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„Marvel Knights: Punisher" bei Panini: Frank Castle wird zum Monster, das er bekämpft


Das Label Marvel Knights erlebt gerade eine bemerkenswerte Renaissance. Während Christopher Priest und Joe Quesada mit „Marvel Knights: The World to Come" bereits ein größeres Zukunftsszenario für Marvels dunklere Ecken etablieren, gesellt sich nun mit „Marvel Knights: Punisher" ein weiterer Baustein hinzu, der sich thematisch direkt in diese Kontinuität einfügt und erzählt, wie Frank Castle einst zu jenem Mann wurde, der später in „The World to Come" eine Rolle spielt.


Ein Wiedersehen alter Bekannter


Für dieses Vorhaben hat sich Marvel mit Jimmy Palmiotti keinen Unbekannten geholt, sondern den Mitbegründer des ursprünglichen Marvel-Knights-Labels selbst. Palmiotti, der gemeinsam mit Joe Quesada Ende der Neunziger das Label aus der Taufe hob und später mit Kevin Smith an einem vielbeachteten Daredevil-Run mitwirkte, kehrt hier also nicht nur thematisch, sondern auch persönlich an seine eigenen Wurzeln zurück. An seiner Seite steht Dan Panosian, ein vielseitiger Künstler, der bereits für Marvel und DC an Titeln wie „Ultimate X-Men", „Flash", „Detective Comics", „Captain America" und „Green Lantern" gearbeitet hat und hier nicht nur zeichnet, sondern seine Arbeit auch selbst koloriert, ein Umstand, der der Serie eine besonders geschlossene visuelle Handschrift verleiht.


Handlung


Frank Castle ist älter geworden, doch an seiner kompromisslosen Herangehensweise als Punisher hat sich nichts geändert. Als er der Spur der neuen Droge Z bis zu einem mexikanischen Drogenbaron folgt, gerät er mit dessen Auftragskiller El Zombie aneinander. Anstatt ihn zu töten, verwandeln die Gegenspieler Frank jedoch selbst in ihren nächsten Killer-Zombie und machen ihn damit zu einer Waffe der eigenen Organisation. Parallel dazu geht Agent Everett K. Ross undercover bei den Gangstern, um gemeinsam mit einer mexikanischen Regierungsagentin die Organisation zu infiltrieren und einen Weg zu finden, Frank aus seinem drogeninduzierten Zustand zu befreien. Als die Wirkung der Substanz schließlich nachlässt, muss sich Castle den grausamen Erinnerungen an alles stellen, was er unter fremder Kontrolle angerichtet hat, ein Moment, der die Geschichte von reiner Actionprügelei zu einer deutlich düsteren, fast tragischen Charakterstudie verschiebt, bevor sie konsequent in Richtung Rache an den Verantwortlichen kippt.


Erzählerischer Zugang und Ton


Palmiotti gelingt es, dem altbekannten Punisher-Konzept durch die Zombie-Droge eine originelle Facette hinzuzufügen, die Frank Castle erstmals nicht als unaufhaltsamen Rächer, sondern als manipuliertes Werkzeug fremder Interessen zeigt. Gerade dieser Kontrollverlust, verbunden mit dem Moment des Erwachens und der Konfrontation mit den eigenen Taten, verleiht der vierteiligen Miniserie eine psychologische Tiefe, die über reine Gewaltdarstellung hinausgeht. Der parallel geführte Undercover-Handlungsstrang um Everett K. Ross funktioniert dabei als geschickter erzählerischer Kontrapunkt: Wo Frank als entfesselte Gewalt agiert, bringt Ross als eher tollpatschig gezeichnete Agentenfigur eine fast schon humoristische Note ins ansonsten kompromisslos düstere Geschehen, ohne dass dies den grundsätzlich harten Ton der Serie verwässert.


Zeichenstil


Panosians Stil passt hervorragend zum schmutzigen Crime-Noir-Charakter der Geschichte. Sein Zeichenstrich wirkt roh und nervös, fast schon fiebrig, was der zunehmenden Entmenschlichung Franks visuell perfekt Ausdruck verleiht. Besonders die Kolorierung, die Panosian in Eigenregie übernimmt, trägt maßgeblich zur bedrückenden Atmosphäre bei: schlammige Brauntöne für die Straßen und Hinterhöfe, kühle graublaue Himmel als Kontrast zu den scharlachroten Gewaltausbrüchen, die den Punisher seit jeher begleiten. Diese bewusste Farbdramaturgie erzeugt ein New York, das gleichermaßen von Reichtum wie von Verwahrlosung geprägt ist, und unterstreicht den Scorsese-artigen Grundton der gesamten Erzählung.


Fazit


„Marvel Knights: Punisher" ist eine kompromisslose, düstere Miniserie, die dem altbekannten Rächer eine ungewöhnliche und psychologisch interessante Wendung verpasst, ohne dabei auf die für den Charakter typische, rohe Gewalt zu verzichten. Jimmy Palmiotti und Dan Panosian liefern gemeinsam ein stimmiges, atmosphärisch dichtes Werk ab, das seinem Marvel-Knights-Erbe alle Ehre macht. Wer harte, erwachsene Punisher-Geschichten mit erzählerischer Substanz schätzt, sollte hier unbedingt zugreifen.