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Sternstunde der Mörder – Ein Serienmörder in den letzten Tagen der deutschen Besatzung Prags


Mit „Sternstunde der Mörder" bringt One Gate Media eine deutsch-österreichische Mehrteiler-Produktion auf Blu-ray, die sich einer literarischen Vorlage von beachtlichem Gewicht widmet: dem gleichnamigen, 1995 veröffentlichten Roman des tschechischen Dramatikers und Bürgerrechtlers Pavel Kohout. Kohout, der als einer der Wortführer des Prager Frühlings von 1968 zu den international bekanntesten Schriftstellern seines Landes zählt, erlebte die Schrecken der letzten Kriegsmonate in Prag selbst als Jugendlicher mit – ein biografischer Hintergrund, der der Geschichte spürbare Authentizität verleiht. Regie führte Christopher Schier nach einem Drehbuch von Klaus Burck und Florian Plumeyer, produziert wurde die Serie von Zeitgeist Filmproduktion in internationaler Koproduktion mit EPO-Film, ARD Degeto, NDR, ServusTV, HR und CANAL+.


Ein Mordfall im Schatten des Zusammenbruchs


Die Handlung setzt im März 1945 ein, während die von der Wehrmacht besetzte Stadt Prag dem Kriegsende entgegentaumelt und die Alliierten unaufhaltsam näher rücken. Nach dem Mord an einer deutschen Generalswitwe übernehmen der tschechische Hauptkommissar Beran und sein junger Assistent Jan Morava die Ermittlungen – begleitet und kontrolliert vom deutschen Kriminaloberrat Erwin Buback, dessen wahre Motive von Beginn an im Dunkeln liegen. Geht es ihm tatsächlich um die Aufklärung des Falls, oder dient seine Präsenz vor allem der Überwachung der Prager Polizei und der Suche nach Verbindungen zum tschechischen Widerstand? Während weitere Morde nach demselben grausamen Muster geschehen, verdichtet sich die Spannung zwischen den Ermittlungspartnern – bis der Prager Aufstand im Mai 1945 ausbricht und den Fokus der Geschichte grundlegend verschiebt: Nicht mehr die Jagd nach einem einzelnen Täter steht im Zentrum, sondern die viel größeren Fragen nach Schuld und Sühne, nach Täter- und Opferrollen in einer Zeit, in der organisiertes Massentöten das Leben des Einzelnen entwertet.


Zwischen Feindschaft und Vertrauen


Der eigentliche dramaturgische Kern der Serie liegt im Verhältnis zwischen Morava und Buback: Zwei Männer, die auf gegnerischen Seiten eines untergehenden Systems stehen und dennoch im Verlauf der Ermittlungen zueinander Vertrauen fassen müssen, während um sie herum die letzten Tage der NS-Herrschaft anbrechen. Bemerkenswert ist dabei, wie konsequent die Erzählung ein einfaches Gut-Böse-Schema vermeidet: Zwar lässt die Serie keinen Zweifel an ihrer grundsätzlich antifaschistischen Haltung, erzählt aber ebenso unbeschönigt von gewaltsamer Rache, die Tschechinnen und Tschechen im Zuge des Aufstands an wehrlosen Deutschen verüben. Der eigentliche Antagonist der Geschichte ist ohnehin weniger der Serienmörder selbst als vielmehr Standartenführer Meckerle, gespielt von Devid Striesow, dessen Interesse an der Aufklärung der Frauenmorde deutlich hinter seinem Bestreben zurücktritt, Verbindungen der tschechischen Polizei zum geplanten Aufstand aufzudecken.


Ein hochkarätiges Ensemble


Die Besetzung von „Sternstunde der Mörder" liest sich wie ein Who's who des deutschsprachigen Charakterfachs. Nicholas Ofczarek, dem deutschen Publikum unter anderem aus „Der Pass" bekannt, verkörpert Erwin Buback als desillusionierten Gestapo-Aufpasser, dessen innere Zerrissenheit sich erst allmählich offenbart. Jonas Nay, der durch die „Deutschland 83/86/89"-Trilogie sowie „Homevideo" internationale Anerkennung fand, stellte sich für die Rolle des Jan Morava einer doppelten sprachlichen Herausforderung, indem er nicht nur Deutsch mit tschechischem Akzent, sondern auch fließendes Tschechisch erlernte. An ihrer Seite überzeugen Jeanette Hain, bekannt aus „Babylon Berlin" und „Davos 1917", sowie der tschechische Schauspieler Karel Dobrý, dessen internationale Filmografie unter anderem „The Crow" und „Borgia" umfasst, und Cornelius Obonya, ebenfalls aus „Davos 1917" und „Maria Theresia" bekannt.


Fazit


„Sternstunde der Mörder" gelingt der seltene Balanceakt, gleichzeitig packender Kriminalfall, dichtes Zeitporträt und bewegendes Melodram zu sein, ohne dabei in plumpe Schwarz-Weiß-Malerei oder gefällige Vereinfachung abzugleiten. Die Verknüpfung eines klassischen Serienmörder-Plots mit den historischen Ereignissen rund um den Prager Aufstand verleiht der Geschichte eine erzählerische Tiefe, die weit über gewöhnliche Krimikost hinausreicht, und gerade in Zeiten wachsenden Rechtsrucks und autoritärer Tendenzen gewinnt die zugrunde liegende Frage nach individueller moralischer Haltung inmitten entfesselter gesellschaftlicher Gewalt spürbar an Aktualität. Mit seinem hochkarätigen, international besetzten Ensemble und einer Inszenierung, die konsequent auf vielschichtige Charaktere statt auf einfache Heldenerzählungen setzt, gehört dieser Mehrteiler zu den bemerkenswertesten Literaturverfilmungen der jüngeren Zeit.