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Death Valley – Blu-ray-Kritik zur Nummer 2 der Thrill Kill Collection von Wicked Vision


Der Film


Es beginnt alles so harmlos und endet so grausam. Der kleine Billy ist ein typisches New Yorker Großstadtkind, das den Sommer eigentlich lieber zu Hause verbringen würde. Stattdessen reist er widerwillig mit seiner Mutter Sally, die gerade eine Scheidung hinter sich hat, nach Arizona, um dort die Ferien zu verbringen. Dass Sally in dieser Zeit ihren alten Jugendfreund Mike wiedersieht, passt Billy gar nicht in den Kram – er kann den vermeintlichen Rivalen um die Aufmerksamkeit seiner Mutter zunächst nicht ausstehen. Doch aus der anfänglichen Konkurrenzsituation wird schnell eine verschworene Notgemeinschaft, als Billy unfreiwillig Zeuge eines grausamen Doppelmordes an einem jungen Camperpärchen wird. Von diesem Moment an ist der unerkannte Killer den dreien auf den Fersen, und aus dem beschaulichen Wüstenurlaub wird ein Überlebenskampf zwischen endlosen Sanddünen und verlassenen Motels.


„Death Valley“ nimmt sich für einen frühen Achtziger-Slasher erstaunlich viel Zeit für seine Figurenzeichnung, bevor die eigentliche Gefahr Fahrt aufnimmt. Der Film interessiert sich sichtlich für das brüchige Verhältnis zwischen Billy und Mike, für das Nachbeben der Scheidung und für die vorsichtige Annäherung einer Patchwork-Familie, die sich erst noch finden muss – ein dramaturgischer Ansatz, der dem Film neben dem reinen Nervenkitzel eine ungewöhnlich ruhige, fast familiendramatische Grundierung verleiht. Wenn der Wahnsinn dann tatsächlich ausbricht, wirkt er dadurch umso schneidender: Die karge, gnadenlose Weite des titelgebenden Death Valley wird zum perfekten Schauplatz einer Bedrohung, die sich nie ganz greifen lässt und ihre Opfer buchstäblich an den unwirtlichsten Orten der amerikanischen Wüste stellt.


Regisseur Dick Richards


Verantwortlich für die Inszenierung zeichnet Dick Richards, ein Regisseur, dessen Name eng mit einigen der prägendsten amerikanischen Genreproduktionen der Siebziger- und Achtzigerjahre verbunden ist. Bekannt wurde er vor allem mit der stimmungsvollen Raymond-Chandler-Verfilmung „Fahr zur Hölle, Liebling“, in der Robert Mitchum in die Rolle des Privatdetektivs Philip Marlowe schlüpfte und die bis heute als eine der atmosphärisch dichtesten Neo-Noir-Produktionen ihrer Zeit gilt. Auch mit der später zur Kult-Komödie avancierten Produktion „Tootsie“ ist Richards' Name verknüpft, da er an der frühen Entwicklung des Projekts maßgeblich beteiligt war, bevor die Regie schließlich in andere Hände überging. Mit „Death Valley“ wagte sich Richards 1982 in ungewohntes Terrain und bewies, dass sein Gespür für Atmosphäre und Figurenzeichnung auch im reinen Genrekino trägt: Statt auf reine Effekthascherei zu setzen, inszeniert er den Psychopathen-Thriller mit einer fast schon altmodischen Sorgfalt für Tempo, Raum und die emotionalen Zwischentöne seiner Hauptfiguren.


Die Besetzung


Peter Billingsley verkörpert den jungen Billy mit einer Natürlichkeit, die den Film maßgeblich trägt. Nur ein Jahr, bevor er als Ralphie in „Fahr zur Hölle, Weihnachtsmann“ – im Original „A Christmas Story“ – zur festen Größe amerikanischer Weihnachtsfilmkultur werden sollte, zeigt Billingsley hier bereits eindrucksvoll, wie überzeugend er kindliche Verletzlichkeit und aufkeimenden Mut miteinander zu verbinden weiß. Seine große Hornbrille, die ihn später weltberühmt machen sollte, ist auch in „Death Valley“ bereits sein unverkennbares Markenzeichen.


Paul Le Mat gibt den Mike, Sallys Jugendfreund, mit einer bodenständigen, leicht schwerfälligen Herzlichkeit. Bekannt geworden war Le Mat wenige Jahre zuvor mit George Lucas' „American Graffiti“, wo er als coolneleganter Hot-Rod-Fahrer John Milner zur Ikone des amerikanischen Coming-of-Age-Kinos der frühen Siebziger avancierte. In „Death Valley“ nutzt er diese eingängige Präsenz, um einer Figur Kontur zu verleihen, deren größte Herausforderung zunächst gar nicht der Killer, sondern das Vertrauen eines skeptischen Kindes ist.


Catherine Hicks spielt die Mutter Sally mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit, die dem Film in seinen ruhigeren Passagen viel emotionale Substanz verleiht. Nur wenige Jahre später sollte Hicks als Andy Barclays Mutter in „Chucky – Die Mörderpuppe“ endgültig zu einer festen Größe des Horrorgenres werden, bevor sie mit der Erfolgsserie „7th Heaven“ auch ein breites Fernsehpublikum für sich gewann.


Für den nötigen Nervenkitzel sorgt schließlich Stephen McHattie in der Rolle des Killers Hal. Mit unheimlicher Ruhe und einer latenten, stets spürbaren Bedrohlichkeit liefert McHattie eine Performance, die weit über das übliche Slasher-Schema hinausgeht und dem Antagonisten eine fast greifbare Menschlichkeit verleiht, ohne ihn dadurch weniger furchteinflößend erscheinen zu lassen. Genrefans kennen McHattie heute vor allem aus seiner Rolle als gealterter Hollis Mason alias Nite Owl in Zack Snyders „Watchmen“, doch bereits Anfang der Achtziger bewies er mit Auftritten wie diesem, welch unheimliche Intensität er auf die Leinwand zu bringen vermag.


Abgerundet wird die Starbesetzung durch Wilford Brimley, der später in John Carpenters „The Thing“ zur Genre-Ikone werden sollte, sowie durch Edward Herrmann, vielen heute vor allem als Richard Gilmore aus „Gilmore Girls“ ein Begriff. Für die visuelle Umsetzung zeichnet mit Stephen H. Burum ein Kameramann verantwortlich, der später mit Filmen wie „Die Unbestechlichen“ und „Die Verdammten des Krieges“ zu den gefragtesten Bildgestaltern Hollywoods zählen sollte – seine karge, von gleißender Hitze durchdrungene Fotografie der Wüstenlandschaft ist schon in „Death Valley“ deutlich zu erkennen und verleiht dem Film seine ganz eigene, drückende Atmosphäre.


Bildpräsentation und Ton


Mit dieser Veröffentlichung erlebt „Death Valley“ seine deutsche HD-Premiere – und das erstmals ungeschnitten. Die neue Abtastung präsentiert die staubige, gleißend helle Wüstenoptik des Films in überzeugender Schärfe und mit angenehm natürlicher Farbgebung, die weder zu kühl noch künstlich aufgehellt wirkt. Gerade in den Tagaufnahmen entfaltet Stephen H. Burums Kameraarbeit auf diese Weise ihre volle Wirkung, während die nächtlichen Passagen mit sauberer Schwarzwertdarstellung überzeugen. Auch tontechnisch steht die Veröffentlichung auf solidem Fundament und liefert Dialoge wie Musikuntermalung klar und ausgewogen ab.


Ausstattung und Bonusmaterial


Als zweite Veröffentlichung der Thrill Kill Collection setzt Wicked Vision bei „Death Valley“ auf ein Wendecover, das bewusst ohne Logo daherkommt und damit der Originalgrafik den ungestörten Vortritt lässt. Begleitet wird der Film von einem vierundzwanzigseitigen Booklet, in dem Christoph N. Kellerbach in einem fundierten Essay Entstehungsgeschichte und Einordnung des Films nachzeichnet und dabei auch auf die ungewöhnliche Verbindung von Familiendrama und Slasher-Handwerk eingeht.


Für Fans vertiefender Hintergrundinformationen bietet die Scheibe gleich zwei Audiokommentare. Im ersten führt Regisseur Dick Richards selbst durch seinen Film und gewährt dabei seltene Einblicke in die Produktionsbedingungen einer Zeit, in der Genrekino und dramatischer Anspruch längst nicht als Widerspruch galten. Im zweiten Kommentar ordnen Dr. Kai Naumann und Laurent Ohmansiek den Film aus einer stärker analytischen, filmhistorischen Perspektive ein und beleuchten seine Stellung innerhalb der frühen Achtziger-Slasher-Welle. Abgerundet wird das Bonusmaterial durch einen originalen TV-Spot, den Kinotrailer sowie eine Bildergalerie, die noch einmal einen Blick hinter die Kulissen der drückend heißen Wüstendreharbeiten erlaubt.


Fazit


Mit „Death Valley“ setzt Wicked Vision die Thrill Kill Collection konsequent fort und bringt einen der ungewöhnlicheren Slasher der frühen Achtziger erstmals ungeschnitten und in überzeugender Bildqualität nach Deutschland. Die Kombination aus starker Besetzung, atmosphärischer Wüstenkulisse und einer für das Genre ungewöhnlich sorgfältigen Figurenzeichnung macht den Film zu einer lohnenden Wiederentdeckung, der von der liebevollen Ausstattung dieser Veröffentlichung noch zusätzlich profitiert.