Große Star-Parade – Blu-ray-Review
One Gate Media
Ein Schlagerfilm der Wirtschaftswunderjahre
Mit „Große Star-Parade" bringt One Gate Media einen der vergnüglichsten Schlagerfilme der frühen bundesdeutschen Nachkriegszeit erstmals auf Blu-ray in die Sammlungen der Liebhaber klassischen deutschen Unterhaltungskinos. Drei arbeitslose Künstler, denen weder Geld noch Beziehungen zur Seite stehen, gründen aus purer Not heraus einen Piratensender und landen damit einen überraschend großen Erfolg. Mit ihrem „Liebessender X" gewinnen sie nicht nur ein begeistertes Publikum, sondern auch die Unterstützung zahlreicher namhafter Kolleginnen und Kollegen aus Funk und Film, die sich den Sendungen anschließen. Immer wieder gelingt es dem Trio, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen – und als sie schließlich doch gefasst werden, haben sie so viele Menschen glücklich gemacht, dass ihnen statt einer Strafe ein Engagement beim offiziellen Rundfunk winkt. Am Ende bekommen die drei nicht nur ihre berufliche Chance, sondern auch die Herzen der Frauen, die sie lieben.
Paul Martin – Routinier des deutschen Unterhaltungsfilms
Regisseur Paul Martin gehörte zu den erfahrensten Handwerkern des deutschen Musik- und Schlagerfilms jener Ära. Bereits in den dreißiger Jahren hatte er sich als Regisseur unbeschwerter, musikalisch grundierter Unterhaltungsfilme einen Namen gemacht, ehe er in den fünfziger Jahren mit Produktionen wie „Große Star-Parade" nahtlos an diese Tradition anknüpfte. Martins Gespür für das leichte, temporeiche Erzählen, für pointierte Situationskomik und für die geschickte Einbindung musikalischer Nummern in die Handlung prägt auch diesen Film: Die eigentliche Geschichte um den Piratensender dient dabei vor allem als Rahmen, der es erlaubt, eine beeindruckende Fülle an Stars und musikalischen Darbietungen aneinanderzureihen, ohne dass die Erzählung je zu ernst oder schwerfällig wirkt.
Das Hauptensemble
Adrian Hoven, der später vor allem als Filmproduzent und Regisseur reüssierte, gibt einen der drei mittellosen Künstler und verleiht seiner Figur jene Mischung aus jugendlichem Optimismus und Erfindungsreichtum, die den Piratensender überhaupt erst möglich macht. Renate Holm ergänzt ihn als seine Angebetete, die sich zwischen den Erwartungen ihres wohlhabenden Vaters und ihren eigenen Gefühlen behaupten muss. Gunther Philipp, einer der verlässlichsten Komiker des deutschen Nachkriegsfilms, sorgt in seiner Rolle für den nötigen humoristischen Schwung und zeigt einmal mehr, warum er zu den gefragtesten Nebendarstellern seiner Zeit zählte.
Besonderen Charme entfaltet der Film durch seine zahlreichen Cameo-Auftritte großer Namen aus Film und Schlager. Peter Alexander, der in jenen Jahren noch am Anfang seiner späteren Weltkarriere stand, ist ebenso mit von der Partie wie die junge Cornelia Froboess, die als Kinderstar bereits erste große Auftritte feierte und dem Film mit ihrer Präsenz eine zusätzliche, publikumswirksame Note verleiht. Beide stehen exemplarisch für die Fülle an prominenten Gesichtern, die „Große Star-Parade" zu einem regelrechten Schaulaufen der deutschen Unterhaltungsbranche jener Jahre machen.
Ein Kaleidoskop des deutschen Schlagers
Was „Große Star-Parade" über die eigentliche Handlung hinaus so besonders macht, ist die schiere Dichte an musikalischen Gastauftritten, die den Film zu einem lebendigen Zeitdokument der westdeutschen Unterhaltungskultur der fünfziger Jahre werden lassen. Neben Peter Alexander und Conny Froboess treten unter anderem Caterina Valente, die Tänzerin Katherine Dunham mit ihrer Compagnie sowie die Kapelle Kurt Edelhagen auf, während größere musikalische Nummern von Bully Buhlan und von Michael Jary mit seinem Orchester bestritten werden. Auch Rudolf Prack, Winnie Markus, Hannelore Bollmann und Sonja Ziemann runden das prominente Aufgebot ab. Diese Fülle an Gastauftritten verleiht dem Film einen fast revuehaften Charakter und macht ihn zu einem faszinierenden Panorama dessen, was das deutsche Nachkriegspublikum an Stars und Klängen begeisterte.
Technische Präsentation
Für die Erstveröffentlichung auf Blu-ray hat One Gate Media dem Film eine Aufbereitung angedeihen lassen, die seinem Alter und seiner Entstehungszeit angemessen Rechnung trägt. Das schwarzweiße Bildmaterial wirkt angenehm klar und stabil, sodass sowohl die zahlreichen Musiknummern als auch die comichaften Verfolgungsszenen mit der Polizei ihre Wirkung entfalten können. Für Sammler, die sich für die deutsche Filmgeschichte der fünfziger Jahre interessieren, stellt allein die Tatsache, dass der Film erstmals in dieser Form verfügbar ist, einen besonderen Reiz dar.
Fazit
„Große Star-Parade" ist ein charmantes, unbeschwertes Zeitdokument des deutschen Schlagerfilms, das mit seiner Piratensender-Handlung vor allem als Vorwand für ein beeindruckendes Aufgebot an Stars und musikalischen Darbietungen dient. Paul Martin inszeniert mit sicherer Routine, während Adrian Hoven, Renate Holm und Gunther Philipp dem Geschehen menschliche Wärme verleihen und Cameo-Auftritte von Peter Alexander bis Cornelia Froboess den Film zu einem regelrechten Who-is-who der westdeutschen Unterhaltungsbranche der fünfziger Jahre machen. Für Freunde des klassischen deutschen Kinos und Sammler von One Gate Media ist diese Erstveröffentlichung auf Blu-ray eine erfreuliche Wiederentdeckung.