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Professor Alan Whitmore reist nach Budapest, um einen verstummten Kollegen zu finden – und stolpert dabei in ein Netz aus uraltem Grauen, das seit knapp vierzig Jahren zu den meistgesuchten Raritäten des italienischen Horrorkinos zählt. Wicked Vision bringt „Spider Labyrinth" nun als Nummer 1 ihrer neuen Italo Cinema Collection prächtig restauriert in die heimischen Wohnzimmer.


Handlung


Der amerikanische Professor Alan Whitmore (Roland Wybenga), Spezialist für die Übersetzung uralter Texte, wird von seinen Auftraggebern von Dallas nach Budapest geschickt. Dort soll er klären, weshalb sich sein Kollege Professor Roth, der sich mit jahrtausendealten Steintafeln beschäftigt, nicht mehr meldet – ein Umstand, der das geheime Forschungsprojekt „Intextus" massiv gefährdet. In der ungarischen Hauptstadt trifft Alan auf einen sichtlich verängstigten, fast paranoiden Roth, der ihm heimlich seine Aufzeichnungen zusteckt und ihn eindringlich vor dem Ort und den Menschen dort warnt. Kurz darauf wird Roth erhängt in seinem Büro aufgefunden. Von diesem Moment an verstrickt sich Alan immer tiefer in ein Geflecht aus blutigen Morden und okkulten Machenschaften, dessen Spuren zu einem uralten, in der Stadt verwurzelten Spinnenkult führen.


Was als vergleichsweise gemächlicher Mystery-Einstieg beginnt, entwickelt sich schrittweise zu einem zunehmend beklemmenden Albtraum. Giagni nimmt sich Zeit, eine Atmosphäre des Unwohlseins aufzubauen, bevor der Film in seiner zweiten Hälfte sein volles kosmisches Horror-Potenzial entfaltet und auf ein ebenso finsteres wie halluzinatorisches Finale zusteuert.


Regisseur und Entstehung


Gianfranco Giagni gab mit „Spider Labyrinth" 1988 sein Regiedebüt – und es sollte zugleich sein einziger Ausflug ins Horrorgenre bleiben, ehe er sich vorwiegend dem Dokumentarfilm zuwandte. Das ursprüngliche Drehbuch von Tonino Cervi, Riccardo Aragno und Cesare Frugoni stammte bereits einige Jahre vor der Produktion und war ursprünglich in Venedig angesiedelt. Giagni empfand den Stoff als leicht angestaubt und holte sich Drehbuchautor Gianfranco Manfredi mit ins Boot, um der Geschichte einen zeitgemäßeren Rahmen zu verpassen. Gemeinsam verlegten sie den Schauplatz nach Budapest – eine Stadt, die Giagni mit ihren gotischen Fassaden und ihrer scheinbar rationalen, aber im Kern zutiefst verunsichernden Architektur als idealen Nährboden für sein Anliegen empfand. Städte wie Budapest, Prag oder Sarajevo, so Giagni sinngemäß, würden hinter ihrer äußeren Normalität stets eine verborgene Abnormität andeuten. Genau dieses Gefühl der schleichenden Fremdheit prägt den gesamten Film: Menschen, die sich unvermittelt umdrehen und tuscheln, Schaukeln, die sich wie von Geisterhand bewegen, schwarze Bälle, die urplötzlich durchs Bild hüpfen – Giagni inszeniert das Unheimliche vor allem über Details am Rand des Bildes, nicht über plakative Schockmomente.


Besetzung


Roland Wybenga gibt als Alan Whitmore sein Filmdebüt und verkörpert den amerikanischen Wissenschaftler mit einer Mischung aus naiver Neugier und wachsender Verzweiflung – passend zu einer Figur, die bereits als Kind unter einer tiefsitzenden Spinnenphobie leidet, was der Film in einer kurzen Rückblende geschickt etabliert. Paola Rinaldi spielt Genevieve Weiss, Roths attraktive Assistentin, zu der Alan sich sofort hingezogen fühlt und die ihn tiefer in das Geheimnis um den Spinnenkult hineinzieht. Margareta von Krauss ist als Celia Roth zu sehen, die aufgewühlte Frau des verschwundenen Professors, während Claudia Muzii in der Rolle der Maria auftritt. William Berger, dem italienischen Genrekino durch zahlreiche Western- und Horrorauftritte bestens vertraut, gibt hier einen mysteriösen, unheilverkündenden Fremden. Als weitere Randfigur mit Kultstatus ist zudem Stéphane Audran zu nennen, bekannt aus zahlreichen Filmen Claude Chabrols, die hier als Mrs. Kuhn Alans Unterkunft betreibt und mit ihrer stillen, unterschwellig verstörenden Präsenz einige der einprägsamsten Szenen des Films trägt.


Handwerk und Wirkung


Der eigentliche Trumpf von „Spider Labyrinth" liegt in seiner Verschmelzung von Giallo-Ästhetik und kosmischem Horror lovecraftscher Prägung. Die Kameraarbeit von Nino Celeste fängt Budapest in einem permanenten Zustand latenter Bedrohung ein, während die Effekte von Sergio Stivaletti – später unter anderem für „DellaMorte DellAmore" verantwortlich – dem Film seine unvergesslichsten Momente bescheren. Insbesondere die eingesetzte Stop-Motion-Animation für die titelgebenden Spinnenkreaturen wirkt trotz ihres Alters erstaunlich wirkungsvoll und verleiht den finalen Sequenzen einen fiebrig-surrealen Anstrich, der stark an die besten Momente von Dario Argentos „Suspiria" und „Inferno" erinnert, ohne dabei zur bloßen Kopie zu verkommen. Die musikalische Untermalung von Franco Piersanti trägt zusätzlich zur unterschwelligen Beklemmung bei, die den Film über weite Strecken durchzieht.


Zugegeben: „Spider Labyrinth" ist kein Film, der mit rasanter Erzählgeschwindigkeit punktet, und wer stringente Logik erwartet, wird an einigen Stellen vor Rätseln stehen. Doch gerade diese traumartige, teils desorientierende Erzählweise ist es, die den besonderen Reiz des Films ausmacht – ein Kino, das eher auf Atmosphäre und Verunsicherung setzt als auf klare Antworten.


Die Veröffentlichung


Mit dieser Edition katapultiert Wicked Vision „Spider Labyrinth" vom VHS-Kult direkt ins 4K-Zeitalter. Als Auftakt der neuen Italo Cinema Collection wurde dem lange nur schwer zugänglichen Film eine aufwendige Restaurierung sowie ein üppiges Bonusmaterial von über vier Stunden spendiert. Enthalten sind eine 4K Ultra HD sowie eine Blu-ray, dazu ein Wendecover ohne Logo für Puristen. Besonders hervorzuheben ist der hochwertige Sammelschuber mit Spotlack-Veredelung, der Platz für neun weitere Filme der Kollektion bietet und damit schon jetzt Sammlerherzen höherschlagen lässt. Abgerundet wird das Paket durch ein 24-seitiges Booklet mit einem Vorwort von Daniel Perée und einem Essay von Christoph N. Kellerbach.


Bild und Ton wurden von LSP-Medien aufwendig restauriert, neu ist zudem die Unterstützung von HDR und Dolby Vision. Für die italienische Originalfassung liegen neue deutsche, englische und italienische Untertitel vor, für die englische Fassung neue deutsche und englische Untertitel.


Extras im Detail

Disc 1, die 4K Ultra HD, enthält neben dem deutschen Trailer und dem Originaltrailer auch den Audiokommentar mit Dr. Will Dodson und Ryan Verril, der wahlweise mit deutschen Untertiteln zugeschaltet werden kann.


Disc 2, die Blu-ray, bietet noch einmal denselben Audiokommentar mit Dr. Will Dodson und Ryan Verril inklusive optionaler deutscher Untertitel und ergänzt diesen um ein umfangreiches Interviewprogramm. Unter dem Titel „Caught in a Web" kommt Regisseur Gianfranco Giagni selbst zu Wort, während „Arachne" ein Gespräch mit Drehbuchautor Gianfranco Manfredi versammelt. Mit „All the Colors of a Spider" widmet sich ein weiteres Interview Kameramann Nino Celeste, ehe Hauptdarstellerin Paola Rinaldi im Gespräch „Smile of the Spider Woman" von ihrer Arbeit am Film erzählt. Abgerundet wird das Interviewprogramm durch „Death in Stop Motion", ein Gespräch mit Special-Effects-Artist Sergio Stivaletti, der Einblicke in seine ikonische Stop-Motion-Arbeit an den Spinnenkreaturen gewährt. Hinzu kommt die Featurette „Web of the Weird" sowie, wie schon auf der 4K-Disc, der Originaltrailer und der deutsche Trailer.


Der Audiokommentar mit den beiden Genreexperten Dodson und Verril dürfte für Fans besonders spannend sein, da beide sich intensiv mit der italienischen Horrorgeschichte der 80er auseinandergesetzt haben. Noch wertvoller sind jedoch die zahlreichen Interviews mit den Beteiligten selbst: Von Giagni über Manfredi, Celeste und Rinaldi bis hin zu Stivaletti kommen praktisch alle kreativen Köpfe hinter dem Film zu Wort und geben tiefe Einblicke in eine Produktion, die lange im Verborgenen blühte und erst jetzt die Würdigung erhält, die sie verdient.


Fazit


„Spider Labyrinth" ist ein faszinierendes, mitunter sperriges Stück italienischen Genrekinos, das seine Zeit braucht, um seine volle Wirkung zu entfalten – dann aber mit einer beklemmenden Atmosphäre, starken Effekten von Sergio Stivaletti und einem denkwürdigen Finale belohnt. Wicked Vision hat dem lange unterschätzten Film mit dieser liebevoll ausgestatteten Erstveröffentlichung als Auftakt der Italo Cinema Collection ein würdiges Zuhause geschaffen. Restaurierung, Bonusmaterial und Verpackung stimmen gleichermaßen und machen aus dieser Edition ein Pflichtstück für Sammler des italienischen Horrorfilms.