Train Sim World 7 – Zurück auf die Schiene mit neuem Realismus
Mit Train Sim World 7 setzt Dovetail Games seine seit Jahren gewachsene Zugsimulationsreihe fort und bringt für PlayStation 5, Xbox Series sowie PC ein Update mit, das sich weniger über eine radikale Neuerfindung des Konzepts definiert, sondern vielmehr über eine spürbare Verfeinerung bestehender Systeme, neue Strecken und einen deutlich flexibleren Zugang für Einsteiger. Erhältlich in einer kostenlosen Starter Edition, einer Standard-, einer Deluxe- sowie einer Ultimate Edition, positioniert sich der Titel damit erneut sowohl als Einstiegspunkt für Neulinge als auch als umfangreiches Angebot für langjährige Fans der Marke.
Drei neue Strecken, drei Kontinente
Im Zentrum der Standard Edition stehen drei neue Streckenabschnitte, die geografisch und atmosphärisch kaum unterschiedlicher sein könnten. Mit Florida Tri-Rail führt eine der Routen erstmals nach Miami und Fort Lauderdale, wo Pendlerzüge und Güterverkehr unter tropischer Sonne aufeinandertreffen. Wer es britischer mag, findet im Airedale-Wharfedale-Netzwerk die sanften Hügel Yorkshires, ergänzt um Steinbruchbetrieb im Güterverkehr. Für das deutsche Publikum dürfte jedoch die Bahnstrecke Nürnberg–Würzburg von besonderem Interesse sein, die bayerische Mittelgebirgslandschaft mit Fernverkehr und Regionalzügen verbindet und in der Deluxe Edition durch den beliebten ICE 4 zusätzlich aufgewertet wird.
Fracht nach eigenem Ermessen: Freight Hauler
Eine der interessantesten spielerischen Neuerungen ist der sogenannte Freight Hauler-Modus, der sich vom starren Fahrplanprinzip klassischer Güterzugmissionen löst. Statt vorgegebenen Anweisungen zu folgen, verteilen sich Güterwagen eigenständig über die Strecke, und es liegt an den Spielenden, sie eigenverantwortlich zu rangieren, zusammenzustellen und an ihr Ziel zu bringen. Dieses freiere, strategischere Herangehen an den Güterverkehr dürfte insbesondere jene ansprechen, die sich an den bisherigen, eher linearen Frachtszenarien satt gesehen haben.
Wetter, Sicherheit und mehr Lebendigkeit im Führerstand
Auch abseits der reinen Streckenauswahl hat sich einiges getan. Mit Live Weather hält nun ortsbezogenes Echtzeitwetter Einzug, sodass sich Regen, Nebel oder Sonnenschein an den tatsächlichen Bedingungen der jeweiligen Region orientieren. Wer zusätzlichen Realismus sucht, kann sich außerdem dafür entscheiden, Zugsicherungssysteme wie AWS oder PZB von Beginn an aktiviert vorzufinden, was besonders beim spontanen Übernehmen fremder Züge für mehr Authentizität sorgt, ohne dass entspanntere Spielweisen darunter leiden müssen, da sich diese Systeme weiterhin manuell abschalten lassen. Ein kleines, aber atmosphärisch wirksames Detail: Auf Zügen mit Schaffnerpersonal übernehmen diese nun eigenständig das Öffnen und Schließen der Türen, was dem Zusammenspiel zwischen Lokführer und Zugbegleitung mehr Tiefe verleiht.
Technische Verbesserungen mit Einschränkungen für Konsolen
Auf technischer Seite wurde Train Sim World 7 auf DirectX 12 umgestellt und um eine neue „Epic“-Grafikstufe oberhalb von Ultra ergänzt, die weitere Sichtweiten und verbesserte Schattenqualität mit sich bringt. Ergänzt wird dies durch Unterstützung für DLSS 4.5 samt DLAA sowie FSR 4 für Upscaling und Frame Generation. Wichtig für PS5-Spielerinnen und -Spieler: Diese Erweiterungen zählen laut Angaben des Entwicklers zu den PC-exklusiven Verbesserungen, während die Konsolenfassung weiterhin von einer stabilen Optik profitiert, ohne jedoch auf dieselben High-End-Optionen zurückgreifen zu können. Die PS5-Version unterstützt dafür die Vibrationsfunktion des DualSense-Controllers und bleibt vollständig offline spielbar.
Spielmodi für jeden Geschmack
Für Abwechslung im Spielablauf sorgen mehrere überarbeitete beziehungsweise neue Modi. Im Free-Roam-Modus lässt sich jede Strecke frei und ohne festen Fahrplan befahren, entweder ganz allein oder eingebettet in den regulären Zugverkehr. Der Conductor-Modus wiederum verlagert den Fokus vom Führerstand auf den Zugbegleiter: Fahrkarten kontrollieren, Türen bedienen und den Betrieb an jeder Station sicher abwickeln, garniert mit ruhigeren Momenten auf längeren Streckenabschnitten. Wer selbst gestalten möchte, findet im Creators Club samt Livery- und Formation-Designer die Werkzeuge, um eigene Lackierungen und Zugkompositionen zu erstellen und über Dovetail Live mit der Community zu teilen. Neue, vereinfachte Steuerungsoptionen sollen zudem den Einstieg für Personen erleichtern, die bislang vor der Komplexität der Reihe zurückgeschreckt sind.
Editionen und Umfang
Wer unverbindlich hineinschnuppern möchte, kann dies über die kostenlose Starter Edition mit angeschlossenem Trainingscenter tun. Die Standard Edition umfasst elf Züge über die drei neuen Strecken, während die Deluxe Edition um drei zusätzliche Lokomotiven ergänzt wird, darunter der bereits erwähnte ICE 4, eine britische Class 333 sowie eine US-amerikanische Tri-Rail-Lok, was die Zugsammlung auf vierzehn Fahrzeuge erweitert. Die Ultimate Edition geht noch einen Schritt weiter und bündelt zusätzlich Inhalte aus der Deluxe Edition von Train Sim World 6, darunter etwa die Riviera Line samt GWR Class 802, die Morristown Line mit NJ-Transit-Zügen sowie die Strecke Leipzig–Dresden mit dem ICE-T, sodass sich der Gesamtumfang auf rund dreißig Züge über sechs Strecken beläuft. Wie üblich bei der Reihe gilt für kompatible Altinhalte, dass diese nicht zwangsläufig alle neueren Kernfunktionen unterstützen.
Fazit
Train Sim World 7 ist kein Titel, der die Zugsimulation neu erfindet, sondern eine spürbar durchdachte Weiterentwicklung, die mit neuen Strecken, einem lebendigeren Wettersystem und flexibleren Frachtoptionen genau dort ansetzt, wo es die Reihe am meisten voranbringt. Für Neueinsteiger sorgen die vereinfachte Steuerung und die kostenlose Starter Edition für einen niedrigschwelligen Zugang, während erfahrene Lokführerinnen und Lokführer mit dem Freight-Hauler-Modus, den überarbeiteten Sicherheitssystemen und der weiterhin wachsenden Streckenauswahl gut bedient werden. Auf der PS5 fehlt zwar der technische Glanz der PC-exklusiven Grafikoptionen, das Kernerlebnis bleibt davon jedoch unberührt.