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Frivole Lola – Blu-ray-Review
Ordinary Dreams 2, Nr. 15 – Wicked Vision Media


Eine Verlobte auf der Suche nach Erfüllung


Mit „Frivole Lola" widmet sich Wicked Vision im Rahmen der Reihe „Ordinary Dreams 2" einem weiteren Werk aus dem umfangreichen Schaffen Tinto Brass' und erzählt die Geschichte einer jungen Frau, deren Lebensfreude sich nicht in gesellschaftliche Konventionen zwängen lässt. Lola ist mit Masetto verlobt, und in wenigen Wochen soll die Hochzeit gefeiert werden – ein Fest, dem Lola mit ungeduldiger Vorfreude entgegenfiebert, allerdings weniger wegen der Zeremonie selbst als wegen der Aussicht, endlich mit ihrem Verlobten zu schlafen. Doch so leidenschaftlich Lola auch versucht, Masetto mit all ihren weiblichen Reizen zu verführen, so standhaft bleibt dieser: Er will eine Jungfrau heiraten und weist ihre Annäherungen im letzten Moment stets zurück. Unverstanden in ihrem Begehren und getrieben von einer schier unersättlichen Lust, wendet sich Lola erotischen Fantasien und Abenteuern zu, in denen immer wieder eine besonders verbotene Gestalt auftaucht: der attraktive Liebhaber ihrer eigenen Mutter.


Tinto Brass – Beobachter weiblichen Begehrens


Kaum ein Regisseur hat sich derart konsequent und über Jahrzehnte hinweg der Darstellung weiblicher Lust und Selbstbestimmung gewidmet wie Tinto Brass. Der venezianische Filmemacher, der mit Werken wie „Salon Kitty" internationale Bekanntheit erlangte und sich im Laufe seiner Karriere zunehmend auf das Erotikgenre spezialisierte, versteht seine Protagonistinnen selten als bloße Objekte der Betrachtung, sondern vielmehr als aktiv Begehrende, deren Wünsche und Fantasien im Zentrum der Erzählung stehen. In „Frivole Lola" führt Brass dieses Prinzip konsequent fort: Lolas Frustration über die Standhaftigkeit ihres Verlobten und ihre Flucht in Traumbilder und Fantasien werden nicht als Verfehlung, sondern als nachvollziehbarer Ausdruck eines ungestillten Verlangens inszeniert. Brass' typische visuelle Vorliebe für sinnlich ausgeleuchtete Körper und für das Spiel zwischen Wirklichkeit und Wunschvorstellung prägt auch diesen Film in jeder Einstellung.


Die Besetzung zwischen Unschuld und Verführung


Anna Ammirati verkörpert Lola mit einer Mischung aus mädchenhafter Unbekümmertheit und unverhohlener Sinnlichkeit, die der Figur ihre besondere Ambivalenz verleiht – einerseits die brave Verlobte, andererseits eine junge Frau, deren Begierde sich immer weniger zügeln lässt. Der britische Schauspieler Patrick Mower gibt als Masetto den moralisch gefestigten Gegenpart, dessen Standhaftigkeit den eigentlichen Motor der Handlung bildet und Lolas Frustration erst so richtig zur Entfaltung bringt.


Mario Parodi und Antonio Salines ergänzen das Ensemble mit Nebenrollen, die dem Geschehen rund um Lolas Familie und Umfeld zusätzliche Facetten verleihen, während die tschechische Schauspielerin Susanna Martinková mit ihrer Präsenz eine weitere Ebene der erotischen Spannung in den Film einbringt. Francesca Nunzi, die bereits in anderen Werken Brass' vor der Kamera stand, rundet die Besetzung ab und trägt mit ihrer Rolle zur dichten, figurenreichen Erzählstruktur bei, die für Brass' Filme jener Schaffensphase charakteristisch ist.


Traum, Fantasie und die verbotene Anziehung


Besonders reizvoll an „Frivole Lola" ist die Art und Weise, wie Brass Lolas innere Welt aus Träumen und Fantasien mit der äußeren Handlung verschränkt. Der wiederkehrende Liebhaber der Mutter, der in Lolas Vorstellungen immer wieder auftaucht, verleiht der Geschichte eine zusätzliche, leicht ödipal gefärbte Spannung, die den Film über die reine Verführungskomödie hinaushebt. Diese Verwebung von Wunsch und Tabu ist typisch für Brass' Umgang mit erotischen Motiven: Nie geht es ihm um bloße Provokation um ihrer selbst willen, sondern stets um die psychologische Grundierung des Begehrens, das seine Figuren antreibt.


Ausstattung und Bonusmaterial


Auch bei „Frivole Lola" hat sich Wicked Vision um eine ansprechende Ausstattung bemüht, die dem Sammlerinteresse an der Reihe „Ordinary Dreams 2" gerecht wird. Das zwanzigseitige Booklet enthält einen Essay des Kritikers Christoph N. Kellerbach, der sich darin mit dem Film und seiner Einordnung in Tinto Brass' Gesamtwerk auseinandersetzt und dabei auch die thematischen Verbindungen zu dessen anderen Arbeiten rund um weibliches Begehren und gesellschaftliche Konventionen herausarbeitet.


Einen unmittelbaren Einblick in die Entstehung des Films liefert das Interview mit Tinto Brass selbst, in dem der Regisseur über seine Herangehensweise an Stoff und Figuren spricht und damit einen persönlichen Zugang zu seinem filmischen Denken eröffnet. Der Originaltrailer rundet das cineastische Bonusmaterial ab und gibt einen kompakten Vorgeschmack auf Ton und Ästhetik des Films, während ein verstecktes Easter Egg aufmerksamen Sammlern eine kleine zusätzliche Überraschung bietet.


Fazit


„Frivole Lola" zeigt Tinto Brass einmal mehr als einfühlsamen Erzähler weiblichen Begehrens, der die Geschichte einer ungeduldig auf Erfüllung wartenden jungen Frau mit spürbarer Sympathie und einem Gespür für die psychologischen Untertöne ihrer Fantasien inszeniert. Die Veröffentlichung von Wicked Vision fügt sich mit einem soliden, wenn auch etwas schlankeren Bonusprogramm passgenau in die Reihe „Ordinary Dreams 2" ein und bietet mit dem Essay von Christoph N. Kellerbach sowie dem Interview mit dem Regisseur selbst zwei besonders lohnende Zugaben. Für Sammler und Kenner des italienischen Erotikkinos ist dieser fünfzehnte Teil der Reihe eine empfehlenswerte Ergänzung.