Port of Jumanah im Test: Perlentaucher-Romantik trifft auf Roguelite-Struktur


Mit Port of Jumanah wagt sich das indonesische Studio Agate in Gewässer, die im aktuell ohnehin schon dicht besiedelten Roguelite-Genre bislang kaum jemand befahren hat. Statt der x-ten Fantasywelt mit Schwert, Krone und Prophezeiung schickt Publisher Red Dunes Games den jungen Perlentaucher Mansour auf eine Reise, die sich unmittelbar aus den historischen Perlenfischertraditionen der arabischen Halbinsel speist, diese jedoch bewusst in eine farbenfrohe, mitunter absurd-komische Fantasywelt überführt. Seit dem 7. September ist das Spiel für PlayStation 5 sowie für PC über Steam und den Epic Games Store erhältlich. Ich habe mich für diesen Test in die Tiefen des Meeres begeben und geprüft, ob aus der ungewöhnlichen kulturellen Grundlage auch ein überzeugendes Spielerlebnis erwächst.


Eine Prise arabisches Märchen, viel Perlenglanz


Die Geschichte nimmt ihren Anfang denkbar ruhig: Mansour lebt als sorgloser Perlentaucher ein beschauliches Leben, bis eine eigentlich gewöhnliche Expedition zur Öffnung einer riesigen schwarzen Riesenmuschel führt und damit etwas freisetzt, das besser für immer auf dem Meeresgrund geblieben wäre. Von diesem Moment an führt Mansours Suche ihn durch verschiedene maritime Regionen, stets auf der Fährte geheimnisvoller schwarzer Perlen und einer Erklärung dafür, was sich unterhalb der Wasseroberfläche tatsächlich zusammenbraut. Auf seinem Weg begegnet er einer schlagfertigen Piratin, einer uralten Schildkröte, einer bemerkenswert wohlhabenden jungen Frau und einem Flaschengeist, der es sich nicht nehmen lässt, jeden aufzuziehen, der seinen Weg kreuzt. Diese Riege skurriler Begleitfiguren verleiht der Geschichte eine angenehm leichtfüßige, oft augenzwinkernde Note, die dem eigentlich ernsten Kern der Handlung eine willkommene Portion Humor entgegensetzt.


Besonders gelungen ist dabei, wie selbstbewusst Agate mit dem kulturellen Fundament umgeht. Statt die Perlenfischer-Tradition der Golfregion möglichst originalgetreu nachzubilden, wird sie liebevoll und mit einer gehörigen Portion Ironie in eine erfundene Fantasywelt übersetzt. Innerhalb eines Genres, das in den vergangenen Jahren gefühlt immer wieder dieselben mythologischen Pfade beschritten hat, wirkt dieses frische Setting angenehm eigenständig und verschafft Port of Jumanah eine visuelle wie erzählerische Identität, die größeren, deutlich budgetstärkeren Fantasyproduktionen nicht selten fehlt.


Struktur: Vorbereitung, Tauchgang, Rückkehr in den Hafen


Spielerisch folgt Port of Jumanah dem inzwischen vertrauten Rhythmus vieler Roguelite-Vertreter. Bevor es unter die Wasseroberfläche geht, wählt man im heimischen Hafen Waffen, Gadgets und Besatzungsmitglieder aus, um eine auf die bevorstehende Expedition zugeschnittene Ausrüstung zusammenzustellen. Wer clever plant, kann sich dabei zusätzlich Freunde an Bord holen, die während der Fahrt tatkräftig zur Seite stehen – selbst eine Schiffskatze gehört zur potenziellen Crew, auch wenn sich erst im Spiel herausstellt, was genau sie tatsächlich beizutragen hat.


Die eigentlichen Tauchgänge wechseln zwischen ruhigeren Erkundungspassagen und temporeichen Kämpfen gegen allerlei Meeresgetier, wobei jede der bereisten Regionen mit einer Konfrontation gegen einen mächtigen Wächter endet. Ist eine Expedition überstanden, kehrt Mansour zurück in den Hafen, der als zentraler Knotenpunkt dient: Hier lassen sich Aufträge abschließen, die Hintergrundgeschichten der zahlreichen Begegnungen vertiefen und die eigene Ausrüstung für den nächsten Abstieg verbessern. Aus diesem Wechselspiel aus Vorbereitung, Erkundung, Kampf und Rückkehr entsteht ein Spielfluss, der sich zumindest in der Theorie angenehm rund anfühlt und motiviert, immer wieder eine weitere Runde zu drehen.


Kampfsystem mit sauberem Gefühl, aber wenig Tiefe


In Sachen Kampfgefühl kann Port of Jumanah durchaus überzeugen. Das 2,5D-Kampfsystem reagiert präzise, die Ausweichrolle fühlt sich befriedigend knackig an, und das Zusammenspiel aus schnellen Angriffen und taktischem Rückzug passt gut zu der insgesamt aufgeräumten, leicht zugänglichen Spielidentität. Gerade in den intensiveren Auseinandersetzungen gegen die Regionswächter macht das Kämpfen durchaus Laune und wird von der farbenfrohen, an Unterwasserwelten angelehnten Kulisse stimmungsvoll begleitet.


Wo das Spiel jedoch merklich schwächelt, ist die tatsächliche Roguelite-Substanz unterhalb der schönen Oberfläche. Die anfängliche Herausforderung lässt bereits nach wenigen Spielstunden spürbar nach, ein Ableben während eines Tauchgangs zieht kaum spürbare Konsequenzen nach sich, und der vorhandene Pool an Power-ups und temporären Verstärkungen erzeugt über die verschiedenen Durchläufe hinweg keine wirklich unterschiedlichen Spielstile oder Builds. Wer regelmäßig anspruchsvolle Genrevertreter spielt, dürfte hier schnell merken, dass unter der liebevoll gestalteten Fassade eine gewisse strukturelle Leere klafft. Mit einer Gesamtspielzeit von deutlich unter fünf Stunden bis zum vollständigen Durchspielen aller Inhalte bleibt zudem fraglich, ob die kulturelle und atmosphärische Frische des Settings allein ausreicht, um über die dünne mechanische Basis hinwegzutrösten.


Technische Umsetzung auf der PS5


Auf der PlayStation 5 präsentiert sich Port of Jumanah technisch unauffällig solide. Das Spiel läuft durchweg stabil, auch in hektischeren Kampfsituationen sind weder Einbrüche der Bildrate noch spürbare Unsicherheiten in der Steuerung festzustellen. Angesichts des überschaubaren Produktionsumfangs ist das zwar keine herausragende technische Leistung, verdient angesichts der insgesamt sauberen Umsetzung aber dennoch Anerkennung, zumal gerade kleinere Produktionen mitunter mit genau solchen Problemen zu kämpfen haben.


Fazit


Port of Jumanah hat unbestreitbar eine eigene Identität, an der es vielen Genrevertretern mangelt. Die liebevolle, augenzwinkernde Verarbeitung der arabischen Perlenfischer-Tradition, die skurrile Begleitcrew und das saubere, befriedigende Kampfgefühl sorgen für einen angenehm frischen Auftritt innerhalb eines mittlerweile ziemlich dicht besetzten Genres. Wo das Spiel hingegen deutlich schwächelt, ist die eigentliche Roguelite-Struktur darunter: Die Herausforderung baut schnell ab, das Sterben kostet praktisch nichts, und die Vielfalt an Builds bleibt überschaubar, was gerade Genrekennerinnen und -kenner nach kurzer Zeit unbefriedigt zurücklassen dürfte. Wer in erster Linie auf der Suche nach einem kurzweiligen, optisch und thematisch eigenständigen Abenteuer mit charmanten Figuren ist und keine tiefgreifende mechanische Herausforderung erwartet, findet in Port of Jumanah dennoch einen angenehmen, wenn auch kurzen Tauchgang.