Akatori (PS5) – Wenn ein Feuervogelstab zum Schlüssel für fünf Welten wird
Mit "Akatori" bringt das noch junge Entwicklerstudio Contrast Games sein Debütwerk auf die PS5 – ein 2.5D-Metroidvania, das schon vor Release mit seiner Optik viele Genrefans neugierig gemacht hat. Veröffentlicht wird der Titel von Games Harbor, nachdem eine PC-Fassung bereits am 5. August über Steam erschienen war; die Konsolenversionen für PS5, PS4 sowie Xbox One und Series X|S folgten am 12. August, eine Umsetzung für Switch 2 ist für 2027 angekündigt. Für ein Erstlingswerk ist das ein durchaus mutiger Rundumschlag, und wie sich zeigt, trägt das Studio diesen Anspruch auch spielerisch mit.
Geschichte und Welt
Im Zentrum steht Mako, eine junge Kampfkünstlerin, die im Feuervogel-Tempel aufgewachsen ist. Als mysteriöse Amber-Stürme beginnen, sämtliches Leben in den umliegenden Reichen zu korrumpieren und zu entstellen, macht sich Mako auf, dem Ursprung dieser Bedrohung auf den Grund zu gehen. Begleitet wird sie von einem rätselhaften roten Vogel, der in ihrem Stab versiegelt ist und dessen wahre Absichten lange im Dunkeln bleiben. Die Reise führt durch fünf eigenständige Welten mit jeweils eigenem Biom, eigener Erzählung und eigenen Herausforderungen – von sonnendurchfluteten Tempelhöfen über schwebende Ruinenstädte bis zu verzerrten, von den Amber-Stürmen gezeichneten Landschaften. Erzählerisch bewegt sich Akatori dabei eher im klassischen Rahmen des Genres: Die Geschichte um Erwachsenwerden, Selbstfindung und Weltenrettung bricht keine neuen Pfade, liefert aber einen soliden roten Faden und einige interessante thematische Untertöne, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen.
Bewegung, Kampf und der Stab als Herzstück
Spielerisch dreht sich bei Akatori fast alles um besagten Stab. Er ist gleichermaßen Waffe wie Fortbewegungswerkzeug: Mako kann mit ihm Bodenkombos und Luftangriffe verketten, ihn als Wurfgeschoss einsetzen und mitten in der Flugbahn wieder zurückziehen, sich an Wänden einhaken, gleiten, an Hängen abrutschen und sich so durch die stark vertikal angelegten Levelarchitekturen parkourartig hindurchbewegen. Genau in diesem Zusammenspiel aus Bewegung und Kampf liegt die größte Stärke des Spiels – wenn ein Luftcombo nahtlos in einen Wandsprung übergeht, der wiederum in einen Gleitflug mündet, entsteht ein Bewegungsfluss, der spürbar von modernen, tempofokussierten Vertretern des Genres inspiriert ist. Über zwanzig verschiedene reguläre Gegnertypen sowie mehrere markante Bossbegegnungen sorgen dafür, dass der Kampf nicht bloß Beiwerk zur Erkundung bleibt.
Zugleich zeigt sich hier auch die Grenze des Spiels: Mehrere unabhängige Stimmen aus der internationalen Fachpresse beschreiben das Kampfsystem als solide, aber auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden eher unterkomplex – wer bereits viele Genrevertreter kennt, dürfte erst auf höheren Stufen echte taktische Tiefe finden. Auch die Schwierigkeitskurve wird an einigen Stellen als sprunghaft beschrieben, mit Passagen, die eine Präzision der Steuerung verlangen, die nicht immer hundertprozentig eingelöst wird. Positiv fällt dagegen auf, dass Akatori bewusst auf ausuferndes Backtracking und übermäßige Schlüsseljagd verzichtet und die Erkundung dadurch angenehm zielgerichtet bleibt – ein Umstand, der das Spiel gerade für Genre-Neulinge zugänglicher macht, ohne erfahrenere Spielerinnen und Spieler völlig außen vor zu lassen.
Technische Präsentation und Klang
Optisch ist Akatori zweifellos der Bereich, in dem Contrast Games am meisten überzeugt. Die Kombination aus detailreichen 2D-Pixelsprites für Charaktere und stimmungsvoll gestalteten 3D-Hintergründen erzeugt einen unverwechselbaren, fast gemäldehaften Look, der stark an das 32-Bit-Zeitalter erinnert, ohne nostalgisch zu wirken. Besonders die Wasserreflexionen, die Lichtstimmungen in den Tempelanlagen und die schwebenden Architekturen der späteren Welten laden immer wieder dazu ein, kurz innezuhalten und die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Der Soundtrack passt sich dynamisch dem Geschehen an und wechselt situationsabhängig zwischen ruhigen, atmosphärischen Klängen und intensiveren Kampfarrangements, was dem Spielgefühl zusätzliche Dringlichkeit verleiht. Auf technischer Seite gibt es dennoch spürbare Ecken und Kanten: Vereinzelte Kollisionsprobleme, etwa in Unterwasserpassagen, sowie kleinere Ungenauigkeiten bei angezeigten Tastenbelegungen deuten darauf hin, dass ein Debüttitel eben doch nicht ganz ohne Feinschliffbedarf auskommt.
Fazit
Akatori ist ein Debüt, das mehr richtig als falsch macht. Contrast Games gelingt mit der Verbindung aus Pixelart-Charakteren und gemalten 3D-Kulissen eine visuelle Identität, die sofort im Gedächtnis bleibt, und das Bewegungssystem rund um den Feuervogelstab liefert genau jenes befriedigende Fließgefühl, das gute Metroidvanias auszeichnet. Wer auf maximale kämpferische Tiefe oder ausufernde RPG-Systeme hofft, wird an einigen Stellen etwas unterversorgt bleiben, und die Schwierigkeitskurve hätte an der ein oder anderen Stelle sanfter ausfallen können. Für Einsteigerinnen und Einsteiger ins Genre bietet der eher lineare Aufbau jedoch einen angenehmen Zugang, während erfahrene Spielerinnen und Spieler zumindest auf höheren Schwierigkeitsgraden genug gefordert werden. Unterm Strich bleibt ein optisch herausragendes, spielerisch solides erstes Lebenszeichen eines Studios, dem man gespannt bei der nächsten Veröffentlichung zusehen sollte.