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Supergirl: The World – Review


Nach den international gefeierten Anthologie-Bänden Batman: The World, Superman: The World und Joker: The World widmet sich DC nun mit Supergirl: The World dem Mädchen aus Stahl – und liefert damit den bislang wohl vielstimmigsten Band der Reihe. Bei Panini erscheint das 184 Seiten starke Werk sowohl als Softcover als auch als hochwertiger Hardcover-Band, und schon der Grundgedanke dahinter ist bemerkenswert: Kreative aus fünfzehn Ländern haben sich zusammengetan, um jeweils eine eigene, kulturell verwurzelte Geschichte rund um Kara Zor-El zu erzählen. Das Ergebnis ist weniger ein klassisches Comicheft als vielmehr ein literarisches Reisetagebuch, das Supergirl konsequent aus ihrer gewohnten Metropolis-Umgebung herausholt und sie zu einer Botschafterin der Hoffnung auf globaler Ebene macht.
Eine Heldin auf Weltreise


Der thematische Rahmen des Bandes ist denkbar einfach und gerade deshalb wirkungsvoll: Supergirl, die als Kryptonierin selbst einst als Fremde auf der Erde ankam, entdeckt in dreizehn eigenständigen Episoden die Vielfalt ihrer Wahlheimat. Mal wird sie bei einem Ausflug an die kolumbianische Küste unversehens zur Retterin gestrandeter Wale, mal reist sie durch die Zeit ins alte Finnland, mal steckt sie mitten in einer atemlosen Verfolgungsjagd durch die Straßen von Paris, und ein anderes Mal muss sie sich einem Drachen aus der mexikanischen Folklore stellen. Diese erzählerische Bandbreite ist das eigentliche Herzstück des Bandes: Jede Geschichte trägt unverkennbar die kulturelle Handschrift ihres Ursprungslands, ohne dabei den Kern der Figur zu verwässern. Supergirl bleibt in jeder Episode erkennbar sie selbst, wird aber gleichzeitig immer wieder neu gelesen, gespiegelt durch die jeweilige Erzähltradition, aus der die Geschichte stammt.


Ein Aufgebot internationaler Erzählstimmen


Wie schon bei den Vorgängerbänden hat DC auch dieses Mal keine Mühen gescheut, ein beeindruckendes Ensemble an Autorinnen, Autoren und Zeichnenden zusammenzustellen. Für die USA zeichnet Mariko Tamaki verantwortlich, eine Autorin, die sich mit Werken wie This One Summer und ihrer Arbeit an X-23 längst einen Namen für einfühlsame, psychologisch dichte Erzählungen gemacht hat, gemeinsam mit der Zeichnerin Skylar Patridge. Aus der Türkei liefert Mahmud Asrar, einer der profiliertesten DC- und Marvel-Zeichner der letzten Jahre, gleich Skript und Artwork aus einer Hand. Finnland wird durch das Duo Johanna Sinisalo und Rosi Kämpe vertreten, während Serbien mit Uroš Dimitrijević als Autor und Stevan Subić als Zeichner aufwartet. Auch Kamerun ist mit einem eigenen Team präsent, das mit Njoka Suyru als Autor sowie Coeurtys Ulrich Minko und Ejob Nathanael Ejob für Layout und finale Zeichnungen für einen der visuell eigenständigsten Beiträge des Bandes sorgt. Diese schiere Dichte an unterschiedlichen Stilrichtungen, von warmem Aquarell-Look bis zu kantiger, comicstriphafter Linienführung, macht die Lektüre zu einem fortwährenden Perspektivwechsel.


Der deutsche Beitrag: Supergirl in Berlin


Besondere Aufmerksamkeit verdient naturgemäß die deutsche Geschichte, für die sich mit Yann Krehl und Marie Sann zwei hierzulande bestens bekannte Namen zusammengefunden haben. Das Duo, das bereits bei Frostfeuer und Kinkerlitzchen erfolgreich zusammengearbeitet hat, verlegt Supergirls Abenteuer in die eigene Hauptstadt: In der rund zehnseitigen Geschichte agiert Kara inkognito und bewusst ohne den Einsatz ihrer Superkräfte, während sie in Berlin nach einem außerirdischen Besucher fahndet. Gerade dieser Verzicht auf das gewohnte Kraftpaket-Spektakel macht die Episode zu einer der leiseren, dafür aber umso charmanteren Geschichten des gesamten Bandes. Marie Sanns unverwechselbarer, an Disney-Klassiker erinnernder Zeichenstil verleiht der Geschichte eine warme, fast märchenhafte Note, die sich deutlich von den actionreicheren internationalen Beiträgen abhebt.


Präsentation und Sonderausgaben


Panini würdigt den deutschen Beitrag mit spürbar viel Sorgfalt. Neben der regulären Hardcover-Ausgabe, deren Umschlag von Marie Sann in ihrem charakteristischen Stil gestaltet wurde, gibt es eine streng limitierte Premium Edition mit Variant-Cover, die in einem stabilen Schuber steckt und einen nummerierten sowie von beiden Kreativkräften signierten Druck enthält. Für Sammlerinnen und Sammler, die sich besonders für den deutschen Beitrag interessieren, dürfte diese Ausgabe die naheliegende Wahl sein, während die Softcover-Variante völlig zurecht als preisgünstigerer Einstiegspunkt in den Band fungiert.


Fazit


Supergirl: The World ist ein rundum gelungenes Beispiel dafür, wie viel erzählerisches Potenzial in einem globalen Anthologie-Konzept stecken kann, wenn man es ernst nimmt. Statt austauschbarer Kurzgeschichten liefert der Band ein facettenreiches Kaleidoskop unterschiedlicher Erzähltraditionen, das Supergirl als wahrhaft universelle Identifikationsfigur zeichnet, ohne ihren Kern aus Hoffnung, Mitgefühl und Widerstandskraft je aus den Augen zu verlieren. Besonders der deutsche Beitrag von Yann Krehl und Marie Sann sticht durch seine leise, charmante Erzählweise hervor und macht die limitierte Premium Edition zu einem echten Sammlerstück. Wer sich für vielfältiges, international geprägtes Comic-Erzählen abseits ausgetretener Pfade interessiert, findet hier eine der interessantesten Anthologien des Jahres.