Mit Kalanoro erscheint ein ungewöhnliches Action-Adventure, das nicht nur durch seine farbenfrohe Optik, sondern vor allem durch seine Herkunft und sein außergewöhnliches Szenario aus der Masse heraussticht. Das von Red Raketa Studio aus Madagaskar entwickelte Spiel nimmt uns mit in die fantastische Welt von Lemuria, die stark von der madagassischen Folklore, den dortigen Traditionen und der lebendigen Kultur des Landes inspiriert wurde. Statt einer weiteren klassischen Fantasywelt mit Rittern, Schwertern und Drachen erwartet uns hier eine farbenfrohe Reise voller Lemuren, Musik, Plattformpassagen, verrückter Waffen und einer ziemlich ungewöhnlichen Aufgabe: Wir müssen eine Band zusammenstellen und mit deren Hilfe eine Hexe davon abhalten, ihre ganz eigene Form von Weltherrschaft durchzusetzen. Kalanoro kombiniert dabei Elemente eines klassischen 3D-Plattformers mit Action-Adventure-Mechaniken, Erkundung, kleinen Minispielen und einem ungewöhnlichen Tourbus-Management.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht Kalakely, ein Kalanoro-Mädchen, das zunächst eher zurückgezogen lebt. Der Begriff Kalanoro stammt aus der madagassischen Folklore und bezeichnet geheimnisvolle, menschenähnliche Wesen, die mit der Natur und den spirituellen Vorstellungen Madagaskars verbunden sind. Kalakely wird in eine Geschichte hineingezogen, die deutlich größer ist als ihr zunächst beschauliches Leben. Die Hexe Raneny verfolgt einen ungewöhnlichen Plan und will ein großes Konzert veranstalten. Was zunächst fast harmlos klingt, entwickelt sich allerdings schnell zu einer Bedrohung für die gesamte Insel. Um sich Raneny entgegenzustellen, muss Kalakely Musiker finden, retten und schließlich eine eigene Band zusammenstellen.
Damit besitzt Kalanoro bereits bei seiner Ausgangssituation einen angenehm eigenständigen Humor. Die Welt wird nicht von einer Armee finsterer Ritter oder einer Horde Dämonen bedroht, sondern von einer Hexe, deren Pläne eng mit Musik und einer großen Show verbunden sind. Das Spiel nimmt sich selbst dabei nicht übermäßig ernst. Die Figuren sind niedlich, die Situationen häufig überdreht und die gesamte Präsentation erinnert stellenweise an einen kunterbunten Animationsfilm. Gleichzeitig steckt hinter der verrückten Geschichte ein ernsthafter kultureller Hintergrund, denn Kalanoro möchte dem Spieler eine Welt zeigen, die in Videospielen nur selten im Mittelpunkt steht.
Genau das ist eine der größten Stärken des Spiels. Die Entwickler haben sich nicht einfach irgendeinen exotischen Schauplatz ausgedacht, sondern greifen auf Elemente der eigenen madagassischen Kultur und Folklore zurück. Dadurch wirkt Lemuria trotz des cartoonartigen Stils nicht wie eine austauschbare Fantasykulisse. Pflanzen, Landschaften, Figuren, Musik und zahlreiche Details vermitteln ein ganz eigenes Flair. Kalanoro fühlt sich dadurch anders an als viele westliche 3D-Plattformer.
Spielerisch präsentiert sich Kalanoro zunächst wie ein klassisches 3D-Action-Adventure. Kalakely bewegt sich durch verschiedene Gebiete, springt über Plattformen, überwindet Hindernisse, sammelt Gegenstände und stellt sich den Handlangern von Raneny entgegen. Dabei bleibt die Steuerung grundsätzlich leicht verständlich. Laufen, Springen, Ausweichen und Angreifen gehen schnell in Fleisch und Blut über. Gerade Spieler, die mit klassischen 3D-Plattformern aufgewachsen sind, werden sich deshalb schnell zurechtfinden.
Allerdings möchte Kalanoro nicht einfach nur eine moderne Kopie von bekannten Genrevertretern sein. Eine besondere Rolle spielen Kalakelys Haare. Diese sind nämlich nicht nur ein auffälliges optisches Merkmal, sondern dienen gleichzeitig als wichtige Waffe und als Werkzeug. Mit ihren Haaren kann Kalakely Gegner angreifen und bestimmte Aktionen ausführen. Dadurch entsteht eine ungewöhnliche Alternative zu den typischen Waffen, die man aus Actionspielen kennt.
Zusätzlich kann Kalakely verschiedene Gegenstände aus der Umgebung aufnehmen und als Waffen verwenden. Dazu gehören beispielsweise Sandalen, eine Bratpfanne, ein Hammer oder andere mehr oder weniger improvisierte Gegenstände. Genau diese ungewöhnlichen Waffen passen hervorragend zum humorvollen Stil des Spiels. Es ist einfach etwas anderes, einen Gegner mit einer herumliegenden Pfanne anzugreifen, als zum hundertsten Mal ein Schwert aus der Scheide zu ziehen.
Die Gegenstände besitzen dabei unterschiedliche Eigenschaften und können teilweise geworfen oder für stärkere Angriffe verwendet werden. Gleichzeitig sind viele dieser improvisierten Waffen nicht dauerhaft verfügbar. Dadurch entsteht ein kleiner taktischer Aspekt, denn man muss sich überlegen, wann es sinnvoll ist, einen Gegenstand einzusetzen und wann man lieber auf die normalen Angriffe zurückgreift.
Die Kämpfe selbst sind insgesamt relativ unkompliziert gehalten. Kalanoro möchte kein komplexes Action-Rollenspiel sein, bei dem man zehn verschiedene Kombos auswendig lernen und jeden Gegner anhand eines komplizierten Movesets analysieren muss. Stattdessen steht der unmittelbare Spielspaß im Vordergrund. Angreifen, ausweichen, springen und die besonderen Fähigkeiten nutzen – mehr braucht es meistens nicht.
Gerade beim Ausweichen sollte man allerdings aufmerksam sein. Ein klassisches Parieren, wie man es aus vielen modernen Actionspielen kennt, gibt es nicht. Dadurch spielt das Ausweichen eine größere Rolle. Gegner kündigen ihre Attacken an und der Spieler muss entsprechend reagieren. Die Kämpfe funktionieren dadurch durchaus ordentlich, erreichen aber nicht die taktische Tiefe größerer Actionspiele.
Interessanter wird es bei den Bosskämpfen. Hier versucht Kalanoro, seine verrückte Grundidee stärker auszuspielen. Die Konfrontationen sind größer inszeniert und werden durch die Musik und die humorvolle Präsentation unterstützt. Statt einfach nur einen riesigen Gegner mit immer denselben Angriffen zu bearbeiten, sind die Kämpfe stärker auf bestimmte Muster und Situationen ausgerichtet. Gerade diese Begegnungen sorgen für einige der unterhaltsamsten Momente des Spiels.
Neben den Kämpfen bilden Plattformpassagen einen wichtigen Bestandteil des Gameplays. Kalakely muss über Abgründe springen, Hindernissen ausweichen, bewegliche Plattformen nutzen und verschiedene Fallen überwinden. Dabei zeigt sich allerdings auch, dass Kalanoro stellenweise anspruchsvoller ist, als die niedliche Optik zunächst vermuten lässt.
Schon relativ früh werden beispielsweise Trampoline eingesetzt, mit denen Kalakely große Sprünge ausführen kann. Auch Luftbewegungen und Dash-Manöver spielen eine Rolle. Gerade bei einigen späteren Plattformpassagen muss man seine Bewegungen präzise planen. Wer bei einem Sprung zu früh oder zu spät reagiert, landet schnell im Abgrund.
Das ist grundsätzlich positiv, denn dadurch bleibt das Spiel auch für erfahrene Plattformspieler interessant. Kalanoro ist eben nicht ausschließlich ein Kinderspiel, obwohl seine Optik und seine zugängliche Präsentation durchaus jüngere Spieler ansprechen können. Die Herausforderung bleibt meistens fair, verlangt aber stellenweise eine gewisse Genauigkeit.
Die Level selbst verbinden Erkundung, Plattformpassagen und Kämpfe miteinander. Dabei folgt das Spiel keinem riesigen Open-World-Konzept, sondern setzt auf überschaubare Gebiete, die man erkunden kann. In diesen Bereichen finden sich verschiedene Sammelobjekte, Nebenaufgaben und Möglichkeiten, die eigene Band weiter auszubauen.
Ein besonders interessantes Element ist der Tourbus. Dieser dient nicht nur als Transportmittel, sondern gleichzeitig als eine Art mobiles Zuhause und Basislager. Zwischen den eigentlichen Ausflügen kehrt Kalakely immer wieder zum Bus zurück. Dort trifft sie auf die Mitglieder ihrer Band, kann mit ihnen interagieren und sich um verschiedene Aufgaben kümmern.
Die Lemuren sind dabei nicht nur Dekoration. Wer neue Bandmitglieder rettet, muss sich anschließend auch um sie kümmern. Dazu gehört beispielsweise das Zubereiten von Essen. Die einzelnen Musiker haben unterschiedliche Vorlieben und Wünsche. Wer diese erfüllt, verbessert die Beziehung zu ihnen und trägt dazu bei, dass die Band stärker zusammenwächst.
Dieser Teil des Spiels sorgt für eine angenehme Abwechslung zum klassischen Plattforming. Nach einem actionreichen Abschnitt kehrt man in den Bus zurück und kann sich um die Band kümmern. Es entsteht dadurch ein kleiner Rhythmus aus Abenteuer, Rettung, Erkundung und anschließendem Zusammensein mit den Bandmitgliedern.
Auch Kochen spielt eine Rolle. Während der Erkundung sammelt man verschiedene Zutaten, die später für Gerichte verwendet werden können. Die Musiker haben bestimmte Lieblingsgerichte und freuen sich entsprechend, wenn Kalakely genau das Richtige zubereitet. Dadurch bekommt das Sammeln von Gegenständen einen zusätzlichen Zweck.
Der Tourbus bietet darüber hinaus weitere kleine Aktivitäten. So kann man beispielsweise Musik auswählen, den Bus verwalten oder sich um verschiedene Aufgaben kümmern. Das alles ist nicht mit einem umfangreichen Managementspiel vergleichbar, gibt der Reise aber eine persönliche Note. Der Bus wird dadurch tatsächlich zu einem Zuhause für die ungewöhnliche Gruppe.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Aufbau der Bandpopularität. Die Gruppe soll nicht einfach nur gemeinsam durch die Welt reisen, sondern tatsächlich bekannt werden. Durch Auftritte und verschiedene Aktivitäten steigt die Popularität der Band. Dadurch öffnen sich nach und nach größere Bühnen und neue Möglichkeiten.
Die Konzertauftritte sind dabei ein wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzepts. Kalanoro verbindet seine Musikthematik immer wieder mit dem Gameplay und schafft dadurch eine angenehme Verbindung zwischen Geschichte und Spielmechanik. Die Musik ist nicht nur Hintergrundbeschallung, sondern gehört zum Kern des Abenteuers.
Überhaupt ist der Soundtrack eine der auffälligsten Komponenten des Spiels. Die Musik passt hervorragend zur bunten Welt und vermittelt ein starkes Gefühl von Sommer, Abenteuer und guter Laune. Südamerikanische beziehungsweise tropische Klänge und moderne Beats verbinden sich mit den folkloristischen Einflüssen zu einer sehr eigenen akustischen Identität.
Gerade in einem Spiel, bei dem eine Band im Mittelpunkt steht, ist ein guter Soundtrack natürlich besonders wichtig. Hier haben die Entwickler viel richtig gemacht. Die Musik begleitet nicht nur die Level, sondern sorgt auch dafür, dass sich die einzelnen Bereiche lebendig anfühlen. Zusammen mit den zahlreichen Soundeffekten und den Geräuschen der Figuren entsteht eine ausgesprochen fröhliche Atmosphäre.
Auch optisch verfolgt Kalanoro eine klare Linie. Die Welt ist ausgesprochen farbenfroh gestaltet. Grüntöne dominieren die natürlichen Bereiche, während industrielle Gegenden bewusst grauer und weniger freundlich wirken. Dadurch entsteht bereits über die Farbgebung ein Kontrast zwischen der Natur von Lemuria und den Bereichen, in denen Ranenys Einfluss stärker spürbar wird.
Die Figuren sind ebenfalls sehr liebevoll gestaltet. Kalakely besitzt ein markantes Erscheinungsbild und auch die verschiedenen Lemuren unterscheiden sich optisch voneinander. Besonders die Musiker mit ihren Instrumenten sorgen immer wieder für humorvolle Momente. Die Gegner wirken ebenfalls eher charmant als wirklich furchteinflößend.
Technisch darf man allerdings keine AAA-Produktion erwarten. Kalanoro ist ein vergleichsweise kleines Indie-Spiel und das sieht man der Präsentation stellenweise an. Die 3D-Modelle und Animationen sind nicht immer auf dem Niveau großer PlayStation-Produktionen. Einige Bewegungen wirken etwas einfach und bestimmte Umgebungen könnten detaillierter gestaltet sein.
Auf der anderen Seite passt dieser etwas reduzierte technische Stil durchaus zum gesamten Konzept. Die Entwickler setzen weniger auf fotorealistische Grafik und mehr auf einen klaren Comic-Look. Dadurch kann Kalanoro seine eigene visuelle Identität entwickeln.
Auf der PS5 läuft das Spiel grundsätzlich flüssig und die technische Präsentation erfüllt ihren Zweck. Gerade die bunten Landschaften profitieren von der höheren Auflösung und der leistungsfähigen Hardware. Die Spielwelt wirkt dadurch lebendig und farbenfroh.
Die überschaubare technische Ausstattung zeigt sich eher in Details. Animationen wiederholen sich teilweise, und auch bei der Gestaltung der Gegner wird mit bekannten Grundmustern gearbeitet. Nach einigen Stunden kann dadurch ein gewisser Wiederholungseffekt entstehen. Gerade die Gegner unterscheiden sich nicht immer so stark voneinander, wie man es sich wünschen würde.
Auch beim Aufbau der Level zeigt sich diese Wiederholung. Häufig wechseln sich Erkundungsabschnitte, Kampfarenen und Plattformpassagen miteinander ab. Dieses Muster funktioniert zunächst sehr gut, verliert aber etwas an Wirkung, wenn es über längere Zeit immer wieder nach demselben Prinzip abläuft.
Trotzdem bleibt das Spiel durch seine unterschiedlichen Aufgaben und die Bandmechanik abwechslungsreicher als ein reiner 3D-Plattformer. Die Rückkehr zum Bus, das Kochen, das Interagieren mit den Bandmitgliedern und das Sammeln von Gegenständen lockern das klassische Plattforming auf.
Auch der Umfang sollte entsprechend eingeordnet werden. Kalanoro ist kein 30- oder 50-Stunden-Abenteuer. Für den ersten Durchlauf sollte man ungefähr vier bis fünf Stunden einplanen. Wer sämtliche Sammelobjekte finden, Nebenaufgaben erledigen und die Platin-Trophäe freischalten möchte, kann allerdings noch einige zusätzliche Stunden in Lemuria verbringen.
Gerade Trophy-Hunter dürften dabei ihren Spaß haben. Die PS5-Version verfügt über insgesamt 30 Trophäen, darunter eine Platin-Trophäe. Viele davon beziehen sich direkt auf den Spielfortschritt, während andere zusätzliche Aufgaben verlangen. Dazu gehören unter anderem das Retten aller Bandmitglieder, das Kochen bestimmter Gerichte, das Entdecken der Geschichten von Lemuria, das vollständige Erkunden der Karte und das Meistern der Konzerte.
Die kurze Spielzeit muss dabei nicht automatisch ein Nachteil sein. Gerade bei einem Preis von 19,99 Euro ist Kalanoro eher als kompakte Spielerfahrung angelegt. Wer Lust auf einen überschaubaren Plattformer hat, der sich innerhalb einiger Abende durchspielen lässt, bekommt hier ein passendes Abenteuer.
Ein Mehrspielermodus ist dagegen nicht vorhanden. Kalanoro ist vollständig auf das Einzelspieler-Erlebnis ausgelegt. Das passt grundsätzlich zum Aufbau des Spiels, denn Kalakelys Reise und die Entwicklung ihrer Band stehen im Mittelpunkt. Wer allerdings gemeinsam mit Kindern oder Freunden spielen möchte, muss auf einen lokalen oder Online-Koop-Modus verzichten.
Besonders positiv fällt auf, wie zugänglich Kalanoro grundsätzlich gestaltet ist. Die Steuerung ist schnell verstanden und die wichtigsten Mechaniken werden nach und nach eingeführt. Dadurch eignet sich das Spiel durchaus auch für jüngere Spieler oder Familien, die gemeinsam einem Spieler zuschauen möchten. Gleichzeitig gibt es genug Plattformpassagen und Herausforderungen, damit auch erfahrene Spieler nicht komplett unterfordert werden.
Die Geschichte bleibt dabei angenehm locker. Kalanoro versucht nicht, aus jeder Szene ein großes Drama zu machen. Humor und Musik stehen im Vordergrund. Dadurch entsteht eine leichte Atmosphäre, die das Spiel gerade als Kontrast zu vielen düsteren und ernsten Action-Adventures interessant macht.
Besonders gut funktioniert dabei die Kombination aus Humor und kulturellem Hintergrund. Die madagassischen Einflüsse geben Kalanoro einen Charakter, den viele vergleichbare Spiele nicht besitzen. Die Entwickler erzählen nicht einfach eine generische Geschichte und setzen sie anschließend in eine exotische Kulisse, sondern verbinden Figuren, Folklore, Musik und Welt miteinander.
Das macht Kalanoro letztlich zu einem kleinen, aber eigenständigen Abenteuer. Es versucht nicht, mit riesigen Karten oder hunderten von Nebenaufgaben zu beeindrucken. Stattdessen konzentriert es sich auf seine Figuren, seine Musik und seine ungewöhnliche Spielidee.
Natürlich gibt es auch Schwächen. Die Kämpfe könnten abwechslungsreicher sein und die Gegner bieten auf Dauer nicht genügend unterschiedliche Herausforderungen. Auch die wiederkehrende Abfolge aus Erkundung, Arena-Kampf und Plattformabschnitt kann sich bemerkbar machen. Technisch bleibt Kalanoro ebenfalls hinter großen Produktionen zurück. Wer eine spektakuläre PS5-Präsentation erwartet, wird entsprechend enttäuscht sein.
Dafür punktet das Spiel mit Charme. Kalanoro ist eines dieser Spiele, bei denen man bereits nach wenigen Minuten merkt, dass die Entwickler vor allem eines wollten: eine unterhaltsame und ungewöhnliche Reise erschaffen. Die Kombination aus 3D-Plattforming, Action, Musik, Bandmanagement und madagassischer Folklore funktioniert erstaunlich gut.
Auch die Idee mit dem Tourbus gefällt. Die Bandmitglieder sind nicht einfach nur Figuren, die man einmal rettet und anschließend vergisst. Durch das gemeinsame Essen, die Gespräche und die verschiedenen Aktivitäten entsteht tatsächlich das Gefühl einer kleinen Reisegruppe. Die Musiker werden dadurch zu einem wichtigen Teil der Geschichte.
Mit zunehmender Spielzeit wächst zudem die eigene Band. Die Popularität steigt, neue Auftritte werden möglich und die Reise bekommt dadurch ein klares Ziel. Gleichzeitig bleibt das eigentliche Plattforming das Herzstück des Spiels.
Kalanoro ist somit vor allem ein Spiel für alle, die klassische 3D-Plattformer mögen und dabei Lust auf etwas anderes haben. Wer Rayman, Spyro, Super Mario oder ähnliche Spiele mag, wird sich relativ schnell in den grundlegenden Mechaniken zurechtfinden. Gleichzeitig sorgt die madagassische Kultur dafür, dass Kalanoro nicht wie eine bloße Kopie dieser Vorbilder wirkt.
Unterm Strich ist Kalanoro ein charmantes, farbenfrohes und ungewöhnliches Action-Adventure, das vor allem durch seine eigene Identität überzeugt. Die Mischung aus Plattforming, Kämpfen, Erkundung, Musik und kleinen Managementelementen funktioniert insgesamt gut, auch wenn einzelne Bestandteile noch etwas mehr Tiefe vertragen könnten. Besonders die Welt von Lemuria, die liebevoll gestalteten Figuren und der mitreißende Soundtrack bleiben positiv im Gedächtnis.
Technisch darf man keine Revolution erwarten, und auch beim Gameplay wiederholen sich bestimmte Abläufe etwas zu häufig. Die vergleichsweise kurze Spielzeit ist ebenfalls ein Punkt, den man vor dem Kauf berücksichtigen sollte. Für den aktuellen Preis von 19,99 Euro passt der Umfang allerdings durchaus zum Konzept.
Kalanoro ist letztlich ein Spiel, das gute Laune verbreiten möchte – und genau das gelingt ihm über weite Strecken. Die Kombination aus niedlichen Lemuren, verrückten Waffen, einer musikalischen Roadtrip-Geschichte und einer von madagassischer Folklore inspirierten Welt sorgt für eine angenehme Abwechslung zum üblichen Spieleangebot. Wer auf der PS5 nach einem kompakten und farbenfrohen 3D-Adventure sucht, das nicht versucht, größer zu wirken, als es tatsächlich ist, findet in Kalanoro ein sympathisches Abenteuer mit viel Charme und einer erfrischend eigenen Note.