Nextgengamersnet
Games, Movies and more
 
 
 


SCREAM 7
Ein letzter Schrei für Sidney Prescott


Es war eine der turbulentesten Produktionsgeschichten des modernen Horrorfilms. Nachdem die Neustart-Dilogie mit Melissa Barrera und Jenna Ortega im Chaos versank — Barrera wurde gefeuert, Ortega trat zurück, Regisseur Christopher Landon verließ das Projekt nach Online-Bedrohungen —, übernahm Franchise-Schöpfer Kevin Williamson höchstpersönlich das Steuer. Und er brachte zurück, was die Reihe seit dem sechsten Teil schmerzhaft vermisst hatte: Neve Campbell als Sidney Prescott. Dass Scream 7 unter diesen Vorzeichen überhaupt zustande kam, grenzt an ein kleines Wunder. Dass er funktioniert — wenn auch nicht makellos — ist das eigentliche.


Sidney Prescott lebt nun unter dem Nachnamen Evans in Pine Grove, Indiana. Sie führt ein ruhiges Leben, ist verheiratet mit Mark (Joel McHale) und Mutter einer Teenagerin namens Tatum (Isabel May) — benannt nach ihrer einst von Ghostface ermordeten Freundin Tatum Riley, was bereits im ersten Dialog eine bittere, selbstreflexive Note setzt. Als ein neuer Ghostface auftaucht und es diesmal nicht auf Sidney, sondern auf ihre Tochter abgesehen hat, muss die erschöpfte Final Girl-Mutter ein letztes Mal in den Kampfmodus schalten. Das ist die emotionale Prämisse des Films, und sie trägt weiter als man erwarten würde.


Kevin Williamson, der zuletzt 1999 mit Teaching Mrs. Tingle Regie führte, beweist hinter der Kamera erstaunliche Handwerklichkeit in den Spannungssequenzen. Eine frühe Szene, in der Sidney und Tatum sich durch einen Kriechgang zwischen den Wänden ihres Hauses bewegen, während Ghostface von der anderen Seite mit dem Messer hineinsticht, gehört zu den effektivsten des gesamten Franchises. Auch ein schauriger Eröffnungsauftakt — ein Pärchen bezieht das ehemalige Elternhaus von Stu Macher als Airbnb-Feriendomizil — beschwört souverän den selbstironischen Geist des Originals herauf. Der Film weiß, dass seine Stärken in der Inszenierung von Verfolgungsjagden und Messerkämpfen liegen, und er nutzt dieses Wissen gezielt.


Neve Campbell trägt den Film mit der Autorität einer Darstellerin, die diese Figur über drei Jahrzehnte gelebt hat. Sidney Evans ist müde, gebrochen und zugleich unzerstörbar — eine Mischung, die Campbell ohne einen einzigen falschen Ton ausbalanciert. Isabel May als ihre Tochter Tatum hält das Tempo mit: Sie ist kein bloßes Opfer-in-Wartestellung, sondern eine eigenständige Figur mit eigener Dynamik und einem natürlichen Charisma, das sie als potenzielle Trägerin künftiger Teile empfiehlt. Das Mutter-Tochter-Gespann funktioniert dramaturgisch überzeugend, und die emotionale Bindung zwischen beiden gibt dem Thriller ein Herzstück, das den vorangegangenen Teilen fehlte.
Der eigentliche Fanservice-Coup des Films ist die Rückkehr von Matthew Lillard als Stu Macher — dreißig Jahre nach dem Original. Wie genau ein 1996 tot geglaubter Charakter wieder auftaucht, ist Teil des Mysteriums, das der Film geschickt aufbaut und das in der Community für Diskussionen gesorgt hat. Lillard spielt diese Wiederkehr mit einer Mischung aus Vertrautheit und Unheimlichkeit, die funktioniert, auch wenn das Drehbuch von Guy Busick und Williamson im dritten Akt nicht vollständig einlöst, was es verspricht.

 Auch David Arquette kehrt als Dewey Riley zurück — die Mechanik seiner Wiederkehr sei hier nicht verraten — und Scott Foley erscheint erneut als Roman Bridger. Die Nostalgie-Karte wird in dieser Fülle reichlich strapaziert, und tatsächlich lässt das Drehbuch die Metaebene, die die Scream-Reihe einst auszeichnete, diesmal weitgehend vermissen. Williamson und Busick kommentieren zwar am Rande den Legacy-Sequel-Trend, aber die scharfe Medienkritik des Originals, die messerscharfen Genre-Debatten — sie fehlen. Courteney Cox als Gale Weathers ist gut wie immer, kommt aber in ihrer Screentime nicht über solide Unterstützung hinaus, auch wenn ihr Auftritt Moment für Moment sitzt.


Die Kameraarbeit von Ramsey Nickell und das gewohnt verlässliche Score-Handwerk Marco Betrambis unterstreichen die Atmosphäre eines Films, der weiß, wann er schweigen und wann er eskalieren muss. Die Gewaltdarstellung ist für Franchise-Verhältnisse bemerkenswert brutal — eine Barszene provozierte Berichten zufolge spontane Reaktionen im Kinosaal —, ohne in pures Torture-Porn abzugleiten.


Nun erscheint der Film als 4K-UHD-Blu-ray bei Paramount Pictures im Vertrieb von Leonine und liefert dem physischen Medium ein schönes Argument für seine Relevanz. Das native 4K-Bild profitiert von sorgfältigem HDR-Grading: Die Schattenpartien in den Verfolgungsszenen halten ihr Detail, die Farbgebung der Suburbia-Kulisse wirkt präzise und plastisch, und das Rauschen in den Nachtstücken bleibt filmisch ohne zu stören. Der Ton — in Dolby Atmos — macht aus Ghostfaces Atemmaske und dem klassischen Streichermotiv ein räumliches Erlebnis, das man auf einer guten Heimkinoanlage durchaus körperlich wahrnimmt.


Das Bonusmaterial ist für Fans dieser Produktionsgeschichte Pflichtprogramm. Das Making-Of Narbengewebe beleuchtet die außergewöhnlichen Umstände, unter denen der Film entstanden ist, und gibt Campbell sowie Williamson Raum für ehrliche Reflexion. Spannungsaufbau widmet sich dem Szenenbild und zeigt, wie bewusst Raumgestaltung und Hausarchitektur als dramaturgische Werkzeuge eingesetzt wurden. Tanz des Todes dokumentiert die Stunt-Choreographie und macht klar, dass der körperliche Aufwand hinter den Actionszenen beträchtlich war. Als musikalisches Bonbon gibt es das Musikvideo Ice Nine Kills präsentiert "Twisting The Knife" featuring Mckenna Grace — eine schöne Synthese aus Metal-Ästhetik und Franchise-Flair. Abgerundet wird das Paket durch entfallene Szenen, die für Genre-Aficionados aufschlussreich sind.


Scream 7 ist kein großer Film und auch nicht der letzte, große Schrei, den ein Teil der Fangemeinde erhofft hatte. Er ist ein solider, stellenweise sehr gut inszenierter Slasher, der seine emotionale Kraft aus der Rückkehr Neve Campbells zieht und in der Mutter-Tochter-Dynamik eine ehrliche, menschliche Geschichte erzählt. Dass er nach allem, was bei seiner Entstehung schiefgehen konnte, am Ende ein sehenswertes Stück Genrekino geworden ist, ist vielleicht das beste Urteil, das man über ihn fällen kann. Die 4K-Veröffentlichung von Paramount im Leonine-Vertrieb präsentiert ihn technisch tadellos und mit einem Bonuspaket, das die turbulente Geschichte hinter dem Film würdig dokumentiert.