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Mit „Paris Has Fallen“ wagt sich das erfolgreiche „Has Fallen“-Franchise erstmals ins Serienformat – und die Entscheidung erweist sich als ausgesprochen gelungen. Wo die Kinofilme rund um den ehemaligen Secret-Service-Agenten Mike Banning vor allem auf spektakuläre Action und eine hohe Schlagzahl setzen, erweitert die Serie das bekannte Konzept um eine internationale Spionagegeschichte, politische Intrigen und deutlich mehr Raum für die Entwicklung ihrer Figuren. Die erste Staffel umfasst acht rund einstündige Episoden und wurde von Studiocanal nun als Doppel-Blu-ray-Box veröffentlicht. Wer actionreiche Thriller mit Verschwörungen, Verfolgungsjagden und einer ordentlichen Portion politischer Spannung mag, bekommt hier eine Serie geboten, die von der ersten Folge an ordentlich Tempo macht.


Im Mittelpunkt steht der französische Schutzoffizier Vincent Taleb, der eigentlich für die Sicherheit des französischen Verteidigungsministers verantwortlich ist. Während eines offiziellen Termins kommt es zu einem folgenschweren Anschlag, der von der Terrororganisation um den geheimnisvollen Jacob Pearce durchgeführt wird. Schnell wird deutlich, dass es sich dabei keineswegs um einen isolierten Angriff handelt. Pearce verfolgt einen persönlichen Rachefeldzug und scheint einen weitreichenden Plan zu verfolgen, dessen Ausmaße Vincent zunächst kaum abschätzen kann.


Bei den Ermittlungen trifft Vincent auf die MI6-Agentin Zara Taylor. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein. Vincent kennt die französischen Sicherheitsstrukturen und arbeitet eher nach seinen eigenen Vorstellungen, während Zara als britische Geheimagentin eine professionelle, zielorientierte und teilweise ausgesprochen nüchterne Herangehensweise an den Fall mitbringt. Ausgerechnet dieses ungleiche Duo muss nun zusammenarbeiten, um Pearce aufzuhalten.


Dabei ist das gegenseitige Vertrauen zunächst alles andere als selbstverständlich. Nach und nach entsteht der Verdacht, dass Pearce über Informationen verfügt, die eigentlich nur aus den Reihen der Sicherheitsbehörden stammen können. Jemand scheint dem Terroristen Informationen zuzuspielen. Für Vincent und Zara bedeutet das, dass sie niemandem mehr uneingeschränkt vertrauen können. Je weiter ihre Ermittlungen voranschreiten, desto stärker werden sie aufeinander angewiesen. Aus einer zunächst eher zweckmäßigen Zusammenarbeit entwickelt sich eine Partnerschaft, die zu einem der großen Pluspunkte der Serie wird.


Die Geschichte funktioniert besonders gut, weil die Verantwortlichen nicht einfach acht Folgen lang eine Aneinanderreihung spektakulärer Actionsequenzen präsentieren. Natürlich steht die Action deutlich im Mittelpunkt, doch „Paris Has Fallen“ versucht gleichzeitig, die politischen und persönlichen Hintergründe seines Konflikts auszuleuchten. Jacob Pearce ist dabei kein austauschbarer Bösewicht, der lediglich möglichst viele Menschen in Gefahr bringen möchte. Hinter seinen Aktionen steckt ein persönliches Motiv, das im Verlauf der Staffel zunehmend an Bedeutung gewinnt.


Gerade Sean Harris verleiht dieser Figur eine bemerkenswerte Präsenz. Der aus „Mission: Impossible – Fallout“ bekannte Schauspieler spielt Pearce mit einer unheimlichen Ruhe und einer fast schon beängstigenden Konsequenz. Harris muss dabei nicht ständig laut oder übermäßig aggressiv auftreten, um seine Figur bedrohlich wirken zu lassen. Vielmehr entsteht die Gefahr gerade durch seine kontrollierte und schwer einzuschätzende Art. Dadurch bekommt der Gegenspieler deutlich mehr Profil als viele klassische Serien-Antagonisten.


Als Vincent Taleb überzeugt Tewfik Jallab. Der französische Schauspieler, bekannt unter anderem aus „Spiral“ und „Dark Hearts“, verleiht seiner Figur eine angenehme Mischung aus Härte, Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Vincent ist kein unfehlbarer Superheld, sondern ein Mann, der zunehmend unter enormem Druck steht. Die Verantwortung für die Sicherheit anderer, die Suche nach dem Maulwurf innerhalb der eigenen Reihen und die persönliche Bedrohung durch Pearce setzen ihm sichtbar zu. Gleichzeitig bleibt er handlungsfähig und entwickelt sich im Verlauf der Staffel zu einer immer entschlosseneren Figur.


Eine mindestens ebenso wichtige Rolle übernimmt Ritu Arya als Zara Taylor. Die aus „The Umbrella Academy“ bekannte Schauspielerin bringt viel Energie in die Serie und bildet einen gelungenen Gegenpol zu Jallabs Vincent. Zara ist intelligent, selbstbewusst und ausgesprochen kompetent, ohne dabei zur eindimensionalen Actionheldin zu werden. Zwischen ihr und Vincent entwickelt sich eine interessante Dynamik, die immer wieder für Spannung sorgt. Die beiden müssen lernen, ihre jeweiligen Stärken zu kombinieren, und genau daraus bezieht das Ermittlerduo einen großen Teil seines Reizes.


Zum internationalen Ensemble gehören außerdem Ana Ularu, bekannt aus „Emerald City“, sowie Camille Rutherford, die unter anderem in „Blau ist eine warme Farbe“ zu sehen war. Ebenfalls mit dabei sind Jérémie Covillault, Emmanuelle Bercot und Karl Collins, die das Ensemble um weitere markante Figuren ergänzen. Die internationale Besetzung passt hervorragend zur Geschichte, denn auch wenn Paris der zentrale Schauplatz ist, handelt es sich bei dem Konflikt längst nicht mehr um eine rein französische Angelegenheit.


Ein weiterer wichtiger Name hinter der Serie ist Howard Overman, der als Showrunner fungiert. Seine Aufgabe bestand dabei nicht nur darin, die bekannte Formel des „Has Fallen“-Franchise auf das Fernsehen zu übertragen, sondern gleichzeitig eine eigenständige Geschichte zu entwickeln. Das gelingt erstaunlich gut. „Paris Has Fallen“ fühlt sich zwar eindeutig wie ein Teil dieses Universums an, ist aber keineswegs darauf angewiesen, dass man die Kinofilme kennt. Wer „Olympus Has Fallen“, „London Has Fallen“ oder „Angel Has Fallen“ gesehen hat, erkennt natürlich die vertrauten Zutaten wieder, Neueinsteiger können aber problemlos in die Geschichte einsteigen.


Der größte Unterschied zum Kinoformat liegt im erzählerischen Aufbau. Eine Serie mit acht Episoden hat deutlich mehr Zeit, ihre Handlung auszubauen. Statt einen einzelnen Angriff innerhalb von zwei Stunden abzuhandeln, kann „Paris Has Fallen“ seine Verschwörung Schritt für Schritt entwickeln. Verdächtigungen werden aufgebaut, neue Informationen hinzugefügt und Figuren bekommen Gelegenheit, sich zu entfalten. Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Spannungsbogen, der die einzelnen Episoden miteinander verbindet.


Besonders gelungen ist dabei das Gefühl, dass Vincent und Zara tatsächlich ständig einen Schritt hinter Pearce zurückliegen. Immer wenn die beiden glauben, einer Spur näherzukommen, eröffnet sich ein neues Problem. Die Serie arbeitet dadurch mit einem angenehmen Katz-und-Maus-Spiel. Pearce bleibt lange schwer greifbar, während Vincent und Zara immer tiefer in die Angelegenheit hineingezogen werden.


Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz. Schießereien, Verfolgungsjagden, Explosionen und Nahkämpfe gehören fest zum Programm. Dabei profitiert die Serie davon, dass sie nicht jede einzelne Szene künstlich zum riesigen Spektakel aufblasen muss. Die Action wird regelmäßig eingesetzt, um die Handlung voranzutreiben oder den Druck auf die Hauptfiguren zu erhöhen. Besonders die Verfolgungssequenzen durch Paris sorgen für ordentliches Tempo und vermitteln gleichzeitig ein schönes Gefühl für die französische Hauptstadt.


Paris selbst wird dabei fast zu einer zusätzlichen Figur. Die bekannten Sehenswürdigkeiten und Straßen werden nicht ausschließlich als hübsche Kulisse genutzt, sondern immer wieder in die Handlung integriert. Das verleiht der Serie eine eigene Atmosphäre. Zwischen historischen Gebäuden, modernen Bürokomplexen, engen Straßen und unterirdischen Schauplätzen entsteht ein abwechslungsreiches Szenario, das sich deutlich von den eher amerikanisch geprägten Schauplätzen der bisherigen „Has Fallen“-Filme unterscheidet.


Auch optisch macht die Produktion einen hochwertigen Eindruck. Die Serie besitzt die Bildsprache eines modernen Actionthrillers und muss sich hinsichtlich Inszenierung und Ausstattung nicht hinter vergleichbaren internationalen Produktionen verstecken. Die Blu-ray-Auswertung spielt dabei natürlich ihre Stärken aus. Das Bild präsentiert sich scharf und detailreich, wobei gerade die zahlreichen Außenaufnahmen und nächtlichen Szenen von der HD-Auflösung profitieren. Auch die Actionszenen wirken entsprechend dynamisch und profitieren von einer insgesamt überzeugenden Präsentation.


Dass Studiocanal die komplette erste Staffel auf einer Doppel-Blu-ray-Box veröffentlicht, ist für Sammler klassischer physischer Heimkinoveröffentlichungen natürlich erfreulich. Gerade Serien werden inzwischen immer häufiger ausschließlich digital angeboten, weshalb eine solche Veröffentlichung durchaus ihre Daseinsberechtigung besitzt. Wer seine Filmsammlung lieber im Regal stehen hat und auf Streaming-Abhängigkeit verzichten möchte, bekommt hier eine kompakte Möglichkeit, die komplette erste Staffel physisch zu archivieren.


Inhaltlich lebt „Paris Has Fallen“ vor allem von seinem gelungenen Zusammenspiel aus Action und Thriller. Die Serie ist schnell, spannend und besitzt genügend erzählerische Substanz, um nicht nach den ersten Episoden zu ermüden. Gleichzeitig bleibt sie dem Geist des Franchise treu. Wer bereits mit den Kinofilmen seinen Spaß hatte, wird viele vertraute Elemente wiederfinden. Gleichzeitig geht die Serie eigene Wege und nutzt ihre längere Laufzeit, um Figuren und Handlung etwas ausführlicher zu entwickeln.


Natürlich sollte man keine realistische politische Analyse oder eine besonders tiefgründige Darstellung internationaler Geheimdienstpolitik erwarten. „Paris Has Fallen“ ist in erster Linie ein Unterhaltungs-Thriller. Manche Entwicklungen sind entsprechend zugespitzt, einige Zufälle wirken etwas konstruiert und auch bei den Fähigkeiten der Hauptfiguren darf man gelegentlich ein Auge zudrücken. Das gehört allerdings zum Genre und dürfte Fans des „Has Fallen“-Universums kaum überraschen. Die Serie will in erster Linie unterhalten – und genau das gelingt ihr ausgesprochen gut.


Gerade die Chemie zwischen Tewfik Jallab und Ritu Arya ist dabei ein entscheidender Faktor. Vincent und Zara sind kein klassisches Dreamteam, sondern müssen erst lernen, miteinander zu arbeiten. Ihre unterschiedlichen Charaktere sorgen für Reibung, aber eben auch für einige der unterhaltsamsten Momente. Gleichzeitig entwickelt sich zwischen beiden eine glaubwürdige Vertrauensbasis, die im Verlauf der Geschichte immer wichtiger wird.


Fazit: Mit der ersten Staffel von „Paris Has Fallen“ gelingt die Übertragung des erfolgreichen „Has Fallen“-Konzepts ins Serienformat überraschend überzeugend. Die acht Episoden bieten eine temporeiche Mischung aus Actionthriller, Verschwörungsgeschichte und politischem Spannungskino. Tewfik Jallab und Ritu Arya bilden ein starkes Hauptduo, während Sean Harris als Gegenspieler für die notwendige Bedrohlichkeit sorgt. Die Geschichte wird über die gesamte Staffel hinweg kontinuierlich weiterentwickelt und schafft es, immer wieder neue Fragen aufzuwerfen.


Wer die bisherigen „Has Fallen“-Filme mochte, darf hier bedenkenlos zugreifen. Gleichzeitig eignet sich die Serie auch für Zuschauer, die einfach Lust auf einen modernen, international besetzten Actionthriller haben. Die Doppel-Blu-ray von Studiocanal bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die komplette erste Staffel ins heimische Regal zu stellen und die spannende Jagd durch Paris unabhängig von einem Streamingdienst zu genießen. Ein gelungener Serienableger, der das Franchise sinnvoll erweitert und Lust auf mehr macht.