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Es gibt Filme, die man auf den ersten Blick kaum in eine Schublade stecken kann, und genau das macht ihren Reiz aus. „Der Geisterjäger", der hierzulande auch unter den Titeln „The Quest" oder „The Go-Kids" kursiert, ist so ein Fall. Entstanden 1986 im Windschatten des großen amerikanischen Abenteuerkinos jener Dekade, verbindet der Film die kindliche Entdeckerfreude eines „Goonies" mit der stillen, fast mystischen Melancholie eines „E.T." – verlegt jedoch in die staubige, unwirtliche Weite des australischen Outbacks. Wicked Vision bringt das Werk nun als europäische HD-Premiere mit umfangreichem Bonusmaterial auf den Markt und gibt damit einem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Genrebeitrag endlich die Bühne, die er verdient.


Handlung: Ein verbotener See und ein Monster namens Donkegin


Im Zentrum der Geschichte steht der vierzehnjährige Cody Walpole, gespielt von einem jungen Henry Thomas, der nur wenige Jahre zuvor als kleiner Junge an der Seite eines außerirdischen Wesens Filmgeschichte geschrieben hatte. Gemeinsam mit seiner Freundin Wendy streift Cody durchs Outback, als die beiden auf einen geheimnisvollen See stoßen, der auf keiner Karte verzeichnet ist. Schnell wird klar, dass es sich um einen für die Aborigines heiligen und zugleich verbotenen Ort handelt, an dem der Legende nach ein Wesen namens Donkegin sein Unwesen treibt. Als die Kinder zudem die Leiche des alten Neville entdecken, der auf mysteriöse Weise erfroren zu sein scheint, nimmt ein Abenteuer seinen Lauf, das Mystery-Elemente, Coming-of-Age-Motive und die respektvolle Auseinandersetzung mit indigener Mythologie auf ungewöhnliche Weise miteinander verwebt. Der Film nimmt sich Zeit für seine Figuren und seine Umgebung, lässt die Hitze und Weite des Outbacks förmlich spürbar werden und baut eine Spannung auf, die weniger auf Schockmomenten als auf einem stetig wachsenden Gefühl des Unheimlichen beruht.


Brian Trenchard-Smith – ein Handwerker des australischen Genrekinos


Regie führte Brian Trenchard-Smith, eine der prägendsten und zugleich eigenwilligsten Figuren des australischen Exploitation- und Genrekinos. Bekannt wurde er vor allem durch rasante, oft mit bemerkenswert wenig Budget realisierte Actionfilme wie „BMX Bandits", der wiederum eine junge Nicole Kidman einem breiten Publikum vorstellte. Trenchard-Smith gehörte zu jener Generation australischer Filmemacher, die in den späten Siebzigern und den Achtzigern das internationale Interesse an „Ozploitation" befeuerten – jenem robusten, oft schrägen und stets mit sichtbarer Experimentierfreude inszenierten Kino, das sich später auch in Mark Hartleys Dokumentation „Not Quite Hollywood" seine verdiente Würdigung erarbeitete. Bei „Der Geisterjäger" zeigt Trenchard-Smith eine ungewohnt zurückhaltende, fast poetische Seite: Statt auf Tempo und Krawall setzt er auf Atmosphäre, auf die Weite der Landschaft und auf eine behutsame Anteilnahme an seinen jugendlichen Hauptfiguren. Das Drehbuch stammt von Everett De Roche, der mit dem body-horrorlastigen „Patrick" bereits bewiesen hatte, dass er dem australischen Genrekino literarisches Gewicht verleihen kann, und der auch hier eine erzählerische Tiefe einbringt, die über simple Abenteuerunterhaltung hinausgeht.


Die Besetzung: Zwischen Hollywood und australischem Nachwuchs


Henry Thomas, der als Elliott in Steven Spielbergs „E.T." internationale Berühmtheit erlangte, bringt in der Rolle des Cody genau jene Mischung aus Verletzlichkeit und stiller Entschlossenheit mit, die man von ihm erwartet und die dem Film seine emotionale Verankerung gibt. Sein Spiel wirkt nie aufgesetzt, sondern trägt die Geschichte mit einer Natürlichkeit, die man jungen Darstellern selten in diesem Maße abnimmt. An seiner Seite überzeugt Rachel Friend als Wendy, die der Figur eine erfrischende Eigenständigkeit verleiht und dem Abenteuer eine zweite tragende Perspektive gibt. Tony Barry, ein vertrautes Gesicht des australischen Kinos jener Jahre, verleiht seiner Rolle die erdige Autorität eines Mannes, der die Gesetze des Outbacks besser kennt als jeder andere. Tamsin West rundet das Ensemble ab und trägt zur glaubwürdigen Dynamik der jugendlichen Figurenkonstellation bei. Zusammengenommen ergibt sich ein Cast, der dem Film trotz seines vergleichsweise geringen Budgets eine internationale Anschlussfähigkeit verlieh und bis heute den nostalgischen Charme des Achtziger-Abenteuerkinos transportiert.


Bildsprache und Atmosphäre


Was „Der Geisterjäger" besonders auszeichnet, ist die Art, wie er das australische Outback nicht nur als Kulisse, sondern als eigenständigen Charakter inszeniert. Die schier endlose, ausgedörrte Landschaft wird zum Sinnbild für das Unbekannte und Unheimliche, das die Aborigine-Mythologie um den See und das Wesen Donkegin webt. Trenchard-Smith gelingt es, diese Mythologie nicht als exotisches Beiwerk zu behandeln, sondern als integralen, respektvoll behandelten Bestandteil der Erzählung. Die Inszenierung lebt von langen, ruhigen Einstellungen, die der Weite und Stille der Landschaft Raum geben, und kontrastiert diese bewusst mit den Momenten kindlicher Abenteuerlust, wenn Cody und Wendy sich immer tiefer in das Mysterium hineinwagen. Diese Balance aus Coming-of-Age-Erzählung, Mystery und einem Hauch Horror macht den eigentümlichen Reiz des Films aus und erklärt, warum er trotz seiner relativen Obskurität bis heute eine treue Fangemeinde besitzt.


Die Blu-ray von Wicked Vision


Mit dieser Veröffentlichung bringt Wicked Vision „Der Geisterjäger" erstmals in europäischer HD-Qualität auf den Markt und würdigt damit einen Film, der lange nur schwer zugänglich war. Das Mediabook kommt mit einer O-Card, die ein Artwork von Gilles Vranckx ziert, sowie mit einem Wendecover, das zwei weitere Artworks und die alternativen Filmtitel „Der Geisterjäger" und „The Quest" präsentiert – eine schöne Geste an die wechselvolle Veröffentlichungsgeschichte des Films. Abgerundet wird die Ausstattung durch ein 28-seitiges, zweisprachiges Booklet von Stuart Taylor Cameron, das Hintergründe zur Produktion und zur Einordnung des Films liefert und damit auch cineastisch interessierten Sammlern einen echten Mehrwert bietet.


Die Extras im Detail


Das Bonusmaterial dieser Edition ist beachtlich umfangreich und dürfte Fans des Films wie auch des australischen Genrekinos gleichermaßen erfreuen. Den Auftakt macht ein Audiokommentar, der mit Regisseur Brian Trenchard-Smith, Editor Brian Kavanagh, Kostümdesignerin Aphrodite Kondos sowie „Not Quite Hollywood"-Regisseur Mark Hartley prominent besetzt ist und damit gleich mehrere Perspektiven auf die Entstehung des Films vereint. Ergänzt wird dies durch erweiterte Interviews aus „Not Quite Hollywood", die tiefere Einblicke in die Ära des australischen Exploitation-Kinos gewähren. Mit „The Depth of a Legend" gibt es einen ausführlichen Rückblick auf „Frog Dreaming" mit Henry Thomas und Brian Trenchard-Smith, während „The Go Kids" die Perspektive von Rachel Friend und Tamsin West einfängt und damit die Erinnerungen der jugendlichen Hauptdarstellerinnen an die Dreharbeiten lebendig werden lässt. Die Featurette „The Dream Quest" führt in Form einer Location-Tour zurück an die Originaldrehorte und macht die besondere Atmosphäre des Films auch abseits der Leinwand erfahrbar. Abgerundet wird das Paket durch den Originaltrailer sowie eine Bildergalerie, die einen weiteren visuellen Blick hinter die Kulissen der Produktion erlaubt.


Fazit


„Der Geisterjäger" ist ein atmosphärisches, unterschätztes Kleinod des australischen Achtziger-Abenteuerkinos, das mit einer überzeugenden Besetzung, einer stimmungsvollen Inszenierung und einer respektvollen Einbindung indigener Mythologie zu punkten weiß. Wicked Vision liefert mit dieser Edition nicht nur eine überfällige europäische HD-Premiere, sondern auch ein liebevoll zusammengestelltes Bonusprogramm, das dem Film und seiner Entstehungsgeschichte in vollem Umfang gerecht wird. Für Fans von Brian Trenchard-Smith, des australischen Genrekinos oder einfach für alle, die sich nach der unverwechselbaren Abenteuerromantik der Achtziger sehnen, ist diese Veröffentlichung eine klare Empfehlung.