Nextgengamersnet
Games, Movies and more


Im Jahr 1978 produzierten der Brite Euan Lloyd und der Schweizer Erwin C. Dietrich den auf den gleichnamigen Roman von Daniel Carney basierenden Film „Die Wildgänse kommen“. Das Budget war mit 24 Millionen DM für damalige Zeiten riesig. Im Vergleich dazu kostete die Produktion von „Krieg der Sterne“ ein Jahr zuvor 11 Millionen Dollar. Als Regisseur holte man den eigentlich auf Western spezialisierten Andrew V. McLaglen. Die Geschichte um eine Söldnertruppe, die einen afrikanischen Präsidenten aus der Hand seines Feindes befreien soll, basierte auf Gerüchten um einen realen Fall. Demnach soll 1968 ein Flugzeug in Rhodesien gelandet sein. An Bord verwundete Söldner und ein Präsident, der bereits im Sterben lag.


Für den Cast standen Richard Burton und Roger Moore als zwei der Hauptdarsteller schnell fest. Die Söldnertruppe sollte zum größten Teil aus Veteranen bestehen, die schon Einsätze mit Faulkner (Burtons Rolle) hatten, also mussten auch die Darsteller ein entsprechendes Alter haben. Der Ausbilder sollte eigentlich von Stephen Boys gespielt werden, der starb jedoch kurz vor Drehstart und wurde durch Jac Watson ersetzt, der schon mit McLaglen gearbeitet hatte. Der Bankier Matherson sollte von Joseph Cotten gespielt werden, da gab es jedoch Terminprobleme und so ging die Rolle an Stewart Granger.

Burt Lancaster war für die Rolle des Planungschefs Rafer Janders eingeplant. Der wollte jedoch Änderungen an der Rolle und außerdem mehr Screentime und so verzichtete man auf ihn. Richard Harris, der den Part schließlich spielte, konnte nur unter speziellen Voraussetzungen engagiert werden, da seine Alkoholexzesse auch der Versicherung bekannt waren. Den Südafrikaner Peter Coetzee sollte zunächst Curd Jürgens spielen, befand aber, dass Hardy Krüger besser in die Rolle passte. Der wiederum war beeindruckt von seinen Szenen mit Limbani, dem Präsidenten.

Der Sanitäter Witty wird von Kenneth Griffith, der ein langjähriger Freund von Lloyd war, gespielt. Den Söldner Keith spielt Percy Herbert, ein Weltkriegsveteran. Die Söhne von Alan Ladd und Stanley Baker sind in Nebenrollen zu sehen. David Ladd spielt den Sohn eines Mafiosi, der mit Drogen handelt und Glyn Baker den Söldner Esposito. Auch die Tochter von Ingmar Bergman, Anna, hat eine kleine Rolle.

Der Söldner Tosh Donaldson wird von Ian Yule gespielt, der vor seiner Schauspielkarriere als Söldner in den 60er und 70er Jahren an Einsätzen in Afrika teilgenommen hatte. Als technischen Berater und um den Film möglichst realistisch zu gestalten, brachte Yule seinen früheren Kommandanten „Mad“ Mike Hoare mit, der im vergangenen März seinen 100. Geburtstag feierte.

John Kani spielt den Söldner Jesse Blake und diente als Vorlage für die Spielzeugfigur „Tom Stone“ aus der Reihe Action Team. Kani ist Südafrikaner und engagierte sich schon früh gegen die Apartheit, wie auch sein Freund Winston Ntshona, der Präsident Limbani spielt. Beide hatten die Rollen zunächst abgelehnt, als die hörten, dass es um Söldner geht, änderten ihre Meinungen aber nachdem sie das Drehbuch gelesen hatten.

Die Dreharbeiten fanden in Südafrika statt und dauerten rund drei Monate. Das Team setzte sich gegen die Arpatheitsregeln durch und so wohnte und arbeitete die komplette Crew gemeinsam, wie es in nahezu jedem anderen Land üblich ist.

Es gab Planungen von Anti-Apartheits-Bewegungen, die Filmaufführungen zu sabotieren, da in Südafrika gedreht wurde. Lloyd ließ den Film daraufhin in Townships in Soweto zeigen, wo er begeistert aufgenommen wurde. Das ließ die Proteste weitestgehend verstummen.

In Europa wurde der Film ein riesiger Erfolg und wurde mehrere Male wiederaufgeführt. In Deutschland erlangte der Film schnell Kultstatus. Die Super8-Verson des Films, auf etwa 70 Minuten gekürzt, gehörte zu den meist verkauften Filmen dieses Mediums, obwohl man für die vier Filmrollen rund 600.- Mark auf den Tisch legen musste. Beliebt war auch der Trailer, der allein schon 20.- Mark kostete. Und auch auf Video wurde „Die Wildgänse kommen“ ein großer Erfolg und wurde ein Hit in den Videotheken.

Ein reicher Banker will seine Kupferminen in Afrika zurückgewinnen, die ihm bei einem Staatsstreich verloren gingen. Er engagiert 50 der besten Söldner, um die alten Verhältnisse im Lande wiederherzustellen und den gestürzten Staatschef zu befreien. Die Chancen des Überlebens stehen hundert zu eins. Die Truppe hat genau drei Stunden Zeit, doch dann spielt der noble Auftraggeber falsch ...

Ende der 70er Jahre habe ich „Die Wildgänse kommen“ zum ersten Mal im Kino gesehen und war so begeistert, dass ich einen Tag später gleich wieder reingegangen bin. In der Schule traf man damals kaum jemanden, der den Streifen noch nicht gesehen hatte. Im Kino habe ich den Film etwa noch zehn weitere Male gesehen. Auf Video, DVD und Blu-ray mittlerweile ungelogen etwa 250 mal. Ich kann jede Dialogzeile mitsprechen, zu Hause liegen wohlbehütet Filmplakat, Fotosatz, Filmprogramm und natürlich der Film auf diversen Medien. Eigentlich fehlt nur noch die Bildplatte, der Vorgänger der Laserdisc. Und auch heute noch sehe ich mir diesen Film immer wieder mal an und bin jedes Mal aufs neue begeistert, von der spannenden Story ebenso, wie von den Figuren und deren großartigen Darstellern, von denen heute leider kaum noch jemand lebt. Die Blu-ray von Pidax zeigt den remasterten Film in sehr guter Bild- und Tonqualität. Neben bekanntem Bonusmaterial wie den Dokus „Der Flug der Wildgänse“, „Privatkrieg der Hollywood-Stars“ und „The Last of the Gentleman Priducers“, dem Trailer und einer Bildergalerie punkten die Disc mit einem Audiokommentar von Roger Moore, 2nd Unit Regisseur John Glen und Produzent Euan Lloyd. Großartig.

Blu-ray / Pidax Film / 129 min / FSK 16