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Anything Else – Filmkritik und Blu-ray-Review


New York City, dichter Verkehr, endlose Gespräche über Liebe, Tod und Therapie – wer diese Zutaten kennt, ahnt bereits, wer hinter „Anything Else" steckt. Woody Allen kehrt mit seinem 2003 entstandenen Film noch einmal zu seinem ureigenen Terrain zurück, dem neurotischen New Yorker Großstadtleben, und schickt diesmal einen jungen Stellvertreter ins Rennen um die eigene Verwirrung. OneGate Media bringt die romantische Komödie nun im August 2026 als Neuauflage auf Blu-ray in den deutschen Handel und gibt damit einem Film eine zweite Chance, der bei seiner Kinoauswertung eher zurückhaltend aufgenommen wurde, sich seither aber eine treue Fangemeinde erarbeitet hat.


Zwischen Schreibblockade und Beziehungschaos


Jerry Falk ist ein junger Autor mit großen Träumen, der beruflich, emotional und auch sexuell auf der Stelle tritt. Seine Freundin Amanda ist wunderschön, schwierig und wird ihm zusehends unerreichbarer, während sein Agent sich als Klotz am Bein erweist und selbst der eigene Therapeut keine wirkliche Hilfe bietet. Erst der exzentrische ältere Kollege David Dobel bringt Bewegung in Jerrys festgefahrenes Leben – mit schrägen Lebensweisheiten, hanebüchenen Paranoia-Tipps und der denkwürdigen Empfehlung, sich zur eigenen Sicherheit eine Waffe zuzulegen. Zwischen Liebeschaos, Schreibblockaden und den für Allen so typischen, ausufernden Gesprächen über das große Ganze muss Jerry sich letztlich entscheiden: alles beim Alten belassen oder radikal umsteuern.


Woody Allen als Regisseur und Schauspieler in Personalunion


Woody Allen, seit den frühen 1970er-Jahren einer der prägendsten und produktivsten Autorenfilmer des amerikanischen Kinos, bedient sich in „Anything Else" erneut jener Themen, die sein Werk seit „Der Stadtneurotiker" durchziehen: die Unmöglichkeit dauerhaften Glücks, die Selbstsabotage in der Liebe und das komische Potenzial der eigenen Ängste. Anders als in vielen seiner früheren Filme tritt Allen hier jedoch nicht als Hauptfigur auf, sondern überlässt den jungen Part einem Stellvertreter und beschränkt sich selbst auf die Rolle des David Dobel, eines abgeklärten, leicht paranoiden Mentors. Diese Verschiebung der Perspektive – der alternde Allen beobachtet gewissermaßen sein jüngeres Alter Ego von außen – verleiht dem Film eine interessante Doppelbödigkeit, auch wenn Kritiker seinerzeit bemängelten, dass hier vieles aus früheren, stärkeren Werken wiederverwertet werde.


Jason Biggs als neuer Allen-Typus


Für die Rolle des Jerry Falk verpflichtete Allen mit Jason Biggs einen Schauspieler, der zuvor vor allem durch die „American Pie"-Reihe internationale Bekanntheit erlangt hatte. Biggs übernimmt hier hörbar den nervösen, selbstreflexiven Sprachduktus, der seit jeher als Allens Markenzeichen gilt, und positioniert sich damit in eine Reihe mit früheren Allen-Stellvertretern wie John Cusack oder Kenneth Branagh. Ob ihm dieser Rollenwechsel vollständig gelingt, wurde seinerzeit kontrovers diskutiert – unbestritten ist jedoch, dass Biggs mit dieser Besetzung bewusst gegen sein Klamauk-Image aus den Teenagerkomödien der Jahrtausendwende antrat.


Christina Ricci als unberechenbare Amanda


An seiner Seite agiert Christina Ricci, die dem Publikum bereits durch ihre Rolle als Katrina Van Tassel in Tim Burtons „Sleepy Hollow" sowie durch ihre vielbeachtete Hauptrolle in „The Opposite of Sex – Das Gegenteil von Sex" bekannt war. Als Amanda verkörpert Ricci eine junge Frau, die zwischen Anziehung und Rückzug changiert und Jerrys Leben ebenso bereichert wie durcheinanderwirbelt. Ricci gehörte zu jener Zeit bereits zu den gefragtesten jungen Charakterdarstellerinnen Hollywoods und bringt der komplizierten Figur eine Mischung aus Verletzlichkeit und Undurchschaubarkeit entgegen, die den Film über weite Strecken trägt.


Ein Ensemble aus New Yorker Urgesteinen


Verstärkt wird die Besetzung durch Danny DeVito, der als Jerrys glückloser Agent auftritt und dem Publikum aus unzähligen Rollen bekannt ist, darunter seine vielbeachtete Leistung in „Einer flog über das Kuckucksnest" sowie als Produzent und Regisseur zahlreicher eigener Filme. Stockard Channing, spätestens seit ihrer Rolle als Rizzo in „Grease" ein fester Bestandteil der amerikanischen Popkultur, übernimmt eine der prägnanten Nebenrollen. Für einen zusätzlichen popkulturellen Reiz sorgt der Auftritt von Jimmy Fallon, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten vor allem als Cast-Mitglied von „Saturday Night Live" bekannt war und erst Jahre später zum gefeierten Late-Night-Moderator avancierte. Diese Konstellation aus etablierten Charakterdarstellern und aufstrebenden jungen Talenten verleiht dem Ensemble eine Reibung, die dem Film gut zu Gesicht steht.


Bild und Ton der deutschen Neuauflage


OneGate Media bringt „Anything Else" in der ungekürzten Kinofassung mit einer Laufzeit von rund 108 Minuten heraus. Tontechnisch liegt der Film sowohl in deutscher als auch englischer Sprache in DTS-HD Master Audio 2.0 Mono vor – eine Tonmischung, die dem ursprünglichen Charakter des Films angemessen ist, da Allen seine dialoglastigen Komödien traditionell eher zurückhaltend im Sounddesign anlegt und der Fokus klar auf dem gesprochenen Wort liegt.


Verpackung und Bonusmaterial


Die Veröffentlichung erscheint als Standardvariante auf Blu-ray, ohne Mediabook oder sonstige Sammlerausstattung. Zusätzliches Bonusmaterial ist für diese Neuauflage nicht bekannt, sodass sich die Scheibe – ganz im Sinne einer nüchternen Katalogauswertung – auf den Hauptfilm konzentriert. Wer auf Interviews, Audiokommentare oder Hintergrundberichte zur Entstehung des Films gehofft hatte, muss also auf externe Quellen zurückgreifen.


Fazit


„Anything Else" mag im Gesamtwerk Woody Allens nicht zu den ganz großen Würfen zählen und wurde bei seinem Erscheinen zu Recht mit dem Vorwurf konfrontiert, viele Motive aus stärkeren Vorgängerfilmen zu recyceln. Dennoch bietet der Film mit seinem pointierten Dialogwitz, der sorgfältig ausgewählten Besetzung und dem unverwechselbaren New-York-Flair genug Substanz, um auch über zwanzig Jahre nach seiner Entstehung noch zu unterhalten. Die deutsche Neuauflage von OneGate Media macht diesen Film nun endlich wieder regulär zugänglich, verzichtet dabei aber vollständig auf zusätzlichen Mehrwert in Form von Bonusmaterial. Für Allen-Sammler und Fans des neurotischen New-York-Kinos dennoch ein Pflichtkauf.