ihre Figuren ernst nimmt ohne dabei den Spaß zu vergessen, ist hier genau richtig. Kein makelloses Meisterwerk, aber ein sehr gutes Superhelden-Comic, das Lust auf die Fortsetzung macht.