Sharkoon PureWriter W100 im Test: Die Rückkehr eines Klassikers auf leisen Sohlen
Manche Tastaturen schaffen es, sich über Jahre hinweg in den Schreibtischen ihrer Nutzer festzusetzen, obwohl sie nie zu den lautesten Namen im Gaming-Marketing gehörten. Die ursprüngliche PureWriter von Sharkoon war genau so ein Gerät: flach, mechanisch, bezahlbar und dabei überraschend kompetent. Mit der W100 versucht Sharkoon nun, dieses Erfolgsrezept ins Jahr 2026 zu übertragen, ohne den ursprünglichen Charakter zu verwässern. Herausgekommen ist eine kabellose Flachtastatur im vollen Layout, die mit leisen Switches, langer Akkulaufzeit und einem für die Preisklasse ungewöhnlichen Lautstärkeregler aufwartet. Ob sie damit tatsächlich an den guten Ruf ihres Vorgängers anknüpfen kann, soll dieser Test klären.
Design und Verarbeitung
Schon auf den ersten Blick verrät die W100, wofür sie gedacht ist. Statt auf aggressive Gaming-Optik mit schroffen Kanten und auffälligen Formsprachen zu setzen, präsentiert sich die Tastatur zurückhaltend und aufgeräumt. Das Gehäuse misst rund 430 Millimeter in der Breite, 122 Millimeter in der Tiefe und bringt es auf eine Bauhöhe von gerade einmal 27 Millimetern. Ohne angeschlossenes Kabel wiegt sie 616 Gramm, was für ein Gerät dieser Größenordnung durchaus beachtlich ist. Verantwortlich dafür zeichnet eine Aluminium-Oberseite, die dem Chassis nicht nur mehr Gewicht, sondern auch spürbare Verwindungssteifigkeit verleiht. Gerade bei flachen Tastaturen, die konstruktionsbedingt wenig Materialstärke zur Verfügung haben, ist das keine Selbstverständlichkeit und sorgt im Alltag für ein hochwertigeres Handgefühl, als es der Preis von rund 60 Euro vermuten lässt.
Die Tastenkappen selbst bestehen aus lasergravierten ABS-Kunststoff und sitzen auf Kreuzaufnahmen, was gegenüber dem Vorgängermodell ein sinnvoller Fortschritt ist. Wer die Kappen austauschen möchte, etwa gegen ein anderes Low-Profile-Set, ist damit nicht mehr auf die seltenen und meist teureren Sharkoon-eigenen Ersatzteile angewiesen, sondern kann auf den mittlerweile breiter verfügbaren Markt an kompatiblen Kappen zugreifen. Ein kleines, aber praxisrelevantes Detail für alle, die ihre Peripherie gerne individualisieren oder nach Jahren intensiver Nutzung einzelne verschlissene Tasten ersetzen wollen, ein Umstand, der bei der Originaltastatur nach einer Dekade offenbar durchaus vorkommen kann.
Tippgefühl und Switches
Das Herzstück jeder mechanischen Tastatur sind ihre Switches, und hier geht die W100 einen konsequenten Weg. Anders als die kompaktere Schwester W65, die mit linearen oder taktilen Kailh-Switches angeboten wird, setzt Sharkoon bei der W100 ausschließlich auf gedämpfte Low-Profile-Switches von Huano in der linearen Silent-Variante. Diese Festlegung auf eine einzige Schalterart mag im ersten Moment nach weniger Auswahl klingen, ergibt aber angesichts der Zielgruppe durchaus Sinn: Wer eine leise Flachtastatur für Büro, Homeoffice oder nächtliches Schreiben sucht, bekommt mit den Huano-Tastern eine solide, wenn auch nicht überragende Lösung.
Der Hub fällt durch die flache Bauweise und zusätzliche Anschlagpuffer auf 3,1 Millimeter aus, das Auslösesignal kommt bereits nach etwa der Hälfte dieses Weges. In der Praxis bedeutet das kurze Wege und ein zügiges Ansprechverhalten, das sich besonders beim schnellen Tippen bemerkbar macht. Die integrierten Dämpferelemente in den Switches sorgen dafür, dass sich die Anschläge spürbar weicher anfühlen und dabei akustisch deutlich zurückhaltender bleiben als bei klassischen mechanischen Tastern. Wer das satte, klare Feedback hochwertiger mechanischer Switches gewohnt ist, wird bei der W100 einen gewissen Verlust an Präzision und Härte hinnehmen müssen, ein Kompromiss, der jedoch bewusst zugunsten von Laufruhe eingegangen wird und in dieser Preisklasse angemessen erscheint. Im direkten Praxisvergleich agiert die Tastatur dabei sogar zurückhaltender als deutlich teurere Konkurrenzprodukte wie die Keychron K3 Max, deren Anschlagsgeräusch heller und präsenter ausfällt.
Wer von tieferen Tastenkappen anderer Tastaturen kommt, sollte sich allerdings auf eine gewisse Eingewöhnungszeit einstellen. Die sehr flache Bauform der Kappen führt bei manchen Nutzern anfangs zu einer höheren Vertipprate, bis sich Finger und Muskelgedächtnis an die veränderte Geometrie gewöhnt haben.
Layout, Bedienelemente und Alltagstauglichkeit
Die W100 tritt im klassischen Vollformat mit vollständigem Nummernblock an und unterscheidet sich damit deutlich vom kompakteren 65-Prozent-Format der W65. Für alle, die regelmäßig mit Zahlen arbeiten oder schlicht nicht auf den Ziffernblock verzichten möchten, ist das ein klarer Pluspunkt gegenüber der kleineren Schwester. Über dem Nummernblock sitzt zudem ein physischer Drehregler zur Lautstärkeregelung, ein Ausstattungsmerkmal, das man in dieser Preisklasse nur selten findet und das im Alltag angenehm direkt zu bedienen ist, ohne den Umweg über Tastenkombinationen gehen zu müssen.
Die Steuerung der übrigen Zusatzfunktionen läuft über die FN-Ebene. Dort verstecken sich Kurzbefehle für gängige Office-Aufgaben wie den Aufruf des Taschenrechners sowie die klassischen Mediensteuerungsoptionen zum Pausieren, Überspringen oder Regeln der Wiedergabe. Auch die Beleuchtungssteuerung ist hier untergebracht. Wer allerdings auf freie Programmierbarkeit einzelner Tasten oder Makros hofft, wird enttäuscht: Eine Konfigurationssoftware liefert Sharkoon nicht mit, die Tastenbelegung ist fest vorgegeben und lässt sich nicht anpassen. Für reine Büroarbeit oder entspanntes Gaming mag das verschmerzbar sein, wer jedoch auf Remapping angewiesen ist, muss auf kompaktere Alternativen mit entsprechender Software ausweichen.
Beleuchtung und Individualisierung
Die RGB-Beleuchtung der W100 lässt sich in mehreren Effekten anpassen, von einfachem Farbwechsel bis zu fließenden Effektverläufen, jeweils regelbar in Frequenz und Intensität. Bis zu vier eigene LED-Profile lassen sich anlegen und im 32 Kilobyte großen Onboard-Speicher der Tastatur ablegen, sodass die gewählte Einstellung auch nach einem Geräteneustart erhalten bleibt. Die gesamte Konfiguration erfolgt dabei ausschließlich über Tastenkombinationen auf der FN-Ebene, eine zusätzliche Software ist dafür nicht nötig.
Interessant ist an dieser Stelle, dass ausgerechnet die Beleuchtung im professionellen Testurteil von ComputerBase als der Punkt genannt wird, der der W100 zur vollen Empfehlung fehlt. Wer mit den LEDs und ihrer Optik keinen Frieden schließt, dem wird eine ansonsten überzeugende Tastatur durch dieses eine Detail madig gemacht, während Nutzer, die dezente oder deaktivierte Beleuchtung bevorzugen, uneingeschränkt zugreifen können.
Konnektivität und Akkulaufzeit
Bei der Datenübertragung bietet die W100 zwei Wege: klassisch per beiliegendem USB-C-auf-USB-A-Kabel mit rund 180 Zentimetern Länge, oder kabellos über einen 2,4-GHz-Funk-Dongle, den Sharkoon mit einer Reichweite von bis zu 15 Metern angibt. Praktisch gelöst ist die Verstaumöglichkeit des kleinen Empfängers, der bei Nichtgebrauch direkt im Gehäuse der Tastatur untergebracht werden kann und so nicht verloren geht. Bluetooth hingegen sucht man vergeblich, wodurch das mittlerweile bei vielen Office-Tastaturen übliche komfortable Umschalten zwischen mehreren gekoppelten Geräten entfällt. Sowohl im Kabel- als auch im Funkbetrieb liegt die Abfragerate bei bis zu 1.000 Hz, zusätzlich unterstützt die Tastatur vollständiges N-Key-Rollover, was ihr trotz des primären Büro- und Vielschreiber-Fokus auch für gelegentliches Gaming ausreichend Reaktionsschnelligkeit verleiht.
Angetrieben wird das Ganze von einem fest verbauten 2.000-mAh-Akku, für den Sharkoon eine maximale Laufzeit von bis zu 160 Stunden angibt, ein deutlicher Sprung gegenüber den lediglich 30 Stunden der W65. Der Hersteller begründet diesen Unterschied mit einem energieeffizienteren PCB und Mikrocontroller in der neuen Platine. Wichtig ist dabei die Einschränkung, dass sich dieser Bestwert ausschließlich ohne aktivierte RGB-Beleuchtung erzielen lässt, mit eingeschalteten LEDs sinkt die tatsächlich erreichbare Laufzeit spürbar. Nutzerberichte aus der Community deuten zudem darauf hin, dass die Werksangaben je nach Nutzungsintensität und individuellem Exemplar nicht immer vollständig erreicht werden, ein Aspekt, den potenzielle Käufer im Hinterkopf behalten sollten, auch wenn die grundsätzliche Richtung, deutlich längere Laufzeiten als beim Vorgänger, unbestritten bleibt.
Preis-Leistung und Einordnung im Marktumfeld
Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 59,90 Euro positioniert sich die PureWriter W100 klar unterhalb ihrer kompakteren Schwester W65, die mit knapp 90 Euro zu Buche schlägt. Für diesen Aufpreis bekommt man bei der W65 zwar mehr Auswahl bei den Switches, muss dafür aber auf Nummernblock, Funktionstastenreihe und einen Teil der F-Tasten verzichten. Die W100 wiederum punktet mit vollständigem Layout und dem erwähnten Lautstärkeregler, muss dafür mit der Festlegung auf einen einzigen Switch-Typ leben.
Im breiteren Marktvergleich tritt die W100 gegen deutlich teurere Rubberdome-Tastaturen im ähnlichen Preissegment an und liefert dabei eine mechanische, in den meisten Belangen überlegene Alternative. Gedämpfte Anschläge, präzisere Eingaben und die vergleichsweise geringe Lautstärke ergeben zusammen mit dem durchdachten Layout ein rundum überzeugendes Gesamtpaket. Wer nach Alternativen sucht, die je nach persönlichem Schwerpunkt eventuell noch besser passen, dem sei ein Blick auf die OfficePal KB70W aus demselben Haus oder auf Logitechs K950 empfohlen, beide setzen etwas andere Prioritäten und könnten je nach Anwendungsfall die passendere Wahl sein.
Fazit
Die Sharkoon PureWriter W100 tritt ein großes Erbe an und meistert diese Aufgabe größtenteils mit Bravour. Sie bietet ein durchdachtes Vollformat-Layout, spürbar gedämpfte und leise Switches, eine im Vergleich zum Vorgängermodell drastisch verlängerte Akkulaufzeit sowie mit dem Lautstärkeregler ein Detail, das in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit ist. Kleinere Abstriche gibt es bei der fehlenden Programmierbarkeit, dem Verzicht auf Bluetooth und einer gewissen Eingewöhnungszeit an die sehr flachen Tastenkappen. Am deutlichsten schlägt jedoch die Beleuchtung zu Buche, die im professionellen Testurteil als der Punkt genannt wird, der der Tastatur zur uneingeschränkten Empfehlung fehlt. Wer mit RGB-Effekten kein Problem hat, bekommt hier für rund 60 Euro eine der überzeugendsten flachen mechanischen Tastaturen ihrer Preisklasse.