Hörbuch-Review: In Her Own League von Liz Tomforde
Gesprochen von: Rebecca Veil & Philipp Oehme
Übersetzt von: Maike Hallmann
Laufzeit: 14 Stunden 30 Minuten | Spice-Level: 🌶️🌶️🌶️🌶️ (4/5)
Tropes: Sports Romance · Workplace Romance · Age Gap · Forbidden Love · Slow Burn
Zurück in die Windy City – endlich Montys Geschichte
Wer die Windy-City-Reihe kennt, hat lange auf diesen Moment gewartet. Während Zanders, Ryan, Kai, Isaiah und Rio nach und nach ihr Liebesglück fanden, stand Emmett „Monty" Montgomery stets im Hintergrund – die ruhige, väterliche Konstante, der erfahrene Feldmanager, zu dem alle aufschauen. Jetzt, im Spin-off zur Reihe, bekommt er endlich seine eigene Geschichte. Und was für eine.
Im Mittelpunkt steht Reese Remington, die erste weibliche Teambesitzerin einer Major-League-Baseball-Mannschaft. Sie ist klug, erfahren und hat jahrelang hinter den Kulissen gearbeitet – mehr als qualifiziert also. Doch die Öffentlichkeit sieht in ihr vor allem eines: eine Frau in einer Männerwelt. Boardroom-Machtspiele treffen auf Baseballdrama, und mittendrin stehen zwei Menschen, die sich eigentlich nichts zu sagen haben wollen – und dann doch nicht schweigen können.
Story & Themen: Mehr als nur ein Romance-Roman
Was dieses Buch von vielen anderen Sports Romances abhebt, ist sein inhaltlicher Tiefgang. Liz Tomforde erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern wirft einen ehrlichen Blick auf die Herausforderungen, mit denen Frauen in Führungspositionen täglich konfrontiert werden. Reese muss sich in Meetings behaupten, in denen Männer über sie hinwegsprechen. Sie steht vor Kameras und muss ihre Qualifikationen rechtfertigen, die bei einem Mann niemand infrage stellen würde. Sie navigiert interne Teamkämpfe, ohne eine einzige Schwäche zeigen zu dürfen.
Genau dieser Aufbau ist es, der die Romanze so wirkungsvoll macht: Man erlebt hautnah, wie viel Reese täglich zu tragen hat – und versteht deshalb umso mehr, warum Emmett so viel für sie bedeutet, wenn ihre Schutzwände langsam fallen.
Die Protagonisten: Ein ungleiches, aber perfektes Duo
Reese gehört zu Tomfordes stärksten weiblichen Hauptfiguren. Sie ist selbstbewusst, immer einen Schritt voraus, und trotzdem keine Heldin ohne Verletzlichkeit. Was diese Beziehung besonders macht: Beide reden miteinander. Wirklich. Keine künstlichen Missverständnisse, keine ewig hinausgezögerten Geständnisse – stattdessen eine ungewohnte Reife, die der Geschichte gut steht.
Emmett „Monty" Montgomery ist der Inbegriff des Silver-Fox-Helden. Ein ehemaliger All-Star, der das Baseballfeld wie sein Zuhause behandelt und seine Spieler wie Familie. Er ist es gewohnt, der Boss zu sein – bis Reese ins Bild tritt und alles auf den Kopf stellt. Besonders schön gezeichnet ist seine Beziehung zu seiner Tochter Miller: Diese Vater-Tochter-Verbindung ist das emotionale Herzstück des Buches und sorgt immer wieder für Gänsehaut-Momente.
Pacing & Kritik: Nicht ganz ohne Schwächen
Das Pacing ist nicht durchgehend gleichmäßig. Der Übergang von gegenseitiger Abneigung zu intensiver Anziehung passiert stellenweise etwas zu schnell – wer sich einen wirklich langen, quälenden Slow Burn wünscht, könnte sich etwas mehr Reibung gewünscht haben. Auch einige Romance-Beats folgen bekannten Mustern: der Fast-Kuss mit Rückzieher, das dreifach wiederholte „Wir können das nicht tun"-Gespräch. Für eingefleischte Genrefans ist das vertrautes Terrain, das den Genuss aber kaum trübt – denn die emotionalen Auszahlungen, wenn es endlich so weit ist, sind umso größer.
Das Hörbuch: Rebecca Veil & Philipp Oehme
Das deutsche Sprecher-Duo ist eine echte Stärke dieser Produktion. Rebecca Veil – Musikerin, Schauspielerin und Sprecherin mit einer Ausbildung in Berlin – verleiht Reese genau die richtige Balance aus Kontrolle und Verletzlichkeit. Man hört, wie diese Frau sich permanent zusammenreißt, und die Momente, in denen das bricht, sind durch Veils Stimme besonders eindringlich.
Philipp Oehme, der unter anderem am Deutschen Nationaltheater Weimar und am Theater Bremen auf der Bühne stand, trägt Emmetts ruhige Autorität und Wärme glaubwürdig nach außen. Als Duo funktionieren die beiden hervorragend – das Knistern zwischen den Figuren wird durch die Duett-Lesung hörbar spürbar, und man fiebert noch intensiver mit. Die Übersetzung von Maike Hallmann fließt natürlich und bewahrt Tomfordes typisch witzigen, warmherzigen Ton.
Windy-City-Feeling & Cameos
Fans der Reihe dürfen sich freuen: Bekannte Gesichter tauchen auf und sorgen für dieses vertraute Heimkommen-Gefühl, das die Windy-City-Bücher so besonders macht. Das Buch funktioniert zwar auch als Standalone, gewinnt aber mit dem Hintergrundwissen aus Caught Up und Play Along deutlich an emotionaler Tiefe – Montys Figur hat dort so viel Kontext bekommen, dass sein eigenes Buch sich wie eine längst verdiente Belohnung anfühlt.
Fazit
In Her Own League ist ein reifes, warmherziges und stellenweise sehr spiciges Hörbuch, das beweist, dass Liz Tomforde auch mit einer älteren Hauptfigur und einem komplexeren Hintergrund punkten kann. Es ist kein makelloses Buch – das Pacing könnte an manchen Stellen straffer sein – aber starke Charaktere, echte Chemie und jede Menge Herz machen es zu einem Hörerlebnis, das noch lange nachhallt.
Für Fans der Windy-City-Reihe ist es schlicht ein Muss. Für alle, die Sports Romance mit echtem Tiefgang mögen: Kopfhörer rein, und Monty gehört euch.