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Playboys – Blu-ray-Review
Ordinary Dreams 2, Nr. 13 – Wicked Vision Media


Venedig, London und die Fallstricke der Eifersucht


Nach dem höfischen Sittenbild „Die große Orgie" setzt Wicked Vision seine Reihe „Ordinary Dreams 2" mit einem Film fort, der thematisch in eine völlig andere Zeit und Gesellschaftsschicht führt, dabei aber keinen Deut weniger von der ungezügelten Lust am Zeigen und Erzählen erotischer Verwicklungen lebt: „Playboys" von Tinto Brass. Die zwanzigjährige Carla, eine üppige und ausgesprochen freizügige Venezianerin, verlässt ihren Freund Matteo, um in London angeblich ihre Englischkenntnisse zu vertiefen – tatsächlich aber, um sich in ein Geflecht aus Affären und Verführungen zu stürzen, das Matteo schließlich außer sich vor Eifersucht nach London treibt. Was als rasende Verzweiflung beginnt, kippt beim Anblick der vermeintlichen Untreue in eine ebenso hemmungslose Begierde um: Die Lügen, mit denen Carla ihre Eskapaden zu vertuschen sucht, offenbaren Matteo gerade das, was sie eigentlich verbergen wollte – ihre tiefsten, unaussprechlichen Fantasien.


Tinto Brass – der unangefochtene Chronist der italienischen Sinnlichkeit


Kaum ein Name steht so unmittelbar für das italienische Erotikkino wie Tinto Brass. Der gebürtige Venezianer, der seine Karriere ursprünglich im politisch aufgeladenen Autorenkino der sechziger Jahre begann, entwickelte sich spätestens mit Filmen wie „Salon Kitty" und „Caligula" zu einem der prägendsten und zugleich umstrittensten Regisseure seines Genres. Brass' Handschrift ist unverwechselbar: eine Kamera, die Körper mit geradezu maltechnischer Sorgfalt in Szene setzt, ein Gespür für das Spiel mit Blicken, Spiegelungen und Verhüllung, sowie eine tief in seiner venezianischen Heimat verwurzelte Vorliebe für sinnliche Üppigkeit. In „Playboys" verbindet er diese Elemente mit einer beschwingten, fast komödiantischen Erzählweise, die das eifersüchtige Hin und Her zwischen Carla und Matteo mit hörbarem Vergnügen an der eigenen Schamlosigkeit inszeniert.


Das Ensemble zwischen Venedig und London


Im Zentrum steht Yuliya Mayarchuk als Carla, eine Schauspielerin, die durch ihre Zusammenarbeit mit Brass in mehreren seiner späten Werke zu einem der prägenden Gesichter seines filmischen Spätwerks wurde. Mayarchuk verleiht der Figur eine Mischung aus kindlicher Neugier und selbstbewusster Verführungskunst, die genau jene Ambivalenz trägt, auf der der gesamte Film aufbaut.


Jarno Berardi als Matteo bringt dem eifersüchtigen Freund eine hitzköpfige, zwischen Wut und Verlangen schwankende Energie entgegen, die den eigentlichen emotionalen Motor der Handlung bildet. Francesca Nunzi ergänzt das Ensemble mit einer Präsenz, die dem Geschehen zusätzliche erotische Reibung verleiht, während Max Parodi und Mauro Lorenz als Teil von Carlas Londoner Bekanntschaftskreis für weitere Verwicklungen sorgen, die den eifersüchtigen Matteo zunehmend an den Rand der Verzweiflung treiben. Leila Carli rundet die Besetzung ab und trägt mit ihrer Rolle zur dichten, fast burlesken Figurenkonstellation bei, die für Brass' Spätwerk charakteristisch ist.


Inszenierung und musikalische Begleitung


Bezeichnend für „Playboys" ist die Leichtigkeit, mit der Brass seine Geschichte erzählt – eine fast schwerelose, humorvolle Grundhaltung, die den Film klar von den düsteren oder politisch schwereren Tönen seiner früheren Arbeiten abhebt. Die Kamera bleibt dabei ganz im Dienst der Körper und Räume, folgt Carla durch venezianische Gassen und Londoner Interieurs mit einem Blick, der zwischen Bewunderung und spielerischer Ironie changiert. Untermalt wird das Geschehen von der Musik Pino Donaggios, dessen melodiöser, warmer Score dem turbulenten Treiben eine geradezu klassische, beinahe operettenhafte Note verleiht und Brass' Bildwelt zusätzliche emotionale Tiefe schenkt.


Ausstattung und Bonusmaterial


Wie schon bei anderen Veröffentlichungen der Reihe hat Wicked Vision auch „Playboys" mit einer Fülle an Zusatzmaterial ausgestattet, die weit über das übliche Maß hinausgeht. Das Wendecover eröffnet Sammlern die Wahl zwischen unterschiedlichen Coverdesigns und unterstreicht einmal mehr den hohen gestalterischen Anspruch der Reihe.


Das mit vierundzwanzig Seiten besonders umfangreiche Booklet enthält einen Essay des Kritikers Christoph N. Kellerbach, der sich darin eingehend mit Tinto Brass' Werk und dessen Stellung innerhalb des italienischen Erotikkinos auseinandersetzt und dabei auch die Entstehungsgeschichte von „Playboys" beleuchtet – eine lesenswerte Einordnung für alle, die den Film in einen größeren filmhistorischen Kontext stellen möchten.


Filmisch vertieft wird der Einblick in die Produktion durch das Interview „Brassgressions and Other Diversions" mit Massimo Di Venanzo, das Hintergründe zur Zusammenarbeit mit Brass und zur besonderen Arbeitsweise des Regisseurs offenlegt. Ergänzt wird dies durch ein Backstage-Material, das Tinto Brass unmittelbar bei der Arbeit am Set zeigt und einen unverstellten Blick auf seine Regieführung und seinen unverwechselbaren Umgang mit den Darstellerinnen und Darstellern erlaubt.


Wer sich zusätzlich für die musikalische Seite des Films interessiert, kommt mit dem isolierten Score von Pino Donaggio voll auf seine Kosten, der hier in Begleitung einer Bildergalerie präsentiert wird und damit sowohl akustisch als auch visuell einen eigenständigen Zugang zum Film eröffnet. Teaser-Trailer, Originaltrailer und eine Trailershow runden das umfangreiche Bonusprogramm ab, während ein verstecktes Easter Egg aufmerksamen Sammlern eine kleine zusätzliche Belohnung bietet.


Fazit


„Playboys" zeigt Tinto Brass von seiner verspielten, geradezu leichtfüßigen Seite und liefert mit Carla und Matteo ein Liebespaar, dessen Eifersuchtsdrama sich mit spürbarer Lust an der eigenen Übertreibung entfaltet. Wicked Vision präsentiert den Film als Nummer 13 der „Ordinary Dreams 2"-Reihe mit einer beeindruckend umfangreichen Ausstattung, die weit über den Durchschnitt vergleichbarer Veröffentlichungen hinausgeht – vom fundierten Booklet-Essay über das Backstage-Material bis hin zum isolierten Score. Für Fans des italienischen Erotikkinos und Sammler der Reihe ist dies eine mehr als lohnende Ergänzung ihrer Sammlung.