Es gibt Filme, die sich stur jeder Schublade verweigern, und "Dead Heat" ist einer der schönsten Vertreter dieser aussterbenden Spezies. Buddy-Cop-Actioner, Zombie-Horror, Splatter-Comedy – Mark Goldblatts 1988er Genre-Bastard nimmt sich von allem etwas und verweigert sich am Ende doch jeder simplen Kategorisierung. Das Ergebnis ist ein herrlich schräges Stück Achtziger-Kino, das seinerzeit an den Kassen krachend scheiterte und heute völlig zu Recht als Kultfilm gefeiert wird.
Die Prämisse ist so simpel wie genial: Detective Roger Mortis (ja, der Nachname ist Programm) und sein Partner Doug Bigelow ermitteln in einer Serie bizarrer Raubüberfälle, bei denen die Täter partout nicht tot zu kriegen sind – weil sie es bereits sind. Ein durchgeknallter Wissenschaftler hat ein Verfahren entwickelt, um Verstorbene als Werkzeuge für Verbrechen wiederzubeleben. Als Mortis bei einem Einsatz selbst ins Gras beißt, bleiben ihm gerade einmal zwölf Stunden, um mit den Mitteln der Reanimationstechnologie seinen eigenen Mord aufzuklären, bevor sein wiederbelebter Körper endgültig zu verwesen beginnt. Aus dieser Ausgangslage schöpft der Film ein Feuerwerk an abstrusen Actionsequenzen, herrlich morbidem Humor und einigen der kreativsten Splatter-Effekte, die das späte Achtziger-Kino zu bieten hatte.
Regisseur Mark Goldblatt
Mark Goldblatt kam nicht als klassischer Regisseur zu "Dead Heat", sondern als einer der gefragtesten Cutter Hollywoods. Sein Schnitt-Handwerk hatte er sich unter anderem bei "Piranha II", "The Terminator", "Aliens" und "RoboCop" erarbeitet – Filme, die alle für ihren pointierten, rhythmischen Schnitt bekannt sind. Diese Erfahrung merkt man "Dead Heat" in praktisch jeder Einstellung an: Das Timing der Gags, das Tempo der Actionszenen und die Art, wie Horror und Komödie ineinander übergehen, verrät den geschulten Blick eines Editors, der genau weiß, wo eine Szene ihren Höhepunkt braucht und wo sie geschnitten werden muss, damit der nächste Schock oder Lacher optimal zündet. Nach "Dead Heat" inszenierte Goldblatt mit "Der Punisher" (1989) einen weiteren Kultfilm, bevor er sich mit "Nur eine Handvoll Dollar" endgültig als Regisseur etablierte. Später kehrte er größtenteils zum Schnitt zurück und war unter anderem an den "X-Men"-Filmen beteiligt. Sein Regie-Output blieb überschaubar, doch "Dead Heat" zeigt eindrucksvoll, was für ein Gespür er für Genre-Kino besaß – ein Gespür, das ihm als reiner Cutter vielleicht nie in diesem Maße hätte bescheinigt werden können.
Die Besetzung
Treat Williams gibt als Detective Roger Mortis eine der schönsten Vorstellungen seiner Karriere. Williams, der zuvor bereits in "Hair" und "Prince of the City" sein Talent für vielschichtige Rollen bewiesen hatte, bringt hier genau die richtige Mischung aus hartgesottenem Cop-Charisma und morbider Selbstironie mit. Besonders in der zweiten Filmhälfte, wenn sein Körper zusehends verwest und Williams die körperliche Degeneration seiner Figur mit trockenem Humor unterspielt, zeigt sich sein komödiantisches Timing.
An seiner Seite brilliert Joe Piscopo als Partner Doug Bigelow. Der aus "Saturday Night Live" bekannte Komiker liefert einen der besten Auftritte seiner Kinokarriere ab und beweist, dass er weit mehr kann als reine Sketch-Comedy. Sein Bigelow ist laut, impulsiv und liebenswert tollpatschig, bildet aber gleichzeitig das emotionale Zentrum des Films, wenn er um seinen wiederbelebten Partner kämpft.
Lindsay Frost spielt die Gerichtsmedizinerin Rebecca Smythers und bringt eine angenehm bodenständige Präsenz in das ansonsten reichlich abgedrehte Geschehen. Als Liebesinteresse und wissenschaftliche Stimme der Vernunft verleiht sie dem Film ein emotionales Fundament.
Darren McGavin, dem Horror- und Genre-Fans längst als journalistischer Übernatürlich-Experte aus "Kolchak: The Night Stalker" ein Begriff war, gibt hier Captain Cyrus Bukowski, Mortis' und Bigelows knurrigen Vorgesetzten. McGavin bringt genau jene Mischung aus Autorität und trockenem Sarkasmus mit, die er bereits in unzähligen anderen Rollen perfektioniert hatte.
Ein besonderes Bonbon für Genre-Fans ist der Auftritt von Vincent Price als Mr. Thawley. Der Horror-Ikone, deren unverwechselbare Stimme und Präsenz Filmgeschichte geschrieben hat, gönnt "Dead Heat" einen kurzen, aber denkwürdigen Auftritt, der dem Film zusätzliches Genre-Gewicht verleiht und eine schöne Verbeugung vor der klassischen Horror-Tradition darstellt, aus der sich der Film eklektisch bedient.
Clare Kirkconnell als Randi James, Keye Luke in der Rolle des Mr. Chow sowie Robert Picardo als durchgeknallter Antagonist Arthur P. Loudermilk komplettieren das Ensemble. Gerade Picardo, der später als „Doktor" in "Star Trek: Voyager" Fernsehgeschichte schreiben sollte, liefert hier eine herrlich exzentrische Performance ab, die dem Film in seiner zweiten Hälfte noch einmal ordentlich Schwung verleiht.
Die Wicked Vision Blu-ray
Wicked Vision bringt "Dead Heat" als limitierte Uncut-Edition heraus und beweist damit erneut ihr Gespür für die Perlen des Genre-Kinos, die abseits des Mainstreams zu lange unter Wert gehandelt wurden. Für Sammler und Fans schräger Achtziger-Genreware ist diese Veröffentlichung ein echtes Highlight des Jahres.
Technisches Herzstück der Edition ist eine brandneue 4K-Restauration, die eigens vom 35mm-Kamera-Negativ abgetastet wurde. Das bedeutet für Bild und Detailschärfe einen enormen Qualitätssprung gegenüber sämtlichen bisherigen Veröffentlichungen und lässt die morbide Ästhetik des Films sowie die aufwendigen Make-up- und Effektarbeiten endlich in einer Qualität erstrahlen, die dem Material tatsächlich gerecht wird. Encoding und Bearbeitung stammen von LSP-Medien, die auch hier wieder für ein technisch überzeugendes Ergebnis sorgen.
Sprachlich wurde ebenfalls ordentlich investiert: Exklusiv für diese Edition wurde die deutsche Stereospur restauriert, sodass auch die deutsche Synchronfassung dem neuen Bildmaterial in nichts nachsteht. Ergänzt wird das Ganze durch brandneue deutsche und englische Untertitel für den Hauptfilm sowie brandneue deutsche Untertitel für das umfangreiche Bonusmaterial, was internationalen Fans und Sammlern gleichermaßen entgegenkommt.
Beim Bonusmaterial hat sich Wicked Vision selbst übertroffen. Den Auftakt macht ein Audiokommentar mit Regisseur Mark Goldblatt, Drehbuchautor Terry Black und den Produzenten Michael L. Meltzer und David Helpern, der einen unmittelbaren, aus erster Hand stammenden Blick hinter die Kulissen der Produktion gewährt und die Entstehungsgeschichte des Films aus verschiedenen kreativen Perspektiven beleuchtet. Exklusiv für diese Veröffentlichung gibt es zudem einen deutschsprachigen Audiokommentar mit Dr. Kai Naumann und Laurent Ohmansiek, der dem internationalen Publikum eine zusätzliche, tiefgehende Einordnungsebene bietet und speziell für deutsche Sammler einen echten Mehrwert darstellt.
Das Interview „The Building of Movies" widmet sich ausführlich Regisseur Mark Goldblatt und seinem Weg vom gefragten Cutter zum Regisseur, während „A Thousand Feet of Lightning" dem Visual-Effect-Artist Ernest Farino Raum gibt, um über die aufwendigen praktischen Effekte des Films zu sprechen, die bis heute ihre Wirkung nicht verfehlen. In „How to Edit for an Editor" kommt Editor Harvey Rosenstock zu Wort und gewährt Einblicke in den Schnittprozess, während das Audio-Interview „Happy Accidents Happen" Komponist Ernest Troost die Bühne überlässt, um über die Entstehung des markanten Soundtracks zu sprechen. Abgerundet wird dieser Reigen an Interviews durch „Seizing the Opportunity" mit Second-Unit Director Patric Read Johnson, der von seiner Arbeit an den actionreichen Sequenzen des Films berichtet.
Ein echtes Highlight für Fans praktischer Effektarbeit ist das exklusive Interview mit Steve Johnson aus dem Jahr 2024, das noch einmal aus heutiger Perspektive auf die legendären Make-up- und Kreatureneffekte des Films zurückblickt und zeigt, wie zeitlos handgemachte Effektarbeit sein kann.
Darüber hinaus bietet die Edition geschnittene und alternative Szenen, die einen spannenden Blick auf den ursprünglichen Schnittprozess erlauben, sowie umfangreiches Behind-the-Scenes-Material und Interviews mit den Darstellern, die einen unmittelbaren Eindruck vom Set-Alltag vermitteln. Die MIFED Promotion dokumentiert die damalige Vermarktung des Films auf dem internationalen Filmmarkt, während der Original-Kinotrailer sowohl in der Original- als auch in der ReCut-Fassung sowie der deutsche Trailer, ebenfalls in beiden Versionen, das historische Marketingmaterial vervollständigen. Eine Bildergalerie rundet das umfangreiche Bonusmaterial visuell ab.
Ein besonderes Schmankerl für Sammler und Komplettisten ist die norwegische „Langfassung", die optional mit deutschen Untertiteln zugeschaltet werden kann und Fans die Möglichkeit gibt, eine alternative, in dieser Form hierzulande bislang kaum zugängliche Schnittfassung des Films zu entdecken.
Mit dieser Fülle an Bonusmaterial, der technisch hervorragenden 4K-Restauration vom Original-Negativ und der liebevollen Ausstattung positioniert sich Wicked Vision einmal mehr als eine der verlässlichsten Adressen für anspruchsvolle Genre-Fans, die sich nicht mit bloßen Zweitverwertungen zufriedengeben wollen, sondern eine wirklich runde, ihrem Kultstatus angemessene Veröffentlichung erwarten.
Fazit
"Dead Heat" ist ein herrlich anarchisches Stück Achtziger-Genrekino, das Horror, Action und Comedy mit bemerkenswerter Leichtigkeit unter einen Hut bringt und dabei von einem hochkarätigen Ensemble getragen wird, das sichtlich Spaß am morbiden Irrsinn der Geschichte hat. Mark Goldblatts Regiedebüt zeigt eindrucksvoll, welches Gespür für Timing und Genre-Mechanik ein erfahrener Cutter in die Regiearbeit einbringen kann. Die Wicked Vision Blu-ray wird diesem Kultfilm in jeder Hinsicht gerecht: technisch hervorragend restauriert, mit liebevoll zusammengestelltem und umfangreichem Bonusmaterial versehen und mit der norwegischen Langfassung sogar mit einem echten Sammler-Bonus ausgestattet. Eine absolute Pflichtanschaffung für Fans schräger Genreware und all jene, die dem morbiden Charme wiederbelebter Leichen nicht widerstehen können.