Mit "Bon App!" bringt der DK Verlag die deutsche Ausgabe eines Kochbuchs auf den Markt, das im englischsprachigen Original bereits als Überraschungserfolg galt: Isabelle Dunn, besser bekannt unter ihrem Instagram-Alias @tastyfeedsdaily, verwandelt darin die klassische französische Küche in ein alltagstaugliches, unprätentiöses Erlebnis für Hobbyköch:innen ohne Sternehaube.
Eine Französin in Sydney
Isabelle Dunn, von allen nur Isy genannt, wurde in Frankreich geboren und aufgezogen, lebt inzwischen jedoch mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Sydney. Diese geografische Distanz zur eigenen Heimat scheint paradoxerweise genau jenen Blickwinkel geschaffen zu haben, der "Bon App!" seinen besonderen Charme verleiht: Statt aus der unmittelbaren Nähe eines Pariser Bistros heraus zu schreiben, übersetzt Dunn die französische Küche für ein internationales, oft weit von traditionellen Zutatenquellen entferntes Publikum. Bekannt wurde sie zunächst über ihren eigenen Foodblog, ehe sie mit ihrem viral gegangenen Instagram-Kanal, insbesondere mit ihren Cocktail-Dessert- und Apéro-Reihen, eine große, loyale Fangemeinde aufbaute. "Bon App!" ist die konsequente Weiterentwicklung dieser Online-Präsenz in Buchform und versammelt sowohl bereits online populär gewordene Rezepte als auch gänzlich neues Material.
Savoir-vivre ohne Sternerestaurant-Anspruch
Das zentrale Versprechen des Buches liegt in seinem Titel bereits angelegt: Französisch kochen, ohne dabei in komplizierte Techniken oder schwer zu beschaffende Zutaten abzudriften. Über einhundert Rezepte verteilen sich auf verschiedene Anlässe und Tageszeiten, von kleinen Häppchen zur Apéro-Stunde bis zu opulenteren Menüs für besondere Anlässe. Auf der einen Seite finden sich dabei waschechte Retro-Klassiker der französischen Küche wie Bœuf Bourguignon, Ratatouille oder Coq au Vin, deren Zubereitung Dunn bewusst entschlackt und von unnötiger Kompliziertheit befreit, ohne dabei den ursprünglichen Charakter der Gerichte zu verwässern. Auf der anderen Seite stehen deutlich modernere, oft aus den sozialen Netzwerken stammende Kreationen, darunter Dunns viral gegangene tropische Crème brûlée, die zeigt, wie sich klassisch französische Techniken mit zeitgemäßen, überraschenden Aromenkombinationen verbinden lassen. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich ein Großteil des Buches: schnelle Bistroküche für den Alltag, herzhafte Kartoffelgerichte, feine Desserts und Gebäck sowie Menüvorschläge für romantische Abende oder größere Familienfeiern.
Rezepte, die sich wirklich nachkochen lassen
Was "Bon App!" von zahlreichen anderen Frankreich-Kochbüchern unterscheidet, ist der durchweg pragmatische Anspruch, mit dem Dunn an ihre Rezepte herangeht. Statt auf schwer erhältliche Spezialzutaten oder aufwendige Handwerkstechniken zu setzen, bleiben die Zubereitungsschritte bewusst überschaubar und alltagstauglich, ohne dass dabei der genussvolle, dezent nachlässige französische Lebensstil verloren ginge, den das Buch so explizit für sich beansprucht. Diese Zugänglichkeit macht "Bon App!" gleichermaßen für spontane Feierabendküche wie für die aufwendigere Planung eines Menüs für Freunde geeignet, zumal das Buch an mehreren Stellen konkrete Menüvorschläge anbietet, die einzelne Rezepte sinnvoll zu einem stimmigen Ganzen kombinieren.
Eine willkommene Ergänzung zur deutschen Ausgabe stellen die per QR-Code abrufbaren Kochvideos dar, in denen Isabelle Dunn ausgewählte Rezepte selbst vorführt. Gerade bei französischen Techniken, deren korrekte Konsistenz oder Textur sich schwer in Textform vermitteln lässt, bieten diese kurzen Videosequenzen eine praktische Unterstützung, die über das gedruckte Wort hinausgeht und die digitale Präsenz der Autorin sinnvoll in das gedruckte Buch integriert.
Gestaltung: Mediterranes Flair auf jeder Seite
Optisch orientiert sich "Bon App!" erkennbar an einer sommerlich-mediterranen Formsprache, die weniger an nüchterne Pariser Kochbuch-Tradition als an entspannte Urlaubstage an der südfranzösischen Küste erinnert. Die Fotografien, im Original von Alan Benson verantwortet, fangen die vorgestellten Gerichte in warmem, natürlichem Licht ein und unterstreichen so den unbeschwerten, jungen Grundton, den das Buch für sich beansprucht. Diese konsequent lockere, alles andere als steife Bildsprache dürfte maßgeblich dazu beitragen, dass sich auch Einsteiger:innen in die französische Küche von den einzelnen Rezepten nicht eingeschüchtert, sondern eingeladen fühlen.
Fazit
"Bon App!" gelingt es, die oft als unnahbar empfundene französische Küche in eine warme, alltagstaugliche Einladung zum gemeinsamen Genießen zu verwandeln. Isabelle Dunns Mischung aus französischer Retro-Klassik und ihren eigenen, in den sozialen Medien erprobten Kreationen ergibt eine Rezeptsammlung, die sich ebenso für den schnellen Wochentag wie für die aufwendigere Feier mit Freund:innen eignet. Mit seiner sommerlich-lockeren Gestaltung, den praktischen Videoergänzungen und dem durchweg unkomplizierten Zugang zu klassischen französischen Gerichten ist "Bon App!" eine gelungene, sympathische Ergänzung für jedes Kochbuchregal mit Frankreich-Sehnsucht.