Es gibt Horrorfilme, die schreien. Und es gibt Horrorfilme, die flüstern. Das spanisch-italienisch-uruguayische Gemeinschaftsprojekt Der Konvent: Im Namen des Teufels gehört entschieden zur zweiten Kategorie, und das ist sowohl seine größte Stärke als auch seine offensichtlichste Schwäche. Das Regieduo Ángel M. Chivite und Luis Galindo, beide Erstlingsregisseure, wagt mit diesem Film eine bewusste Rückkehr zur Tradition des atmosphärischen europäischen Horrorkinos und setzt dabei auf Geduld, Stimmung und historische Substanz, wo andere auf Lärm und schnelle Schnitte setzen würden.
Die historische Grundlage ist dabei bemerkenswert konkret. Im Karmeliterkloster von Corella, ebenfalls in Navarra, erschütterte im Jahr 1743 ein realer Skandal die Kirche bis in ihre Grundfesten: Mehreren Nonnen wurde vorgeworfen, Teufelspakte geschlossen, rituelle Orgien gefeiert und sogar Neugeborene getötet zu haben, um aus ihren Überresten okkulte Substanzen herzustellen. Einige Ordensfrauen bezeichneten sich selbst als Bräute des Teufels und wurden nach jahrelangen Inquisitionsprozessen hart bestraft. Ob das Übernatürliche dabei tatsächlich eine Rolle spielte, bleibt historisch naturgemäß offen. Für Chivite und Galindo hingegen ist die Antwort klar, und genau aus dieser Gewissheit heraus entfalten sie ihre fiktional erweiterte Version der Ereignisse.
Im Mittelpunkt stehen die beiden jungen Novizinnen Lucía (María Mercado) und Ana María (Nahia Bergasa), die zu Beginn unterschiedlicher kaum sein könnten. Lucía verfällt rasch dem Charisma und der scheinbaren Heiligkeit der Mutter Oberin Schwester Águeda (Ana Álvarez), die zuvor während einer Messe mit blutenden Augen und religiösen Stigmata für Aufsehen gesorgt hatte und nun von der gläubigen Bevölkerung als Wundertäterin verehrt wird. Ana María hingegen, die im Kloster vor einem gewalttätigen Stiefvater Zuflucht gesucht hat, empfindet von Anfang an eine tiefe Abneigung gegen die Düsternis dieser Mauern und die blinde Unterwerfung unter Águedas Autorität. Diese Konstellation zweier gegensätzlicher Perspektiven funktioniert als erzählerischer Motor, auch wenn das Drehbuch von Jesús Córdoba nicht immer die nötige Zeit findet, beide Figuren gleichermaßen zu vertiefen.
Was der Film in jedem Fall besitzt, ist ein außergewöhnlicher Schauplatz. Das Monasterio de Fitero in Navarra, in dem der Film gedreht wurde, ist keine bearbeitete Kulisse, sondern echte, athmende Geschichte aus Stein. Seine verwinkelte Korridore, kahlen Gewölbe und das schwere Schweigen seiner Räume erzählen eine eigene Geschichte, noch bevor eine einzige Szene abgespielt wird. Kameramann Iñigo Hualde Usoz nutzt diese Kulisse mit Bedacht: Die Bilder wirken dunkel und erdrückend, in Braun- und Schwarztönen getaucht, durchbrochen vom flackernden Orange des Fackellichts, das nächtliche Prozessionen in flirrende, fast halluzinatorische Tableaus verwandelt. Wer sich auf diesen visuellen Rhythmus einlassen kann, wird belohnt. Die Blu-ray von Meteor Film präsentiert das Material in 1080p, wobei der bewusst düstere Kontrast und eine subtile Körnung die angestrebte Stimmung wirkungsvoll unterstützen, auch wenn der Schwarzwert an manchen Stellen etwas mehr Tiefe hätte vertragen können. Die Tonspur im DTS-HD MA 5.1-Format, sowohl in der deutschen als auch in der spanischen Originalfassung, bietet ordentliche Dynamik, wobei der spanische Originalton naturgemäß die stärkere Wahl für die authentische Atmosphäre darstellt, da die Synchronisation gelegentlich etwas an Unmittelbarkeit einbüßt.
Inhaltlich bewegt sich Der Konvent in einer Tradition, die man mit Jesús Francos Klassikerarbeiten der 1970er-Jahre ebenso in Verbindung bringen könnte wie mit dem jüngeren spanischen Genre-Kino. Die religiöse Symbolik ist allgegenwärtig und wird nie zur bloßen Dekoration, sondern bleibt stets thematisch verankert: Glaube und Zweifel, Demut und Hochmut, Befreiung und Knechtschaft, das sind die eigentlichen Felder, auf denen sich der Film bewegt. Águedas Stigmata und Ekstaseanfälle sind nicht nur Horror-Staffage, sondern auch Fragen an die Grenze zwischen echtem Glauben, psychischer Zerrüttung und dem Wirken einer finsteren Macht, die das Kloster längst durchdrungen hat.
Damit ist jedoch auch die Crux des Films benannt. Der Konvent ist vor allem ein Stimmungsfilm, und wer mit klassischem psychologischen Horroraufbau nichts anfangen kann, wer konkrete Wendungen, laute Schocks und stetiges Erzähltempo erwartet, wird enttäuscht sein. Das Grauen kommt tatsächlich auf leisen Sohlen, manchmal zu leisen Sohlen, denn über weite Strecken passiert dramaturgisch messbar wenig. Einige Szenen wirken repetitiv, und die Figurenzeichnung leidet stellenweise unter einem Drehbuch, das Andeutungen der charakterlichen Tiefe nicht immer konsequent einlöst. Wer sich hingegen auf das langsame Entfalten einlässt, findet einen Film, der ein echtes Unbehagen zu erzeugen versteht, weil er sein Setting ernst nimmt und dem Bösen Raum lässt, unsichtbar zu bleiben. Das Bonusmaterial der Blu-ray beschränkt sich leider auf den Trailer, was bei einem Film dieser historischen Substanz und diesem Produktionshintergrund eine vertane Chance ist.
Der Konvent: Im Namen des Teufels ist kein Film für jeden Horrorgeschmack, und er ist auch kein makelloser Film. Für alle aber, die atmosphärischen, historisch verwurzelten Genre-Kino mit Hang zur Stille schätzen und bereit sind, sich auf das leise Flüstern statt auf den lauten Schrei einzulassen, bietet Meteor Films Blu-ray eine lohnende Entdeckung. Die Geister von Corella haben in Chivite und Galindo jedenfalls zwei Filmemacher gefunden, die ihre Geschichte mit echtem Respekt vor der Dunkelheit erzählen.
Fazit:
Atmosphärisch dichter, historisch verwurzelter Klosterhorror nach wahren Begebenheiten, der mehr auf schleichendes Unbehagen als auf dramatische Schocks setzt. Für Freunde des geduldigen, psychologischen Genre-Kinos eine klare Empfehlung, für alle anderen ein vorsichtiger Hinweis auf das sehr gemächliche Erzähltempo.