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Mit „Maya" widmet sich Wicked Vision im Rahmen seiner verdienstvollen Italo Movie Collection einem der ungewöhnlicheren Ausläufer des italienischen Genre-Kinos der späten achtziger Jahre – einem Film, der okkulten Horror, archäologisches Abenteuer und blutiges Kultkino zu einer eigenwilligen Melange verschmilzt. Regisseur Marcello Avallone, der sich zuvor bereits mit Werken wie „Spettri" einen Namen im italienischen Horrorgenre gemacht hatte, verlegt seine Geschichte diesmal in die staubigen, von Mythen durchtränkten Ruinenlandschaften Mexikos und schöpft dabei aus dem reichen, aber im westlichen Horrorfilm selten bemühten Fundus der Maya-Mythologie.


Die Handlung nimmt ihren Ausgang, als der Gelehrte Salomon Slivak bei Grabungen in einer vergessenen Pyramide auf etwas stößt, das er besser hätte ruhen lassen sollen: den Geist Xibalbas, einer grausamen Gottheit, deren Zorn einst nur durch Menschenopfer besänftigt werden konnte. Was als archäologische Sensation beginnt, endet in einem rätselhaften Mord – Slivak wird kurz darauf tot aufgefunden, die Umstände seines Todes bleiben ebenso dunkel wie die Ruinen, in denen er sein Unheil heraufbeschwor. Seine Tochter Lisa reist daraufhin in das abgelegene mexikanische Dorf, um Licht ins Dunkel zu bringen, und findet in dem zwielichtigen Abenteurer Peter einen ebenso unzuverlässigen wie unverzichtbaren Begleiter. Gemeinsam geraten die beiden in einen Strudel aus jahrhundertealten Flüchen, halluzinatorischen Visionen und einem archaischen Kult, der offenbar nichts Geringeres als den Weltuntergang herbeisehnt.


Avallone inszeniert diesen Stoff mit spürbarer Lust an Atmosphäre und mystischer Bedrohung. Die Kulissen der verfallenen Pyramiden, die staubige Hitze der mexikanischen Provinz und die latente Präsenz einer uralten, unbarmherzigen Gottheit erzeugen ein Gefühl klaustrophobischer Ausweglosigkeit, das dem Film seinen eigentümlichen Reiz verleiht. Gleichzeitig bedient „Maya" alle Register des italienischen Genrekinos jener Jahre: blutige Schockmomente, surreale Traumsequenzen und eine Erzählweise, die weniger auf stringente Logik als auf assoziative Bildgewalt setzt. Wer mit den Eigenheiten des italienischen Horrorfilms vertraut ist, wird hier viele vertraute Elemente wiederfinden, gepaart mit dem exotischen Reiz eines selten bespielten mythologischen Settings.


Getragen wird der Film von einem international besetzten Ensemble. Peter Phelps, der australische Darsteller, verkörpert den Abenteurer Peter mit jener Mischung aus Charme und Undurchsichtigkeit, die die Figur erst interessant macht – man weiß nie ganz genau, ob man ihm über den Weg trauen kann, und genau diese Ambivalenz treibt die Beziehung zu Lisa an. Mariella Valentini gibt der Figur der Lisa eine Mischung aus Verletzlichkeit und wachsender Entschlossenheit, die sie zu einer glaubwürdigen Identifikationsfigur inmitten des mythologischen Chaos macht. Cyrus Elias und Mariangélica Ayala komplettieren das Ensemble und tragen mit ihren Rollen zur kulturellen Verankerung der Geschichte in ihrem mexikanischen Setting bei, das dem Film einen von vielen Genrebeiträgen jener Zeit angenehm abweichenden Anstrich verleiht.


Dass „Maya" nun erstmals in Deutschland ungekürzt auf Blu-ray erscheint, ist eine erfreuliche Nachricht für Sammler und Genrefans gleichermaßen. Gerade Filme dieses Kalibers – zwischen okkultem Horror, Abenteuerfilm und italienischem Trash-Charme changierend – fristeten hierzulande lange ein Nischendasein und waren, wenn überhaupt, nur in geschnittenen oder qualitativ minderwertigen Fassungen zugänglich. Mit dieser Veröffentlichung erhält der Film endlich die Präsentation, die ihm gebührt.


Bildqualität und Ton


Die Bildpräsentation der Wicked-Vision-Veröffentlichung dürfte angesichts des Alters und der Herkunft des Materials naturgemäß nicht mit modernen Großproduktionen mithalten können, bewegt sich aber im für Nischentitel dieser Kategorie erfreulichen Rahmen. Die charakteristische Bildsprache der späten achtziger Jahre, mit ihren warmen, staubigen Farbtönen und dem für das italienische Genrekino jener Zeit typischen weichen Look, kommt angemessen zur Geltung. Tonseitig überzeugt die Veröffentlichung durch das Angebot sowohl des italienischen als auch des englischen Audiotracks, jeweils mit passgenauen deutschen und englischen Untertiteln versehen – eine Sorgfalt, die man bei derartigen Nischenveröffentlichungen keineswegs für selbstverständlich halten sollte und die cineastisch interessierten Zuschauern die Wahl zwischen den unterschiedlichen Synchronfassungen offenlässt.


Extras


Die Ausstattung dieser Veröffentlichung ist beeindruckend umfangreich und unterstreicht einmal mehr die editorische Sorgfalt, mit der Wicked Vision seine Italo Movie Collection betreut. Bereits die äußere Gestaltung mit einem Wendecover lädt zur individuellen Präsentation im heimischen Regal ein und bietet Sammlern die Wahl zwischen unterschiedlichen Artworks. Beigelegt ist zudem ein 24-seitiges Booklet, das mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach eine fundierte inhaltliche Einordnung des Films liefert und diesen sowohl in den Kontext des italienischen Genrekinos als auch in die spezifische filmische Auseinandersetzung mit der Maya-Mythologie einbettet.


Das Herzstück der Bonusausstattung bildet zweifellos der Audiokommentar mit den renommierten Filmhistorikern Troy Howarth, Nathaniel Thompson und Eugenio Ercolani. Alle drei zählen zu den profiliertesten Stimmen, wenn es um die Aufarbeitung des italienischen Horror- und Genrekinos geht, und ihre gemeinsame Kommentarspur verspricht eine Fülle an Hintergrundwissen, Produktionsanekdoten und kritischer Einordnung, die weit über das hinausgeht, was ein Film für sich allein zu vermitteln vermag. Gerade das Zusammenspiel dreier ausgewiesener Experten unterschiedlicher Herangehensweisen macht diesen Kommentar zu einem echten Highlight für Genreliebhaber.


Ergänzt wird das Bonusmaterial durch eine Reihe sorgfältig zusammengestellter Interviews. Unter dem Titel „The Mexican Connection" kommt Regisseur und Co-Autor Marcello Avallone selbst zu Wort und gibt vermutlich Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Films, die Beweggründe für die Wahl des mexikanischen Schauplatzes sowie die Herausforderungen der Produktion vor Ort. In „Second Time Around" berichtet Produzent und Co-Autor Maurizio Tedesco aus seiner Perspektive über die Entstehung des Projekts und dürfte dabei wertvolle Einblicke in die produktionstechnischen und finanziellen Rahmenbedingungen einer solchen internationalen Kooperation liefern. Mit „Scream Queen Memories" widmet sich ein weiteres Interview der Schauspielerin Mirella D'Angelo, die im italienischen Horrorkino durchaus einen Namen hat und hier vermutlich von ihren persönlichen Erinnerungen an die Dreharbeiten und ihre Rolle im Film erzählt. Abgerundet wird der Reigen der Gesprächspartner durch „Mystical Mayan Melodies", ein Interview mit Komponist Gabriele Ducros, der Auskunft über die musikalische Gestaltung des Films geben dürfte – ein Aspekt, der bei der atmosphärischen Wirkung von „Maya" sicherlich keine unwesentliche Rolle spielt. Den Abschluss der Extras bildet der Original-Trailer, der als klassisches Werbematerial noch einmal die Verkaufsargumente des Films aus der Perspektive der Entstehungszeit dokumentiert.


Insgesamt handelt es sich um eine vorbildlich kuratierte Bonusausstattung, die sowohl die künstlerische als auch die produktionstechnische Seite des Films beleuchtet und damit weit über das hinausgeht, was man bei einem vergleichsweise obskuren Genretitel dieser Kategorie erwarten würde.


Fazit


„Maya" ist ein typisches Kind seiner Zeit: ein Film, der mit schmalem Budget, großer Genre-Leidenschaft und einem ungewöhnlichen mythologischen Unterbau eine eigenständige Nische im italienischen Horrorkino der späten achtziger Jahre besetzt. Wer okkulten Grusel, archäologische Abenteuerelemente und die unverwechselbare Ästhetik des italienischen Genrekinos zu schätzen weiß, wird an Marcello Avallones atmosphärischem Kult-Schocker seine Freude haben. Die vorliegende Blu-ray-Veröffentlichung von Wicked Vision präsentiert den Film erstmals ungekürzt in Deutschland und flankiert ihn mit einer Extraausstattung, die dem Titel mehr als gerecht wird. Für Fans des italienischen Genre-Kinos und Liebhaber von okkultem Horror ist diese Veröffentlichung ein absolutes Muss.