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Everspace 2: Galactic Edition – Review (Nintendo Switch 2)


Ein Shadow Drop mit Ansage


Es gehört zu den angenehmeren Überraschungen dieses Spielejahres, dass Everspace 2 seinen Weg auf die Switch 2 gefunden hat, und zwar völlig unangekündigt und ohne große Vorlaufzeit. Was die Sache noch bemerkenswerter macht: Rockfish Games, das Kölner Studio hinter der Reihe, hatte einen Switch-Port des zweiten Teils ursprünglich rundweg ausgeschlossen, mit der Begründung, das Spiel sei technisch schlicht zu ambitioniert für Nintendos mobile Hardware. Dass ausgerechnet ein deutsches Entwicklerteam nun mit der Switch 2 einen zweiten Anlauf wagt und dabei gleich die komplette Galactic Edition inklusive beider Erweiterungen abliefert, ist ein Statement für sich.


Cluster 34 und die Geschichte eines Klonpiloten


Wer mit der Marke bislang nichts anfangen konnte: Everspace 2 erzählt die Geschichte von Adam, einem Klonpiloten, der sich in der entmilitarisierten Zone des Cluster 34 wiederfindet und sich dort durch eine Mischung aus Haupthandlung und unzähligen Nebenaufgaben kämpft. Anders als der roguelike-geprägte erste Teil verzichtet die Fortsetzung auf permanenten Tod und setzt stattdessen auf eine offene, handgefertigte Spielwelt mit persistenter Charakterentwicklung, in der sich Erkundung, Loot-Sammeln, Bergbau und Handwerk zu einem klassischen Action-Rollenspiel im Weltraum verbinden. Zehn Sternensysteme mit über hundertzwanzig handgestalteten Orten warten darauf, erkundet zu werden, und wer sich sowohl der Hauptgeschichte als auch den zahlreichen Nebenpfaden widmet, kann leicht auf fünfzig Stunden und mehr Spielzeit kommen. Die Galactic Edition, die auf der Switch 2 exklusiv erscheint, bündelt dabei das Hauptspiel mit den Erweiterungen Titans und Wrath of the Ancients sowie dem Supporter Pack zu einem Gesamtpaket, sodass Neueinsteiger keinerlei Zusatzkäufe mehr tätigen müssen, um den vollständigen Umfang zu erleben.


Wie sich der Weltraum auf der Switch 2 anfühlt


Die eigentliche Frage bei jedem Port dieser Größenordnung ist natürlich, wie viel von der ursprünglichen PC- und Konsolenerfahrung tatsächlich ankommt. Und hier überrascht Everspace 2 positiv. Für die technische Umsetzung zeichnet mit Engine Software ein erfahrener Portierungs-Spezialist verantwortlich, der bereits bei zahlreichen anderen anspruchsvollen Switch-Umsetzungen sein Können unter Beweis gestellt hat, und das zahlt sich hier aus. Sowohl im Handheld- als auch im Docked-Betrieb läuft das Spiel mit einer soliden, weitgehend stabilen Bildrate von dreißig Bildern pro Sekunde, wobei erste Spielerberichte sogar von einem überraschend geschmeidigen Bewegungseindruck sprechen, der sich subjektiv flüssiger anfühlt, als es die reine Zahl vermuten lässt. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei Everspace 2 um ein visuell durchaus forderndes Weltraumspektakel mit dichten Asteroidenfeldern, dynamischer Beleuchtung und ausufernden Partikeleffekten in Kampfszenen handelt, ist das eine beachtliche Leistung für Nintendos mobile Hardware. Wer mit dem Vorgänger auf der ersten Switch seine Erfahrungen gemacht hat, der dort spürbar mit Auflösungseinbrüchen und Bildratenproblemen zu kämpfen hatte, wird den Unterschied auf der neuen Konsole deutlich merken.


Ganz ohne Kompromisse kommt aber auch diese Fassung nicht aus. Die native Rendering-Auflösung liegt merklich unter dem, was PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S bieten, und wird über eine Nintendo-eigene, vergleichsweise sparsame Umsetzung von DLSS hochgerechnet. In ruhigeren Momenten und beim Erkunden der Systeme fällt das kaum ins Gewicht, in dicht gedrängten Gefechten mit vielen Gegnern und Effekten auf dem Bildschirm zeigt sich die Grenze der Hardware dann doch gelegentlich in Form von etwas weicheren Texturen. Für ein Spiel, das ursprünglich klar auf leistungsstärkere Plattformen zugeschnitten war, bleibt das jedoch ein überraschend kleiner Wermutstropfen.


Umfang, Lokalisierung und ein Update in Sicht


Besonders erfreulich für die deutschsprachige Zielgruppe: Everspace 2 bietet vollständige deutsche Sprachausgabe und nicht nur Untertitel, was bei internationalen Veröffentlichungen dieser Größenordnung längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Digital erhältlich ist die Galactic Edition für 49,99 Euro ausschließlich über den Nintendo eShop, eine physische Fassung ist nicht vorgesehen. Rockfish Games hat zudem bereits angekündigt, dass für alle Plattformen noch in diesem Jahr ein finales Optimierungs-Update folgen soll, das die technische Basis des Spiels ein letztes Mal überarbeitet, bevor sich das Studio inhaltlich neuen Projekten im Everspace-Universum zuwendet. Wer also ohnehin noch etwas zuwartet, darf mit einer weiter verbesserten Fassung rechnen, auch wenn schon der aktuelle Zustand vollkommen rund und spielbar ist.


Fazit


Everspace 2: Galactic Edition ist eine der erfreulichsten Portierungsüberraschungen dieses Sommers und der Beweis dafür, dass sich die Skepsis gegenüber der Switch als Zielplattform für ambitionierte PC-Titel mit der neuen Hardware-Generation zunehmend auflöst. Wer schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, sich als Klonpilot durch die Sternensysteme des Cluster 34 zu kämpfen, aber lieber unterwegs statt am Schreibtisch spielt, bekommt hier eine technisch überraschend gelungene, inhaltlich vollständige Fassung eines der besten Weltraum-Rollenspiele der letzten Jahre, noch dazu mit vorbildlicher deutscher Lokalisierung.