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Slurp!: Das Ramen-Kochbuch – Buchrezension


Ramen hat sich in den vergangenen Jahren von einem Geheimtipp der asiatischen Straßenküche zu einem festen Bestandteil der westlichen Foodkultur entwickelt, und kaum ein Verlag versteht es so gut wie DK, komplexe kulinarische Themen zugänglich und optisch ansprechend aufzubereiten. Mit „Slurp!: Das Ramen-Kochbuch" legt der Verlag nun eine erweiterte Neuauflage seines bereits erfolgreichen Ramen-Kochbuchs vor und verspricht mit über sechzig Rezepten sowie acht zusätzlichen Neuzugängen eine umfassende kulinarische Weltreise rund um die japanische Nudelsuppe.


Von der Straßenküche zum globalen Trendgericht


Verfasst wurde das Buch von Nell Benton, die sich bereits mit der ursprünglichen Ausgabe des Ramen-Kochbuchs bei DK einen Namen als kompetente Vermittlerin der japanischen Nudelsuppen-Kultur gemacht hat. Für die deutsche Ausgabe zeichnet Annika Genning als Übersetzerin verantwortlich. Der Titel „Slurp!" greift dabei bewusst jenes Geräusch auf, das im Umgang mit Ramen nicht nur erlaubt, sondern in Japan geradezu erwünscht ist – das Schlürfen gilt dort traditionell als Zeichen des Genusses und trägt sogar zur Geschmacksentfaltung bei, da durch das Einsaugen der Nudeln zusätzlich Luft in den Mund gelangt und die Aromen der Brühe intensiver wahrnehmbar macht.


Wissen als Fundament, Rezepte als Herzstück


Bevor das Buch in die eigentliche Rezeptsammlung eintaucht, widmet es sich ausführlich den Grundlagen: der Geschichte der Ramen, ihrer Entwicklung von einem chinesischen Importgericht zu einem japanischen Nationalgericht sowie der notwendigen Küchenausstattung, die für die eigene Zubereitung zu Hause hilfreich ist. Diese Basics bilden das Fundament, auf dem die weit über sechzig Rezepte aufbauen, die sich grob in zwei große Kategorien unterteilen lassen: die traditionellen japanischen Klassiker und die zeitgenössischen Fusion-Varianten, die kulinarische Einflüsse aus aller Welt in die Ramen-Schale holen.


Traditionelle Klassiker mit Tiefgang


Auf der klassischen Seite präsentiert das Buch Gerichte wie die kräftige Tonkotsu Ramen mit Schweinebauch und Ei, die zu den bekanntesten und beliebtesten Varianten der japanischen Nudelsuppe zählt und für ihre lange gekochte, sämige Schweineknochenbrühe berühmt ist. Auch dampfende Shio-Dashi-Ramen mit Garnelen und Lachs finden sich hier, ebenso wie eine vegetarische Tofu-Dashi-Ramen mit aromatischen Pilzen, die zeigt, dass sich die Komplexität einer guten Ramen-Brühe durchaus auch ohne Fleisch erreichen lässt. Diese Rezepte machen deutlich, wie viel Sorgfalt in eine vermeintlich einfache Nudelsuppe fließen kann, und vermitteln gleichzeitig die enorme Vielfalt innerhalb der traditionellen japanischen Ramen-Küche.
Kreative Fusion-Varianten aus aller Welt


Besonders reizvoll wird es dort, wo das Buch die japanischen Wurzeln der Ramen verlässt und sich internationalen Einflüssen öffnet. Eine Harissa-Dashi-Ramen mit knuspriger Ente bringt nordafrikanische Würze in die japanische Suppenschale, während BBQ-Ramen amerikanische Grillaromen mit asiatischer Nudelkultur verschmelzen lässt. Auch kubanisch gewürzte Kreationen finden ihren Platz in dieser Sammlung und belegen eindrucksvoll, wie wandlungsfähig das Grundkonzept der Ramen tatsächlich ist – eine kräftige Brühe, frische Nudeln und sorgfältig ausgewählte Toppings lassen sich offenbar mit nahezu jeder Küche der Welt kombinieren.


Mehr als nur die Hauptspeise


Abgerundet wird das Buch durch passende Beilagen wie Gyoza oder Edamame, die dem gesamten kulinarischen Erlebnis noch mehr Authentizität verleihen und das Ramen-Essen näher an die Atmosphäre eines japanischen Ramen-Ladens heranrücken. Gerade diese Ergänzungen zeigen, dass es dem Buch nicht nur um einzelne Rezepte geht, sondern um die Vermittlung einer ganzheitlichen kulinarischen Erfahrung.


Eine gelungene Neuauflage


Die vorliegende Ausgabe versteht sich explizit als erweiterte Neuauflage des ursprünglichen Ramen-Kochbuchs und wartet mit acht zusätzlichen Rezepten auf, die das ohnehin schon umfangreiche Angebot an Comfort Food weiter aufstocken. Für alle, die die vorherige Ausgabe bereits besitzen, dürfte diese Erweiterung ein willkommener Anreiz sein, sich das Buch noch einmal anzuschaffen, während Neueinsteiger direkt von der größtmöglichen Rezeptvielfalt profitieren.


Fazit


„Slurp!: Das Ramen-Kochbuch" gelingt der Spagat zwischen fundierter Wissensvermittlung und praxisnaher Rezeptsammlung mit Bravour. Wer sich für die japanische Küche im Allgemeinen und Ramen im Speziellen interessiert, findet hier sowohl die traditionellen Grundlagen als auch genügend kreativen Spielraum für eigene Experimente. Die Bandbreite zwischen bodenständigen Klassikern wie der Tonkotsu Ramen und mutigen Fusion-Kreationen mit Harissa oder kubanischen Gewürzen macht das Buch zu einem vielseitigen Begleiter für Einsteiger wie erfahrene Hobbyköch*innen gleichermaßen. Einzig wer bereits die Vorgängerausgabe besitzt, sollte abwägen, ob die acht zusätzlichen Rezepte den Neukauf rechtfertigen.