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Es gibt Spielreihen, die man als Kritiker mit einer gewissen Vorsicht betrachten sollte – nicht weil sie schlecht wären, sondern weil sie so verlässlich gut sind, dass das Urteil fast schon vorher festzustehen scheint. Forza Horizon gehört dazu. Seit dem ersten Teil hat Playground Games eine bemerkenswerte Konsistenz bewiesen: Jeder Ableger ist größer, schöner und umfangreicher als der Vorgänger. Mit dem sechsten Teil landet das Horizon Festival nun in Japan – dem meistgewünschten Setting der Fangemeinde seit dem allerersten Spiel. Die Frage ist nicht, ob das gut wird. Die Frage ist, wie gut.


Japan: Das lang ersehnte Setting


Japan war kein spontaner Einfall. Die Entscheidung für dieses Setting wurde, wie Playground Games Art Director Don Arceta erklärte, erst durch technische Fortschritte möglich, die mit jedem vorherigen Teil der Reihe erarbeitet wurden. Das Hot-Wheels-DLC aus Forza Horizon 5 half etwa dabei, die erhöhten Straßen Tokyos glaubwürdig umzusetzen. Es steckt also handwerkliche Konsequenz hinter dem, was auf dem Bildschirm wie pure Magie aussieht.


Und es sieht tatsächlich atemberaubend aus. Design Director Torben Ellert nannte Japan den visuell radikalsten Schauplatz, den das Team je für ein Horizon-Spiel gebaut hat – und dieser Anspruch ist keine Übertreibung. Die Karte ist die größte in der Geschichte der Reihe. Tokyo als zentraler Knotenpunkt ist dabei fünfmal größer als jede bisherige Horizon-Stadt, mit einem dichten Netz aus erhöhten Stadtautobahnen, engen Gassen und leuchtenden Einkaufsstraßen, das seinesgleichen sucht. Dazu kommen ländliche Regionen, Bergpässe rund um den Fuji, Küstenstraßen, Reisfelder und traditionelle Dörfer – eine Reise durch ein Japan, das als bewusste Fantasieversion angelegt ist und dabei dennoch kulturell respektvoll wirkt.


Das Setting fühlt sich frisch an auf eine Weise, die man der Reihe nach dem sechsten Ableger nicht mehr unbedingt zugetraut hätte. Mexiko in Teil fünf war spektakulär, aber Japan ist anders. Es ist dichter, kontrastreicher, seltsamer – und es gibt zu jeder Tageszeit etwas zu entdecken, das man so noch nicht gesehen hat.


Fahren: Das Fundament bleibt unangetastet


Wer einen der Vorgänger gespielt hat, weiß, was ihn erwartet – und das ist keine Kritik. Das Fahrgefühl in Forza Horizon ist seit Jahren eines der besten im Arcade-Racing-Genre, und Teil sechs verbessert es weiter. Die Mischung aus zugänglicher Steuerung und tiefem Tuning-System erlaubt es, das Spiel auf sehr unterschiedlichen Niveaus zu genießen: als entspannte Erkundungstour, als kompetitives Rennerlebnis oder als Plattform für Gelegenheitsspieler, die einfach durch Tokio driften wollen.


Über 550 Fahrzeuge stehen zur Verfügung – von Alltagsautos über Oldtimer bis zu Hyperautos, die sich anfühlen, als würde man etwas pilotieren, das eigentlich in den Luftraum gehört. Das Coverfahrzeug, der Toyota GR GT Prototype 2025, ist dabei mehr Symbol als Werkzeug: ein Versprechen dessen, was einen im Verlauf des Spiels erwartet. Die Vielfalt des Fuhrparks stellt sicher, dass jeder Spielertyp – Sammler, Tuner, Renner, Entdecker – seinen Anreiz findet.


Besonders gelungen ist die Vielfalt der Veranstaltungen. Neben klassischen Straßenrennen gibt es Offroad-Etappen durch ländliche Regionen, Driftevents in den Stadtschluchten Tokyos, Hindernisparcours, Speed-Traps und Abschnitte, die das Spiel als Arcade-Erlebnis im besten Sinne inszenieren. Wer will, verliert sich stundenlang in der freien Erkundung – immer begleitet von dem Gefühl, dass hinter der nächsten Kurve etwas Neues wartet.


Progression und Struktur: Bewährt, nicht neu gedacht


Hier liegt einer der wenigen echten Kritikpunkte an Teil sechs. Das Progressionssystem ist solide, funktioniert gut und belohnt zuverlässig. Aber es ist eben auch dasselbe System, das man aus den Vorgängern kennt. Das Horizon-Festival als Rahmenhandlung, die zunehmenden Einladungen zu größeren Events, der schrittweise Ausbau des Fuhrparks – all das läuft wie ein gut geöltes Uhrwerk.


Das Problem: Es häuft sich inzwischen der Eindruck, dass Playground Games das Rad nicht mehr neu erfinden will. Für Neueinsteiger ist das kein Thema. Für langjährige Fans, die alle sechs Teile gespielt haben, entsteht gelegentlich ein Déjà-vu-Gefühl. Einzelne Kritiker merken an, dass einige Fortschritte, die Teil fünf gemacht hat, hier nicht konsequent weiterentwickelt wurden. Auch das UI-Design wirkt etwas träge im Vergleich zu dem, was technisch möglich wäre.


Das sollte relativiert werden: Die Formel funktioniert. Die Frage ist nur, wie lange Playground Games noch davon zehren kann, ohne grundlegend etwas zu verändern. Teil sechs gibt darauf keine Antwort – er stellt die Frage aber deutlicher als seine Vorgänger.


Musik und Atmosphäre


Die Radiolandschaft wurde erweitert und angepasst. Die klassischen Horizon-Sender wie Wave und BASS kehren zurück, ergänzt um neue Stationen, die dem japanischen Setting Rechnung tragen. Das ist kein Detail am Rande: Musik ist in Forza Horizon seit jeher ein tragendes Element der Atmosphäre, und die kuratierte Auswahl beeinflusst spürbar, wie sich eine Fahrt durch Tokyo bei Nacht oder eine Bergpassage im Morgengrauen anfühlt.


Klanglich ist das Spiel insgesamt auf einem beeindruckenden Niveau. Motorensounds, Reifenquietschen, Umgebungsgeräusche – die akustische Dichte der Welt trägt erheblich zur Immersion bei.


Technik auf Xbox Series X: Sehr gut, aber nicht das Maximum


Auf der Xbox Series X läuft das Spiel in zwei Modi: Performance-Modus mit dynamisch hochskalierter 4K-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde, oder Quality-Modus mit nativem 4K bei 30 fps und verbesserter Beleuchtung. Beide Modi funktionieren gut und bieten ein technisch stabiles Erlebnis.


Allerdings gilt: Das PC-Erlebnis mit hochwertigem Grafikkarten-Setup ist visuell nochmals eine Klasse für sich. Das Spiel nutzt sowohl Ray-Traced Reflections als auch Ray-Traced Global Illumination – eine technologische Stufe über dem Vorgänger. Auf der Konsole sind diese Effekte vorhanden, aber eingeschränkt. Manche Kritiker beschreiben das Bild im Quality-Modus als stellenweise etwas flach oder wenig kontrastreich im Vergleich zur PC-Version. Das ist kein schwerwiegender Mangel, aber ein Hinweis: Wer das technische Maximum aus diesem Spiel herausholen will, braucht entsprechende Hardware.


Mehrspieler und Game Pass


Forza Horizon 6 ist ab Tag eins im Xbox Game Pass enthalten – was für viele Spieler den Einstieg erheblich vereinfacht. Der Mehrspielermodus baut auf dem bewährten System der Vorgänger auf: gemeinsame offene Welt, Konvois mit Freunden, kompetitive Events. Das Spiel wird mit Freunden noch besser, weil die gemeinsame Erkundung einer so dichten Welt einfach Spaß macht.


Fazit


Forza Horizon 6 ist ein sehr gutes Spiel – eines der besten Arcade-Rennspiele, die es derzeit gibt. Das Japan-Setting ist atemberaubend, der Fuhrpark üppig, das Fahrgefühl wie immer erstklassig. Playground Games weiß genau, was diese Reihe ausmacht, und liefert es mit einer Verlässlichkeit ab, die Respekt verdient.


Wer auf grundlegende Erneuerungen hoffte, wird mit einem leichten Stirnrunzeln aus dieser Rezension gehen. Das Spiel ist in mancherlei Hinsicht sehr sicher – es schöpft aus einem Reservoir, das nach sechs Teilen gut bekannt ist. Für die Mehrzahl der Spieler ist das kein Problem. Für Langzeit-Fans der Reihe dürfte es spätestens beim nächsten Ableger eine ernstere Frage werden.


Bis dahin gilt: Forza Horizon 6 ist eines der schönsten Spiele des Jahres, ein ausgezeichnetes Showcase für die Xbox Series X und ein überzeugender Grund, den Game Pass zu abonnieren. Japan war die richtige Wahl. Das Spiel macht ihr gerecht.


Empfehlung: Für alle, die offene Spielwelten, Autos und Japan mögen – und für alle, die genau eines dieser drei Dinge mögen. Der Einstieg über Game Pass macht die Entscheidung leicht.