Kin – Nur Blut kann Blut vergelten: Staffel 2 auf Blu-ray von Polyband
Nach dem fulminanten Ende der ersten Staffel, in dem die Kinsellas sich mit dem Mord an Eamon Cunningham endgültig an die Spitze von Dublins organisierter Kriminalität setzten, hätte man erwarten können, dass die zweite Staffel von "Kin – Nur Blut kann Blut vergelten" sich als triumphaler Aufstieg einer neuen Dublin-Dynastie erzählt. Doch genau das verweigert die irische Krimiserie ihrem Publikum, und gerade darin liegt ihre Stärke. Polyband bringt diese zweite und zugleich letzte Staffel nun auf Blu-ray in den deutschen Handel und liefert damit den Abschluss einer Geschichte, die sich weniger für die Mechanik des organisierten Verbrechens interessiert als für die Frage, was Macht mit einer Familie anstellt, die eigentlich nur zusammenhalten wollte.
Wenn der Sieg zur Bürde wird
Die Ausgangslage der zweiten Staffel ist bitter ironisch: Die Kinsellas haben sich mit der Ermordung Eamon Cunninghams an die Spitze Dublins gebracht, doch der vermeintliche Sieg schafft mehr Probleme, als er löst. Cunningham hinterließ Schulden bei einem noch gefährlicheren Gegner, dessen Zorn nun ungebremst auf die Familie niedergeht. Wo einst das Versprechen unzerbrechlicher Blutsbande die Kinsellas zusammenhielt, herrschen inzwischen Misstrauen, Argwohn und aufgestauter Groll. Am gefährlichsten aber ist ausgerechnet die Bedrohung, die aus den eigenen Reihen kommt: ein skrupelloser, tyrannischer Unruhestifter, der die fragile Ordnung der Familie von innen heraus zu zersetzen droht. Die Serie macht daraus keine simple Gangsterfehde, sondern eine Studie über Loyalität unter Druck – und darüber, wie sich aus purer Verzweiflung mitunter die kühnsten und riskantesten Pläne entwickeln.
Charlie Cox als Michael Kinsella
Im Zentrum der Serie steht weiterhin Charlie Cox als Michael Kinsella, der als moralisches Gewissen der Familie fungiert, ohne sich dabei je vollständig aus deren blutigem Geschäft herausziehen zu können. Cox, der einem internationalen Publikum vor allem durch seine Rolle als Matt Murdock in Marvels "Daredevil" sowie durch den Fantasyfilm "Der Sternwanderer" bekannt wurde, bringt in Michael eine leise Zerrissenheit zum Ausdruck, die ihn von den lauteren, impulsiveren Mitgliedern seiner Familie unterscheidet. Gerade diese innere Zerrissenheit macht ihn zur emotionalen Ankerfigur der Serie.
Aidan Gillen als Frank Kinsella
Als Familienoberhaupt Frank Kinsella kehrt Aidan Gillen zurück, ein Schauspieler, der spätestens durch seine Rolle als Petyr "Littlefinger" Baelish in "Game of Thrones" internationale Bekanntheit erlangte und bereits zuvor mit Serien wie "Queer as Folk" sein Gespür für ambivalente, machtbewusste Figuren unter Beweis gestellt hatte. Gillens Frank ist ein Mann, der Kontrolle um jeden Preis bewahren will und dabei zunehmend erkennen muss, dass sich die Fliehkräfte innerhalb seiner eigenen Familie kaum noch bändigen lassen.
Clare Dunne als Amanda Kinsella
Clare Dunne, die sich mit dem gefeierten Drama "Herself" als Autorin und Hauptdarstellerin einen Namen machte und zuletzt auch in "The Last Duel" zu sehen war, verkörpert Amanda Kinsella, die Witwe von Eamon Cunningham, die sich in dieser Staffel eine zunehmend zentrale Führungsposition innerhalb des kriminellen Machtgefüges erarbeitet. Dunne gelingt es, Amandas Trauer und ihren eiskalten Pragmatismus in ein und derselben Figur glaubhaft zu vereinen.
Emmett J. Scanlan als Jimmy Kinsella
Emmett J. Scanlan, dem breiteren Publikum vor allem durch die britische Serie "In the Flesh" sowie durch seine langjährige Rolle in der Seifenoper "Hollyoaks" bekannt, spielt Jimmy Kinsella, den impulsiven, gewaltbereiten Bruder Michaels. Scanlan verleiht Jimmy eine latente Aggressivität, die die Familie immer wieder an den Rand der Selbstzerstörung treibt, und macht ihn damit zu einem der unberechenbarsten Elemente im ohnehin fragilen Familiengefüge.
Maria Doyle Kennedy als Bridget "Birdy" Goggins
Als Bridget "Birdy" Goggins, Schwester von Frank und Bren, bringt Maria Doyle Kennedy jene Erfahrung ein, die sie bereits in Produktionen wie "The Tudors", "Orphan Black" und "Sing Street" unter Beweis gestellt hat. Birdy fungiert in der Serie als eine der wenigen besonnenen Stimmen innerhalb der Familie, deren Loyalität jedoch zunehmend auf eine harte Probe gestellt wird, als die inneren Konflikte eskalieren.
Francis Magee als Bren Kinsella
Die eigentliche destabilisierende Kraft dieser Staffel ist jedoch Bren Kinsella, der Vater von Michael und Jimmy, gespielt von Francis Magee, der unter anderem durch den Gangsterfilm "Layer Cake" sowie durch eine Nebenrolle in "Game of Thrones" bekannt wurde. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung kehrt Bren in eine Familie zurück, die sich in seiner Abwesenheit neu geordnet hat, und bringt mit seiner bloßen Anwesenheit alte Wunden, verdrängte Traumata und Machtansprüche wieder an die Oberfläche. Magee zeichnet Bren als charmanten, zugleich zutiefst manipulativen Patriarchen, dessen Rückkehr buchstäblich alles verändert – eine Rolle, die dem Schauspieler nach einer nur kurzen Einführung in der ersten Staffel nun deutlich mehr Raum zur Entfaltung gibt.
Sam Keeley als Eric "Viking" Kinsella
Komplettiert wird das Ensemble durch Sam Keeley als Eric "Viking" Kinsella, der nach seiner eigenen Haftentlassung ebenfalls in die Familie zurückkehrt und dabei mit einer ganz eigenen Wut im Gepäck agiert. Keeley, bekannt unter anderem aus "The Cured", verleiht seiner Figur eine unterschwellige Gefährlichkeit, die sich im Verlauf der Staffel immer deutlicher entlädt.
Verpackung und technische Präsentation
Polyband präsentiert auch die zweite Staffel von "Kin" in einer schlichten, funktionalen Aufmachung ohne besonderen Verpackungsschnickschnack, die dem nüchternen, urbanen Setting der Serie angemessen ist. Bild und Ton der Blu-ray-Veröffentlichung bewegen sich auf solidem Niveau: Die oft in kühlen, industriellen Farbtönen gehaltene Bildsprache Dublins wird sauber und detailreich wiedergegeben, während der Ton sowohl die dichten, dialoglastigen Familienszenen als auch die punktuell eingesetzten Gewaltausbrüche klar und druckvoll transportiert. Wer die Serie im irisch-englischen Originalton erlebt, wird insbesondere den spezifischen Dubliner Sprachduktus der Darsteller zu schätzen wissen, der der Serie einen zusätzlichen Grad an Authentizität verleiht.
Fazit
"Kin – Nur Blut kann Blut vergelten" gelingt mit seiner zweiten Staffel ein bemerkenswertes Kunststück: Die Serie steigert die äußere Bedrohung durch ein internationales Kartell, verlagert den eigentlichen dramatischen Fokus jedoch konsequent nach innen, in die zerrüttete Psyche einer Familie, die an ihrem eigenen Erfolg zu zerbrechen droht. Getragen von einem durchweg starken Ensemble rund um Charlie Cox, Aidan Gillen und einem furios aufspielenden Francis Magee erzählt die Staffel von Loyalität, Verrat und der Unmöglichkeit, sich der eigenen Familiengeschichte zu entziehen. Polybands Blu-ray-Veröffentlichung liefert das Bild- und Tonmaterial zuverlässig und ohne Beanstandungen ab und bildet damit einen würdigen Rahmen für den Abschluss dieser kompromisslosen Dubliner Gangstersaga.