Mit „Batman 111: Die Rache des Löwen" liefert Panini die nächste Ausgabe der aktuellen deutschen Batman-Serie, die redaktionell aus dem amerikanischen Original-Run zusammengestellt wird und dabei gleich zwei parallel laufende Erzählstränge miteinander verbindet. Verantwortlich für die Hauptgeschichte zeichnen die Autoren Jeff Lemire und Tom Taylor, zwei der derzeit gefragtesten Stimmen im DC-Kosmos, die beide bereits mehrfach unter Beweis gestellt haben, wie souverän sie zwischen actiongetriebenem Superheldenspektakel und leiseren, emotional grundierten Charakterstudien zu wechseln vermögen. An den Zeichenstiften sitzen mit Mikel Janín und Dustin Nguyen zwei ebenso versierte Künstler, deren unterschiedliche visuelle Handschriften den beiden Geschichten dieses Heftes jeweils eine eigene, klar erkennbare Atmosphäre verleihen.
Im Zentrum der Haupthandlung steht eine Bedrohung, die Gotham City an den Rand des Kollapses treibt: Ein neuer, bislang unbekannter Schurke, der unter dem Namen „der Löwe" operiert, hat ein gefährliches Virus in Umlauf gebracht, das sich rasant in der Stadt ausbreitet. Für Batman und seine engsten Verbündeten wird die Situation zunehmend brenzlig, denn selbst der Dunkle Ritter bleibt von der Infektion nicht verschont. Während Batman also mit den körperlichen Folgen des Virus zu kämpfen hat und seine Ermittlungen ausgerechnet nach Metropolis führen, wo er sich mit Lois Lane zusammentut, um der Sache auf den Grund zu gehen, stellt sich zunehmend die bange Frage, ob es am Ende überhaupt noch Batman und seinen genialen Verbündeten vorbehalten sein wird, Gotham zu retten – oder ob die Rettung der Stadt in andere, vielleicht unerwartete Hände fallen muss. Mikel Janíns Zeichenstil verleiht dieser Geschichte eine kantige, dynamische Bildsprache, die sowohl die actionreichen Konfrontationen als auch die zunehmend fiebrige, bedrohliche Atmosphäre der viral verseuchten Stadt eindrucksvoll einfängt.
Parallel zu diesem Hauptplot widmet sich das Heft mit einer neuen Bonus-Geschichte dem jungen Jason Todd, jenem zweiten Robin, dessen tragisches Schicksal die Batman-Mythologie seit Jahrzehnten prägt. Verantwortlich für diese emotional dichte Nebengeschichte zeichnen erneut Jeff Lemire und Dustin Nguyen, ein Kreativteam, das sich bereits in der Vergangenheit intensiv mit der Figur des jungen Jason auseinandergesetzt hat und dabei stets ein besonderes Gespür für dessen innere Zerrissenheit zwischen kindlicher Verletzlichkeit und aufkeimender Wut bewiesen hat. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht die bange Frage, ob es Bruce Wayne gelingen kann, seinen Schützling Jason davor zu bewahren, sich zunehmend in Gewalt und Dunkelheit zu verlieren – ein thematischer Kern, der angesichts des bekannten weiteren Schicksals dieser Figur eine besonders bedrückende, fast schon vorausdeutende Note erhält. Dustin Nguyens weicherer, atmosphärisch aufgeladener Zeichenstil, den Fans bereits aus früheren gemeinsamen Arbeiten mit Lemire kennen, unterstreicht dabei den introspektiven, von Trauer und unterdrückter Aggression geprägten Charakter dieser Erzählung und hebt sie visuell deutlich von der actionorientierten Haupthandlung ab.
Die Kombination aus einer großen, stadtweiten Bedrohungslage in der Haupthandlung und einer intimen, charakterzentrierten Nebengeschichte über einen der emotional aufgeladensten Figuren des Batman-Kosmos erweist sich als gelungene redaktionelle Entscheidung. Während die Löwen-Geschichte mit ihrem Virus-Plot und der ungewöhnlichen Verlagerung des Schauplatzes nach Metropolis erzählerische Frische in die laufende Serie bringt, sorgt die Jason-Todd-Bonusgeschichte für jene emotionale Tiefe, die dem Batman-Mythos seit jeher seine besondere Wirkkraft verleiht. Gerade Fans, die sich für die komplexe Beziehung zwischen Bruce Wayne und seinem zweiten Robin interessieren, dürften an dieser Nebenhandlung besonderen Gefallen finden, zumal sie erkennbar auf eine noch dunklere, folgenreichere Entwicklung zusteuert.
Fazit
„Batman 111: Die Rache des Löwen" überzeugt durch die geschickte Verzahnung zweier erzählerisch unterschiedlicher, aber inhaltlich stimmig aufeinander abgestimmter Geschichten. Jeff Lemire und Tom Taylor liefern mit der Hauptgeschichte spannende, actionreiche Unterhaltung mit einer interessanten neuen Bedrohung, während die von Lemire und Nguyen verantwortete Bonusgeschichte über den jungen Jason Todd mit ihrer emotionalen Tiefe und der bedrückenden Vorahnung kommenden Unheils zu überzeugen weiß. Ein rundum gelungenes Heft für Fans des modernen Batman-Kosmos, das sowohl große Superheldenspektakel als auch leise Charaktermomente zu bieten hat.