Absolute Superman Band 5 – Die Schlacht um Kansas
Mit Band 5 erreicht Paninis deutsche Ausgabe von „Absolute Superman“ einen entscheidenden Wendepunkt der Serie. Was als weitgehend eigenständige, radikal neu gedachte Interpretation des Man of Steel begann, kulminiert nun in einer offenen militärischen Konfrontation, die das beschauliche Smallville in ein regelrechtes Schlachtfeld verwandelt und die bisherige Erzählung um eine schmerzhafte Zäsur bereichert.
Handlung: Belagerung einer Kleinstadt
Eine Armee aus Peacemaker-Agenten, unterstützt von mächtigen Kampfmaschinen und Hubschraubern, marschiert im ländlichen Kansas auf, um die idyllische Kleinstadt Smallville zu belagern. Das erklärte Ziel dieser martialischen Machtdemonstration ist eindeutig: Superman soll ausgeschaltet werden. Gemeinsam mit seinen engsten Vertrauten Lois Lane und Jimmy Olsen stellt sich der Held der wirtschaftlichen und militärischen Übermacht des Mega-Konzerns Lazarus Corp entgegen, hinter dem kein Geringerer als Ra's al Ghul steht. Für den einstigen Anführer der Assassinen ist dabei jedes Mittel recht, um seinen Sieg zu erringen, eine Rücksichtslosigkeit, die den Konflikt zunehmend eskalieren lässt und schließlich dazu führt, dass einer von Supermans Verbündeten das größte denkbare Opfer bringen muss, um die Schlacht um Kansas für sich zu entscheiden.
Diese Zuspitzung auf einen konkreten, geografisch verorteten Kriegsschauplatz mitten im amerikanischen Heartland verleiht dem Band eine besondere erzählerische Wucht. Statt abstrakter Weltraumbedrohungen oder metropolenweiter Zerstörung rückt hier die Verwundbarkeit eines vertrauten, bodenständigen Ortes in den Mittelpunkt, was der Geschichte eine spürbar persönlichere und bedrückendere Note verleiht.
Ra's al Ghul als Gegenspieler
Die Entscheidung, Ra's al Ghul und dessen Lazarus Corp als treibende Kraft hinter der Belagerung zu positionieren, erweist sich als reizvoller Kniff der „Absolute“-Neuinterpretation. Statt eines klassischen Superman-Widersachers tritt hier ein Figur aus dem Batman-Kosmos in Erscheinung, dessen Machtmittel weniger aus Superkräften als aus wirtschaftlichem Einfluss, technologischer Überlegenheit und eiskalter strategischer Berechnung resultieren. Diese Verschiebung der Bedrohung von physischer auf institutionelle und ökonomische Macht passt sich stimmig in das grundsätzliche Konzept der „Absolute“-Reihe ein, die etablierte Figuren bewusst in ungewohnte Konstellationen und düsterere Kontexte versetzt.
Autor und Zeichner
Verantwortlich für die Geschichte zeichnet Jason Aaron, ein Autor, der sich bereits durch prägende Arbeiten an Marvel-Titeln wie „Avengers“ und vor allem seiner gefeierten, mehrjährigen Run an „Thor“ einen Namen als einer der profiliertesten Comicautoren seiner Generation gemacht hat. Aarons Vorliebe für mythologisch aufgeladene, epische Erzählbögen mit hohem emotionalem Einsatz zeigt sich auch in „Absolute Superman“ deutlich, insbesondere in der Bereitschaft, zentrale Figuren tatsächlich einem greifbaren Risiko auszusetzen.
Die zeichnerische Umsetzung teilen sich Rafa Sandoval und Juan Ferreyra. Sandoval, der zuvor unter anderem an „Flash“ und „Teen Titans Academy“ mitgewirkt hat, bringt dynamische Actionchoreografien und ein klares, energiegeladenes Figurendesign mit, das den großangelegten Kampfszenen um Smallville die nötige visuelle Wucht verleiht. Ferreyra, bekannt für seine atmosphärisch dichten Arbeiten an Titeln wie „Green Arrow“ und „Gotham by Midnight“, steuert eine malerischere, stimmungsvollere Bildsprache bei, die insbesondere in den emotional aufgeladeneren Momenten des Bandes zur Geltung kommt. Das Zusammenspiel beider Zeichner sorgt für einen visuellen Rhythmuswechsel, der die unterschiedlichen Erzählregister, von roher militärischer Konfrontation bis zu stillen, verlustreichen Momenten, überzeugend abbildet.
Emotionale Wucht und Wendepunkt
Was diesen fünften Band besonders macht, ist die Bereitschaft, tatsächliche Konsequenzen aus dem eskalierenden Konflikt zu ziehen. Das große Opfer, das einer von Supermans Verbündeten erbringen muss, verleiht der Schlacht um Kansas ein Gewicht, das über reine Spektakel-Action hinausgeht und die Geschichte in eine neue, ernstere Phase überführt. Gerade Leser*innen, die die bisherigen Bände der Reihe verfolgt haben, dürften diesen Wendepunkt als konsequente und verdiente Zuspitzung der bislang aufgebauten Konflikte empfinden.
Fazit
„Absolute Superman Band 5“ markiert einen entscheidenden dramaturgischen Wendepunkt in Jason Aarons Neuinterpretation des Man of Steel. Die Verlagerung des Konflikts auf eine handfeste militärische Belagerung Smallvilles, angeführt von einem geschickt gewählten Ra's al Ghul, sorgt für hohe Spannung und emotionale Wucht, während das Zeichnerduo Rafa Sandoval und Juan Ferreyra mit unterschiedlichen, sich ergänzenden Stilen sowohl die actionreichen als auch die stilleren, verlustreichen Momente überzeugend visualisieren. Ein packender, folgenreicher Band, der zeigt, dass die „Absolute“-Reihe auch weiterhin bereit ist, mit den Erwartungen ihrer Leserschaft zu spielen.