28 Days Later im Test: Der Zombiefilm, der die Regeln neu schrieb, jetzt im 4K Steelbook


Über zwei Jahrzehnte nach seiner Kinopremiere erhält Danny Boyles Genre-Meilenstein 28 Days Later endlich die 4K-Ultra-HD-Premiere, die sich Fans des Films schon lange gewünscht haben. Sony Pictures Home Entertainment veröffentlicht den britischen Horrorklassiker seit dem 3. September im Vertrieb von Plaion Pictures als limitiertes Steelbook, wobei die neue 4K-Abtastung ausdrücklich von Regisseur Danny Boyle persönlich abgesegnet wurde. Für einen Film, der das Zombiegenre nachhaltig verändert und ganze Nachahmerwellen ausgelöst hat, ist das eine mehr als überfällige Würdigung.


Ein Erwachen in einer verlassenen Stadt


Die Handlung setzt ein, als der Fahrradkurier Jim aus dem Koma in einem menschenleeren Londoner Krankenhaus erwacht und völlig orientierungslos durch die verwaisten Straßen der britischen Hauptstadt irrt. Schnell wird klar, dass während seiner Bewusstlosigkeit ein hochinfektiöses Virus namens Rage ausgebrochen ist, das seine Opfer innerhalb weniger Sekunden in rasende, gewaltbereite Kreaturen verwandelt. Nachdem Jim sich einer kleinen Gruppe von Überlebenden anschließt, macht sich das Grüppchen auf den Weg nach Manchester, wo angeblich eine Militäreinheit die Lage unter Kontrolle gebracht haben soll. Was die Gruppe dort tatsächlich vorfindet, entpuppt sich jedoch als eine völlig neue Art von Bedrohung, die zeigt, dass der Mensch selbst unter Extrembedingungen oft die größere Gefahr darstellt als das Virus selbst.


Danny Boyle: Der Regisseur, der das Zombiegenre revolutionierte


Hinter der Kamera stand mit Danny Boyle ein britischer Regisseur, der bereits mit Trainspotting internationales Ansehen erlangt hatte und sich zeitlebens durch eine kompromisslose, kinetische Bildsprache auszeichnet. Für 28 Days Later traf Boyle eine seinerzeit ungewöhnliche, geradezu mutige Entscheidung: Statt auf klassisches 35-mm-Filmmaterial zu setzen, drehte er weite Teile des Films auf digitalen Consumer-Camcordern. Diese bewusst grobkörnige, rohe Bildästhetik verlieh den menschenleeren Londoner Straßenszenen eine dokumentarische Unmittelbarkeit, die bis heute zu den einprägsamsten Bildern des modernen Horrorkinos zählt. Gleichzeitig gelang es Boyle, mit den sogenannten Infizierten eine Neuerfindung des klassischen Zombie-Archetyps zu etablieren: Statt der gemächlich schlurfenden Untoten George A. Romeros ließ Boyle seine rasenden, blutrünstigen Kreaturen mit unbändiger Geschwindigkeit durch die Kulissen hetzen und prägte damit einen Subtypus, der das Genre für die folgenden zwei Jahrzehnte maßgeblich beeinflussen sollte. Für das Drehbuch zeichnete Alex Garland verantwortlich, der später mit Werken wie Ex Machina und Civil War selbst zu einem gefragten Regisseur avancierte und mit Boyle auch für die eigentliche Fortsetzung 28 Years Later erneut zusammenarbeitete.


Cillian Murphy: Vom Fahrradkurier zum Oscarpreisträger


Die Hauptrolle des Jim übernahm mit Cillian Murphy ein damals noch relativ unbekannter irischer Schauspieler, für den der Film zum eigentlichen internationalen Durchbruch wurde. Mit seiner Mischung aus fragiler Verletzlichkeit und unterschwelliger Intensität verlieh Murphy der Figur eine Glaubwürdigkeit, die den emotionalen Kern des Films trägt. Im Rückblick liest sich seine Besetzung geradezu prophetisch: Über zwei Jahrzehnte später sollte Murphy mit seiner Darstellung des Robert Oppenheimer in Christopher Nolans gleichnamigem Biopic den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen und sich zudem durch seine langjährige Hauptrolle in der Serie Peaky Blinders endgültig als einer der profiliertesten Charakterdarsteller seiner Generation etablieren. An seiner Seite agiert Naomie Harris als toughe Überlebende Selena, deren Karriere ebenfalls in schwindelerregende Höhen führen sollte, etwa als Moneypenny in mehreren James-Bond-Filmen sowie mit einer Oscar-Nominierung für Moonlight. Christopher Eccleston, der Jahre später als Neunter Doktor in Doctor Who Kultstatus erlangen sollte, verkörpert als Major Henry West die eigentliche moralische Bedrohung des Films, während Brendan Gleeson als warmherziger Familienvater Frank und Megan Burns als seine Tochter Hannah das ohnehin schon hochkarätige Ensemble abrunden.


Rohe Bildsprache als Stilmittel


Was 28 Days Later auch mehr als zwanzig Jahre später noch so wirkungsvoll macht, ist die konsequente visuelle Umsetzung seiner postapokalyptischen Grundprämisse. Die berühmten Aufnahmen eines menschenleeren Londons, gedreht in den frühen Morgenstunden an ikonischen Schauplätzen wie der Westminster Bridge oder Piccadilly Circus, erzeugen eine beklemmende Stille, die dem Film seine ganz eigene, kaum imitierbare Atmosphäre verleiht. Die bewusst reduzierte, körnige Bildästhetik der digitalen Aufnahmen unterstreicht dabei den rohen, ungeschönten Charakter der Geschichte und steht in einem interessanten Kontrast zu den hektischen, fast schon verstörend schnellen Angriffssequenzen der Infizierten. Diese stilistische Entscheidung, die seinerzeit von manchen Kritikern noch skeptisch beäugt wurde, gilt heute als wegweisend für einen ganzen Zweig des modernen Horrorfilms.


Steelbook-Verpackung und technische Präsentation


Die neue Veröffentlichung erscheint als limitiertes Steelbook, das ausschließlich die 4K-Ultra-HD-Disc enthält, ohne separate Standard-Blu-ray-Fassung. Für das neue 4K-Master wurde sowohl auf zusammengestelltes Ausgangsmaterial als auch auf Abschnitte des originalen Kameranegativs zurückgegriffen, wie es bereits für die ursprüngliche Kinofassung verwendet wurde. Anschließend wurde das Material farblich neu abgestimmt, um den erweiterten Farbraum der modernen HDR-Technik voll auszuschöpfen. Das Bild liegt dabei im bildfüllenden Seitenverhältnis von 1.85:1 vor und unterstützt sowohl HDR10 als auch Dolby Vision, während sowohl das Bild als auch der Atmos-Mix persönlich von Danny Boyle abgenommen wurden. Tontechnisch liegt der englische Originalton in beeindruckendem Dolby-Atmos-3D-Sound vor, während die deutsche Synchronisation, wie bei Sony-Veröffentlichungen inzwischen fast schon üblich, auf einen unkomprimierten DTS-HD-Master-Audio-5.1-Mix zurückgreift. Die Laufzeit der ungeschnittenen Fassung beträgt 113 Minuten.


Bonusmaterial mit Tiefgang


Erfreulich umfangreich präsentiert sich auch das beigefügte Bonusmaterial, das einen echten Mehrwert für Fans des Films bietet. Den Kern bildet dabei ein Audiokommentar von Regisseur Danny Boyle gemeinsam mit Drehbuchautor Alex Garland, in dem beide ausführlich über die Entstehungsgeschichte, die ungewöhnliche Produktionsweise und die damaligen kreativen Entscheidungen sprechen. Ergänzt wird dieser Kommentar durch geschnittene Szenen sowie ein alternatives Ende, die beide ebenfalls mit optionalem Audiokommentar versehen sind und einen aufschlussreichen Einblick in die verschiedenen Richtungen geben, die der Film während seiner Entstehung hätte einschlagen können. Wer sich für die Entstehungsgeschichte eines der einflussreichsten Horrorfilme der frühen Zweitausenderjahre interessiert, findet hier reichlich Gesprächsstoff und Hintergrundwissen.


Fazit


Mit der 4K-Steelbook-Veröffentlichung von 28 Days Later erhält ein echter Genre-Meilenstein endlich die technische Präsentation, die ihm längst gebührt. Danny Boyles konsequente visuelle Vision, getragen von einem herausragenden, im Rückblick geradezu erlesenen Ensemble rund um den späteren Oscarpreisträger Cillian Murphy, hat auch über zwanzig Jahre nach der Kinopremiere nichts von ihrer beklemmenden Wirkung eingebüßt. Die von Boyle persönlich abgenommene neue Bildabtastung, kombiniert mit einem satten Dolby-Atmos-Mix und einem inhaltlich substanziellen Bonusmaterial, macht dieses Steelbook zu einer der lohnendsten Neuveröffentlichungen des Genrekinos in diesem Jahr. Einzig der Verzicht auf eine zusätzliche Standard-Blu-ray im Set dürfte all jene etwas stören, die den Film gerne auch ohne 4K-fähiges Abspielgerät genießen möchten.