Es gibt Animationsfilme, die mit dem Anspruch antreten, das Medium neu zu erfinden – und dann gibt es jene, die einfach wissen, was sie sein wollen: temporeiche, herzliche Unterhaltung für die ganze Familie. „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets" gehört klar in die zweite Kategorie, und er erfüllt diesen Anspruch mit einer Energie und Verspieltheit, die man in dieser Konsequenz nicht unbedingt erwartet hätte.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Falcon, ein Waschbär mit großem Herz und noch größerer Verantwortung für sein Viertel. Als er einen mysteriösen Job annimmt, um seinen Freunden und Nachbarn sorglose Zeiten zu verschaffen, gerät er in ein Szenario, das sich jeder Kontrolle entzieht: Er findet sich in einem fahrerlosen Hochgeschwindigkeitszug wieder, vollgepackt mit den unterschiedlichsten Haustieren – fluffig, gefiedert, chaotisch und absolut überfordert mit der Situation. Der Zug rast, der Fahrer fehlt, und das Chaos ist sprichwörtlich auf Schienen programmiert. Was wie eine simple Prämisse klingt, entfaltet sich zu einem Abenteuer voller Wendungen, witziger Momente und überraschend emotionaler Zwischentöne.
Der eigentliche Schurke des Films ist Hans, ein Dachs, dessen Rachegelüste und ausgefeilt irrsinniger Plan den gesamten Konflikt antreiben. Hans ist dabei keine eindimensionale Bösewichtsfigur – die Drehbuchautoren gönnen ihm genug Screentime, um sein Handeln zumindest ansatzweise nachvollziehbar zu machen, was der Geschichte mehr Tiefe verleiht als man von einem Tieranimationsfilm dieser Art erwarten würde. Er ist ein klassischer Antagonist mit einem Schuss Absurdität, der gut in das insgesamt leichtfüßig-überdrehte Ton-Universum des Films passt.
Dramaturgisch setzt „Tierisch abgefahren" konsequent auf das Prinzip Eskalation: Die Situationskomik steigert sich kontinuierlich, während Falcon mehr und mehr erkennt, dass er die zerstreute Truppe an Bord nicht durch Autorität, sondern nur durch echten Zusammenhalt retten kann. Die Botschaft, die dabei vermittelt wird – dass ungleiche Charaktere gemeinsam stärker sind als allein – ist altbekannt, wird hier aber mit genügend Charme und Situationswitz transportiert, dass sie nicht moralisierend wirkt.
Die Animation selbst bewegt sich auf solidem Niveau: Die Figuren sind ausdrucksstark gestaltet, die Bewegungsabläufe im Zug nutzen die räumliche Enge als komödiantisches Stilmittel und die Hochgeschwindigkeitssequenzen erzeugen tatsächlich ein Gefühl von Dynamik und Dringlichkeit. Besonders die Charakterzeichnung von Falcon als Held wider Willen überzeugt – er wirkt nicht wie der typische, selbstbewusste Animationsprotagonist, sondern wie jemand, der in eine Situation hineingeworfen wird und trotz allem das Beste daraus macht. Das macht ihn sympathisch und identifizierbar, auch für jüngere Zuschauer.
MFA+ Film bringt „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets" am 2. Juli 2025 auf DVD heraus. Das Bonusmaterial fällt knapp aus: Neben dem Trailer zum Film findet sich lediglich eine Trailershow weiterer Titel im Programm. Wer auf Audiokommentare, Making-ofs oder Interviews gehofft hatte, wird hier nicht fündig. Für Fans des Films ist die Scheibe dennoch eine solide Möglichkeit, das Abenteuer ins heimische Wohnzimmer zu holen – besonders für Familien mit jüngeren Kindern, die den Film immer und immer wieder sehen wollen, ist das Format praktisch.
Insgesamt ist „Tierisch abgefahren – Rettet die Pets" ein kurzweiliger, gut aufgelegter Animationsspaß, der seine bescheidenen Ambitionen mit Bravour erfüllt. Kein Meisterwerk, aber unterhaltsames, unkompliziertes Familienkino mit einem liebenswürdigen Helden, einem launigen Schurken und einer Lokomotive, die für das gesamte Chaos verantwortlich ist. Die DVD-Veröffentlichung bietet eine ordentliche Heimkinooption für den nächsten Familienabend.
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