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Der Band Supergirl: Ein neuer Anfang für Supergirl präsentiert sich als bewusster Neustart für eine der bekanntesten Figuren aus dem Superman-Umfeld und setzt dabei weniger auf große kosmische Bedrohungen als auf eine persönliche, fast schon identitätsgetriebene Geschichte. Im Mittelpunkt steht Kara Zor-El, die nach Midvale zurückkehrt – in der Erwartung, dort so etwas wie Normalität und Vertrautheit wiederzufinden. Stattdessen wird sie mit einer Situation konfrontiert, die ihre eigene Existenz infrage stellt: Eine andere Person tritt öffentlich als Supergirl auf, während Kara selbst plötzlich von ihrem Umfeld nicht mehr erkannt wird.


Diese Ausgangslage ist einer der stärksten Aspekte des Comics, weil sie Supergirl aus ihrer gewohnten Rolle herauslöst. Statt als strahlende Heldin aufzutreten, muss sie sich mit einem Gefühl der Entfremdung auseinandersetzen. Ihre Identität, die sonst klar definiert ist, wird plötzlich unsicher. Besonders wirkungsvoll ist dabei, dass selbst ihre Adoptiveltern sie nicht erkennen – ein erzählerischer Kniff, der die emotionale Fallhöhe deutlich erhöht. Der Comic entwickelt daraus eine Geschichte, die weniger von klassischen Kämpfen lebt, sondern vielmehr von der Frage, wer Kara eigentlich ist, wenn ihr die Anerkennung als Supergirl genommen wird.


Gleichzeitig bleibt die Handlung nicht rein introspektiv. Mit Figuren wie Titano, dem riesigen Superaffen, bringt die Geschichte bewusst auch klassische, fast schon nostalgische Elemente ins Spiel. Diese wirken auf den ersten Blick etwas skurril, fügen sich aber überraschend gut in den Ton des Bandes ein, der immer wieder zwischen Ernsthaftigkeit und einem gewissen Augenzwinkern schwankt. Auch das Auftreten von Lena Luthor sorgt für zusätzliche Spannung, da sie als Tochter von Lex Luthor eine ganz eigene Dynamik mitbringt. Ihre Rolle ist dabei nicht rein antagonistisch angelegt, sondern bewegt sich in einem interessanten Graubereich, der weiteres erzählerisches Potenzial andeutet.


Stilistisch hebt sich der Band ebenfalls deutlich hervor. Sophie Campbell übernimmt sowohl das Schreiben als auch die Zeichnungen und verleiht der Serie dadurch eine sehr einheitliche, persönliche Handschrift. Ihr Zeichenstil ist weich, ausdrucksstark und stellenweise fast schon cartoonhaft, ohne dabei an Emotionalität zu verlieren. Besonders die Mimik der Figuren wird intensiv genutzt, um Stimmungen zu transportieren, was gut zur eher charakterzentrierten Erzählweise passt. Gleichzeitig bleibt die Action klar und übersichtlich inszeniert, auch wenn sie nicht im Mittelpunkt steht.


Erzählerisch setzt der Band stark auf Zugänglichkeit. Auch Leser ohne tiefgehende Vorkenntnisse finden schnell in die Geschichte hinein, da die wichtigsten Elemente verständlich eingeführt werden. Dennoch gibt es genug Bezüge und Details, die auch langjährige Fans ansprechen dürften. Der Ton ist insgesamt etwas leichter und moderner als in vielen klassischen Supergirl-Geschichten, was gut zur Idee eines Neustarts passt.


Eine mögliche Schwäche liegt darin, dass die Handlung in diesem ersten Band noch nicht alle Fragen beantwortet. Vieles wird angerissen, aber bewusst offen gelassen, um Spannung für die Fortsetzung aufzubauen. Das kann einerseits neugierig machen, andererseits wirkt der Band dadurch stellenweise wie ein längerer Auftakt, der sein volles Potenzial erst in den folgenden Ausgaben entfalten wird.


Unterm Strich ist „Ein neuer Anfang für Supergirl“ ein gelungener Reboot, der die Figur auf eine frische und emotionalere Weise interpretiert. Statt sich ausschließlich auf Superhelden-Action zu verlassen, rückt die Geschichte Identität, Zugehörigkeit und Selbstfindung in den Vordergrund. In Kombination mit dem eigenständigen Zeichenstil entsteht ein Comic, der sich angenehm von typischen Genrevertretern abhebt und sowohl für Neueinsteiger als auch für langjährige Fans interessant ist.