Prophecy of the Devil – Blu-ray-Review (Plaion Pictures)


Manche Filme brauchen ihre Zeit, bis sie den Weg über den Atlantik finden – "Prophecy of the Devil" ist ein gutes Beispiel dafür. Bereits im November 2025 lief der im Original schlicht "The Carpenter's Son" betitelte Film in den USA und Großbritannien an, ehe er nun, fast ein Jahr später, dank Plaion Pictures auch hierzulande auf Blu-ray und DVD erscheint. Wer angesichts des deutschen Verleihtitels bereits ein reißerisches Splatter-Spektakel erwartet, sollte seine Erwartungen jedoch justieren: Regisseur Lotfy Nathan, der zuvor mit dem tunesischen Drama "Harka" auf sich aufmerksam machte, liefert keinen plakativen Bibel-Schocker, sondern einen bedächtig erzählten, episodisch aufgebauten Genre-Mix aus Vater-Sohn-Psychogramm, Coming-of-Age-Drama und supernaturalem Horror.


Die Geschichte hinter der Prophezeiung


Die Handlung setzt gut fünfzehn Jahre nach der biblisch überlieferten Flucht nach Ägypten ein. Josef, hier von Nicolas Cage verkörpert, hat sich mit seiner Frau Maria (FKA Twigs) und dem gemeinsamen Sohn in einem abgelegenen Dorf im römisch besetzten Ägypten niedergelassen, weit weg von den Häschern des Herodes, die einst allen männlichen Neugeborenen nach dem Leben trachteten. Der Junge, im Film bezeichnenderweise nie beim Namen Jesus genannt, wächst als Außenseiter auf, dessen aufkeimende übernatürliche Fähigkeiten die ohnehin fragile Autorität seines Ziehvaters zunehmend untergraben. Mit jeder Auflehnung gegen die strengen Regeln des frommen Zimmermanns treten neue, kaum kontrollierbare Kräfte zutage, während sich gleichzeitig eine geheimnisvolle, möglicherweise dämonische Gestalt an den Jungen heranmacht.


Nathan bedient sich dabei nicht des kanonischen Neuen Testaments, sondern greift auf das apokryphe Kindheitsevangelium nach Thomas zurück, einen Text aus dem zweiten Jahrhundert, der von einem deutlich weniger sanftmütigen Wunderkind erzählt, als es die etablierte Ikonografie vermuten lässt. Dass der in Ägypten geborene und koptisch-christlich sozialisierte Regisseur ausgerechnet aus dieser Quelle schöpft, verleiht dem Projekt eine persönliche Note, die im fertigen Film freilich nicht immer spürbar wird. Statt sich konsequent in die theologischen und psychologischen Untiefen dieser Vater-Sohn-Beziehung zu begeben, verliert sich "Prophecy of the Devil" streckenweise in einer episodenhaften Aneinanderreihung einzelner Vorfälle, zwischen denen die eigentliche Spannung immer wieder verpufft.


Cage, Twigs und ein teuflisches Mädchen


Nicolas Cage hat sich in den vergangenen Jahren mit exzentrischen Genre-Auftritten in Filmen wie "Mandy", "Longlegs" oder "Pig" ein Stammpublikum erarbeitet, das bei ihm mittlerweile fast reflexhaft schrullige Ausbrüche erwartet. Als Josef liefert er tatsächlich eine seiner lauteren Performances ab, in der sich väterliche Verzweiflung, religiöser Eifer und aufkeimende Paranoia zu einer Figur verdichten, die zwischen tragischer Autorität und unfreiwilliger Lächerlichkeit oszilliert. Ob dies der Rolle nun zugutekommt oder sie im Gegenteil untergräbt, ist eine Frage der Perspektive – Kritikerstimmen etwa attestierten Cage hier eine Fehlbesetzung, die den Film mehr schwäche als trage.


An seiner Seite spielt die Musikerin FKA Twigs, die zuletzt im "The Crow"-Reboot vor der Kamera stand, eine zurückhaltendere Maria, deren eigene Vergangenheit und deren angespanntes Verhältnis zu Josef nur angedeutet bleibt. Noah Jupe, dem Publikum aus "A Quiet Place" und "Ford v Ferrari" bekannt, gibt dem namenlosen Jungen eine spröde, in sich gekehrte Wucht, die zwischen kindlicher Verletzlichkeit und unheimlicher Machtfülle changiert. Das eigentliche darstellerische Kernstück des Films liefert jedoch Isla Johnston, bekannt aus der Serie "Das Damengambit", als geheimnisvolle Gestalt, die sich im Verlauf der Handlung als Teufel in kindlicher Gestalt offenbart. Ihre einschüchternde, unberechenbare Präsenz gehört zu den wenigen Elementen, die auch Kritiker, die dem Film insgesamt reserviert gegenüberstanden, unumwunden lobten.


Bildsprache zwischen Folk-Horror und Bibel-Ikonografie


Kameramann Simon Beaufils fängt die staubige, lichtdurchflutete Weite Ägyptens in Bildern ein, die immer wieder zwischen dokumentarischer Kargheit und ikonografisch aufgeladener Symbolik wechseln. Die Musik von Lorenz Dangel unterstreicht diese Ambivalenz mit einem Score, der sakrale Anklänge mit unheilvollem Drone-Sounddesign verwebt. Optisch bewegt sich der Film damit näher an zeitgenössischem Folk-Horror à la "The Witch" als an klassischem Bibelkino, was ihm durchaus eine eigene visuelle Handschrift verleiht. Dass die internationale Kritik, etwa im britischen "Guardian", dem Film dennoch vorwarf, trotz seiner kontroversen Prämisse erstaunlich zäh und uninspiriert zu wirken, zeigt allerdings, dass eindrucksvolle Einzelbilder allein noch keinen packenden Spannungsbogen ergeben. Produziert wurde der Film im Übrigen von jenem Team, das zuvor für das politische Thriller-Drama "How to Blow Up a Pipeline" verantwortlich zeichnete, was die grundsätzliche Neigung zu kompromisslosem, kontroversem Genrekino erklärt, ohne dass sich dieser Mut immer in erzählerische Konsequenz übersetzt.


Bild und Ton der Plaion-Veröffentlichung


Die deutsche Blu-ray präsentiert den Film im ursprünglichen Bildformat von 2,39:1 in nativer 1080p-Auflösung. Die karge, oft in warmes Wüstenlicht getauchte Bildgestaltung profitiert von einer sauberen, kontraststarken Abtastung, die weder in den hellen Sandflächen ausfrisst noch in den nachtdunklen Ritualszenen Details verschluckt. Tontechnisch bietet die Scheibe sowohl die deutsche Synchronfassung als auch den englischen Originalton jeweils in DTS-HD Master Audio 5.1, womit vor allem der atmosphärisch dichte Score von Lorenz Dangel angemessen zur Geltung kommt. Deutsche Untertitel liegen der Veröffentlichung ebenfalls bei, was insbesondere Fans der englischen Originalfassung entgegenkommt.


Fazit


"Prophecy of the Devil" ist ein Film, der mehr sein möchte, als er letztlich einlöst: Die Idee, die Kindheit Jesu über die Brille apokrypher Texte als düsteres Vater-Sohn-Drama mit Horror-Einschlag zu erzählen, ist mutig und hätte das Zeug zu echtem Diskursstoff gehabt. Dass Lotfy Nathan diesem Ansatz letztlich nicht konsequent genug folgt und sich stattdessen in Episodenhaftigkeit verliert, während Nicolas Cage seine Figur bisweilen zu laut auftürmt, schmälert das Ergebnis spürbar. Isla Johnstons unheimliche Interpretation des kindlichen Teufels bleibt der eindrucksvollste Trumpf eines Films, der sein Potenzial nur in Ansätzen ausschöpft. Die deutsche Plaion-Veröffentlichung liefert dazu eine technisch überzeugende, bonusmaterialtechnisch aber spärlich ausgestattete Basisversion.