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No More Room in Hell 2 – Review (PS5)


Wenn die Stille lauter schreit als jeder Jumpscare


Fünfzehn Jahre nachdem "No More Room in Hell" als kostenloser Source-Mod aus der Half-Life-2-Community hervorging und sich dort einen treuen Fankreis erspielte, wagt Entwickler Torn Banner Studios mit dem eigenständigen Nachfolger den Sprung auf die Konsolen. Nach zwei Jahren Early Access auf dem PC erscheint No More Room in Hell 2 nun mit der Version 1.0 auch für PlayStation 5, und was zunächst wie ein weiterer Beitrag zum überfüllten Zombie-Genre wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als bewusster Gegenentwurf zu den Machtfantasien, mit denen die meisten Vertreter dieses Genres inzwischen kokettieren.


Ein Koop-Erlebnis ohne Sicherheitsnetz


Im Zentrum steht die Objective-Mode-Kampagne, in der bis zu acht Spieler gemeinsam als Ersthelfer in verseuchte Sperrzonen vordringen. Es gibt keinen leuchtenden Wegpunkt, der den Weg weist, keine Musik, die vor Gefahr warnt. Genau diese Zurückhaltung ist es, die dem Spiel seinen Charakter verleiht: Wer hier überleben will, muss auf das Ohr statt auf das Auge vertrauen, jede Schusswaffe zweimal überdenken, bevor er sie einsetzt, und akzeptieren, dass ein gefallener Teamkollege endgültig verloren ist. Das Permadeath-Prinzip verleiht selbst kleinsten Entscheidungen ein Gewicht, das in kaum einem anderen Koop-Shooter dieser Tage noch spürbar ist. Wo andere Titel mit Waffenarsenalen und Highscores locken, verlangt No More Room in Hell 2 Geduld, Kommunikation und die Bereitschaft, sich vor der eigenen Lautstärke zu fürchten.


Ergänzt wird diese Kampagne durch den neuen, achtspieler-tauglichen Survival-Modus, in dem Teams festgelegte Sektoren gegen anrollende Zombiewellen verteidigen, unterstützt von Nachschublieferungen und einem finalen Rettungsfahrzeug. Wer die schleichende Anspannung des Hauptmodus vermisst, wird hier ein deutlich temporeicheres, actionorientierteres Pendant finden, das eher an klassische Horde-Modi erinnert als an die zermürbende Stille der Objective-Karten.


Neue Schauplätze, alte Ängste


Mit dem 1.0-Release liefert Torn Banner unter anderem die neue Karte Raven Rock nach, deren enge Sichtachsen sich immer wieder in tödliche Nadelöhre verwandeln, sowie ein ländliches Gehöft, das unverkennbar von "Night of the Living Dead" inspiriert ist und Spieler vor die unangenehme Wahl zwischen der trügerischen Sicherheit vier Wände und der Bewegungsfreiheit offenen Geländes stellt. Es ist stimmiges, durchdachtes Leveldesign, das zeigt, wie sehr das Studio inzwischen versteht, welche Stärken seine eigene Formel besitzt.


Der Umfang der Überarbeitung für die finale Version ist beachtlich: Über achttausend Fehlerbehebungen und Performance-Optimierungen sind eingeflossen, dazu ein neuer Einzelspielermodus zum Erkunden der Karten, ein interaktives Tutorial, erweiterte Charakteranpassung und überarbeitete Schwierigkeitsgrade. Funktionen wie ein Wiederverbindungs-System für unterbrochene Partien oder eine "Unstuck"-Option klingen unspektakulär, machen den Alltag in einem Multiplayer-Überlebensspiel aber spürbar angenehmer. Wichtig dabei: Die Schwierigkeitsgrade Hard und Nightmare bleiben so fordernd wie eh und je, sodass Einsteiger eine Eingewöhnung erhalten, ohne dass erfahrene Spieler ihre Herausforderung verlieren.


Der Konsolen-Einstand


Für PS5-Spieler bedeutet der Release vor allem eines: den erstmaligen Zugang zu einer Reihe, die bislang fest in der Domäne des PCs verankert war. Dank vollständigem Crossplay zwischen PC, Xbox Series und PlayStation können Konsolenspieler von Beginn an mit der bestehenden Community zusammenspielen, was gerade für ein Spiel, das von koordinierten Teams lebt, ein spürbarer Vorteil ist. Die Steuerung überträgt sich überraschend geschmeidig auf den Controller, auch wenn das eher gemächliche Kampftempo – Zombies werden hier mit Vorschlaghämmern traktiert statt mit Feuerstößen zerlegt – dem Gamepad grundsätzlich entgegenkommt.


Ganz frei von Kinderkrankheiten ist der Launch dennoch nicht. Vereinzelte technische Unregelmäßigkeiten und ein gewisser Rest an Balancing-Fragen erinnern daran, dass die Early-Access-Phase auf dem PC durchaus turbulent verlief und nicht jede Kritik daraus vollständig ausgeräumt wurde. Wer allerdings bereit ist, sich auf das bedächtige, konsequenzenreiche Tempo des Spiels einzulassen, bekommt dafür eine Atmosphäre geboten, die in ihrer Kompromisslosigkeit ihresgleichen sucht.


Fazit


No More Room in Hell 2 ist kein Spiel für alle, die sich schnelle Erfolgserlebnisse und wattierte Herausforderungen wünschen. Es ist ein Spiel für alle, die sich noch daran erinnern, wie es sich anfühlte, in einem Zombietitel tatsächlich Angst zu haben – vor dem eigenen Lärm, vor der eigenen Munitionsknappheit, vor dem eigenen Team. Mit dem Sprung auf die PS5 erhält dieses Nischenerlebnis endlich die Bühne, die es verdient, auch wenn der ein oder andere technische Schliff noch aussteht.