Woodwalkers 2
Spielfilm | Deutschland 2025 | Studiocanal Blu-ray
Kaum eine deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchreihe der vergangenen Dekade hat ein vergleichbar treues und begeistertes Publikum aufgebaut wie Katja Brandis' Woodwalkers. Über 3,6 Millionen verkaufte Exemplare, Übersetzungen in 27 Sprachen und ein mittlerweile auf mehr als zwanzig Bücher angewachsenes Universum: Das Fundament für eine Kinotrilogie war gelegt. Der erste Film startete im Oktober 2024 in den deutschen Kinos und holte immerhin über 750.000 Besucher – respektabel, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der direkt vergleichbaren Schule der magischen Tiere-Reihe. Mit Woodwalkers 2, der im Januar 2026 in die Lichtspielhäuser kam, legt Regisseur Sven Unterwaldt nach – und liefert einen spürbaren Schritt nach vorn. Die Studiocanal-Blu-ray bringt das Abenteuer nun ins Heimkino.
Willkommen zurück an der Clearwater High
Ein neues Schuljahr an der Clearwater High, irgendwo in den Bergen Wyomings. Für Puma-Wandler Carag (Emile Chérif), seinen Freund Brandon (Johan von Ehrlich) und die Freundinnen Holly (Lilli Falk) und Lou (Sophie Lelenta) beginnt es mit einer bedrohlichen Nachricht: Carags früherer Mentor Andrew Milling (Oliver Masucci) plant, den Wald rund um das Internat zu verkaufen – damit stünde nicht nur das Naturschutzgebiet auf dem Spiel, sondern der gesamte Lebensraum der Gestaltwandlergemeinschaft. Dass Milling zusätzlich einen Spion in den Reihen der Schülerschaft platziert hat und dem Quartett damit stets einen Schritt voraus ist, macht die Lage noch brisanter. Unerwartete Hilfe kommt von einer zunächst unwahrscheinlichen Seite: Tikaani (Olivia Sinclair), eine Schneewölfin aus dem Rudel von Carags Rivalen Jeffrey (Emil Bloch), bietet ihre Unterstützung an. Ob ihr zu trauen ist – und was da zwischen ihr und Carag möglicherweise mehr als Zweckbündnis ist – gehört zu den angenehm offengehaltenen Fragen des Films.
Ein Sequel, das aus den Fehlern des Vorgängers lernt
Der erste Woodwalkers-Film litt unter handwerklichen Unebenheiten, die besonders in den Verwandlungssequenzen sichtbar wurden – Momente, die eher merkwürdig als magisch wirkten. Woodwalkers 2 hat hier erkennbar nachgebessert. Die Gestaltwandlungseffekte wirken souveräner, die Übergänge zwischen Mensch und Tier flüssiger. Dass das Budget gewachsen ist, merkt man: Gedreht wurde in Mitteldeutschland, Bayern, Tirol, Südtirol und Venetien, und die Vielfalt der Schauplätze gibt dem Film eine landschaftliche Opulenz, die dem Vorgänger noch fehlte. Die Außenaufnahmen in alpinen Wäldern und Gebirgspanoramen vermitteln überzeugend das Gefühl einer wilden, schützenswerten Natur – und machen das zentrale Thema Naturschutz auf visuelle Weise greifbar.
Regisseur Unterwaldt, der mit den Schule der magischen Tiere-Filmen bewiesen hat, dass er das Genre des deutschen Familienfilms beherrscht, setzt erneut auf schnelles Erzähltempo und klare Konfliktkonturen. Das funktioniert für das Zielpublikum gut: Es gibt kaum leerlaufende Momente, die Handlung nimmt früh Fahrt auf und lässt sie nicht mehr los. Themen wie Freundschaft, Vertrauen, Zugehörigkeit und der Wunsch nach einer richtigen Familie – Holly leidet darunter, nie eine Pflegefamilie gefunden zu haben, während Carag in einem berührend ruhigen Handlungsstrang seinem Puma-Vater im Yellowstone National Park begegnet – werden mit einer Wärme behandelt, die der Serie ihr emotionales Fundament gibt.
Der Cast: Erfahrene Kräfte, neue Gesichter
Das Ensemble wächst mit dem Film. Oliver Masucci als Bösewicht Andrew Milling ist ein verlässlicher Garant: Er spielt den machthungrigen Mentor mit einer angenehm ambivalenten Abgründigkeit, die der Figur mehr Tiefe verleiht, als das Genreformat eigentlich verlangt. Neu im Cast ist Tom Schilling als beamtenmäßig korrekter Vormund von Holly, der in einer komödiantisch eingefärbten Subplot für Slapstick-Momente sorgt – Schilling macht das mit spielerischer Leichtigkeit. Moritz Bleibtreu hingegen bleibt als fieser Geschäftsmann leider etwas blass, eine Figur, die trotz des Namens hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt. Martina Gedeck als Schulleiterin Lissa Clearwater bekommt diesmal etwas mehr zu tun als im Auftaktfilm, nutzt den Raum aber nur teilweise. Im Mittelpunkt steht erwartungsgemäß Emile Chérif als Carag, der die Reifung seiner Figur zwischen Verantwortungsgefühl und jugendlichem Aufbegehren glaubhaft trägt. Die eigentliche Neuentdeckung des Films ist Olivia Sinclair als Tikaani – die Schneewölfin bringt eine zurückgenommene Coolness mit, die dem romantischen Subplot zwischen ihr und Carag eine angenehme Spannung gibt.
Stärken und Grenzen
Wo Woodwalkers 2 am stärksten ist, ist er wirklich stark: Die Abenteuerhandlung sitzt, die Botschaft zum Thema Naturschutz wirkt organisch eingebettet statt belehrend, und das Ende mit einer gemeinschaftlichen Aktion zur Rettung des Waldes hat eine kathartische Qualität, die auch ältere Zuschauer nicht kalt lässt. Gewisse Grenzen des Genres bleiben allerdings spürbar. Die Konflikte bleiben selten so komplex, wie die Vorlage es zuließe – Carags Vertrauensbruch gegenüber dem Woodwalker-Rat etwa wird angeschnitten, aber nicht wirklich ausgelotet. Auch die Spion-Handlung, die im ersten Drittel für echte Spannung sorgt, verliert im Mittelteil etwas an Schärfe. Für das intendierte Publikum zwischen acht und vierzehn Jahren sind das jedoch Nuancen, die den Filmspaß kaum trüben.
Die Studiocanal Blu-ray
Studiocanal präsentiert Woodwalkers 2 in einer soliden Blu-ray-Ausgabe, die dem Film visuell gerecht wird. Die satte Farbgebung der Berglandschaften, das warme Licht der Waldszenen und die Dynamik der Verwandlungssequenzen kommen in HD-Qualität mit angenehmer Schärfe und Detailtiefe zur Geltung. Der Ton trägt die wirkungsvolle Filmmusik von Anne-Kathrin Dern, die stimmungsvoll zwischen Abenteuergestus und ruhigeren emotionalen Momenten pendelt, überzeugend durch die Heimkinoanlage. Das Bonusmaterial umfasst ein Hinter-die-Kulissen-Featurette, das Einblicke in Dreh und Produktionsaufwand bietet, ein Musikvideo der Band Die Creators zum Song „Welt gegen uns", der die Energie des Films gut einfängt, sowie Teaser und Trailer. Für junge Fans des Films ist das ein rundes Paket – wenngleich sich Drehortliebhaber noch mehr Behind-the-Scenes-Material aus den beeindruckenden alpinen Drehdestinationen hätten wünschen können.
Fazit
Woodwalkers 2 ist ein aufgeräumtes, herzliches und handwerklich deutlich gereiftes Sequel, das seine Zielgruppe versteht und gut bedient. Sven Unterwaldt hat aus den Schwächen des ersten Teils gelernt, das Ensemble um zwei kurzweilige Neuzugänge erweitert und dem Film eine landschaftliche Schönheit mitgegeben, die dem Grundanliegen – Natur schützen, Gemeinschaft leben – auf der Leinwand buchstäblich Form gibt. Für Fans der Buchserie ist die Studiocanal-Blu-ray ohnehin Pflicht. Aber auch als Familienabend für alle, die mit dem Universum bislang nichts anfangen konnten, bietet Woodwalkers 2 kurzweiligen, warmherzigen Abenteuerfilm, der seine Botschaft ohne erhobenem Zeigefinger transportiert. Der dritte und abschließende Teil ist für September 2027 angekündigt – nach diesem zweiten Teil darf man gespannt sein.