Selten hat sich ein Hollywoodstar der 1970er Jahre so weit aus der Komfortzone gewagt wie Burt Reynolds mit „Nobody Is Perfect“, im amerikanischen Original schlicht „The End“ betitelt. Der Film aus dem Jahr 1978 markiert Reynolds' zweite Regiearbeit und zugleich einen der gewagtesten Balanceakte des damaligen Mainstream-Kinos: eine Komödie über einen Mann, der seinem eigenen Tod zuvorkommen will und dabei mit jedem gescheiterten Versuch tiefer in die Absurdität des Lebens hineingezogen wird. Herausgekommen ist ein Film, der schwarzen Humor, Slapstick und eine überraschend anrührende Melancholie so eng miteinander verwebt, dass man selten weiß, ob man lachen oder innehalten soll – und genau darin liegt seine bleibende Faszination.
Eine Diagnose, die alles verändert
Im Zentrum der Geschichte steht Sonny Lawson, ein Immobilienmakler, der sich beruflich wie privat vor allem durch Rücksichtslosigkeit und Selbstbezogenheit auszeichnet. Als ihm sein Arzt eine niederschmetternde Diagnose eröffnet und ihm nur noch wenige Monate verbleiben, beschließt Sonny, dem unausweichlichen Ende zuvorzukommen und selbst über den Zeitpunkt seines Todes zu bestimmen. Was folgt, ist eine Kette denkbar unbeholfener Suizidversuche, die alle auf die eine oder andere Weise scheitern und Sonny schließlich in eine psychiatrische Klinik führen. Dort trifft er auf Marlon, einen ebenso liebenswerten wie völlig unberechenbaren Mitpatienten, der sich bereitwillig anbietet, ihm bei seinem Vorhaben zu helfen. Aus dieser bizarren Männerfreundschaft entwickelt sich eine turbulente Flucht aus der Klinik voller schiefgehender Pläne, absurder Einfälle und einer Prise pechschwarzen Humors, der sich nie in reine Geschmacklosigkeit flüchtet, sondern immer auch die Verletzlichkeit seiner Hauptfigur im Blick behält. Gerade in den ruhigeren Momenten, etwa wenn Sonny mit seiner Familie oder mit sich selbst ringt, zeigt der Film, dass hinter der Fassade des Zynikers ein zutiefst verängstigter Mensch steckt, der sich seiner eigenen Sterblichkeit stellen muss.
Burt Reynolds als Regisseur und Hauptdarsteller
Burt Reynolds war zum Zeitpunkt der Produktion längst zu einem der größten Kinostars Amerikas aufgestiegen, bekannt für Rollen in actionbetonten Unterhaltungsfilmen und Komödien, die seinen unwiderstehlichen Charme und sein komödiantisches Timing in den Vordergrund stellten. Mit „Nobody Is Perfect“ bewies er jedoch, dass in ihm auch ein Regisseur mit Mut zum Risiko steckte. Statt sich auf sicherem Terrain zu bewegen, wählte er ein Thema, das im Hollywood jener Zeit alles andere als gängig war, und inszenierte es mit einem bemerkenswerten Gespür für Timing und Tonlage. Als Hauptdarsteller verleiht er seiner Figur Sonny Lawson eine Mischung aus Arroganz, Verzweiflung und unfreiwilliger Komik, die den Film trägt, ohne ihn je ins Larmoyante abgleiten zu lassen. Reynolds gelingt dabei ein schwieriger Spagat: Er macht seine Figur nicht sympathischer, als sie ist, lässt aber gleichzeitig genug Raum, damit das Publikum mit ihr mitfühlt, wenn die Fassade bröckelt. Diese doppelte Leistung als Regisseur und Darsteller macht „Nobody Is Perfect“ zu einem der persönlichsten Werke in Reynolds' Filmografie.
Dom DeLuise, Sally Field und Strother Martin
Ein wesentlicher Teil des Charmes dieser Star-Komödie liegt in ihrer hochkarätigen Nebenbesetzung. Dom DeLuise, einer der prägendsten Komiker seiner Generation, verkörpert Marlon mit einer anarchischen Energie, die dem Film in seinen besten Momenten regelrecht die Kontrolle entreißt. Seine Auftritte gehören zu den denkwürdigsten des gesamten Films, weil DeLuise es meisterhaft versteht, absolute Verrücktheit mit einer eigenartigen Zärtlichkeit zu verbinden, sodass Marlon trotz seiner Unberechenbarkeit nie zur reinen Witzfigur verkommt. Sally Field, die zu dieser Zeit bereits eine gefragte Schauspielerin war und sich kurz darauf mit Oscar-prämierten Rollen endgültig etablieren sollte, bringt als Sonnys Bezugsperson eine emotionale Erdung in die Geschichte, die dem chaotischen Treiben ein menschliches Gegengewicht verleiht. Strother Martin, bekannt für seine markanten Charakterrollen in zahlreichen Western- und Actionfilmen der 60er und 70er Jahre, rundet das Ensemble mit einer seiner typisch schrulligen Nebenfiguren ab und beweist einmal mehr sein Gespür für skurrile, aber einprägsame Auftritte. Zusammen mit weiteren namhaften Darstellern wie Joanne Woodward ergibt sich ein Ensemble, das dem Film eine Klasse verleiht, die man einer solch morbiden Prämisse zunächst kaum zutrauen würde.
Schwarzer Humor mit Herz
Was „Nobody Is Perfect“ letztlich von vielen anderen Komödien seiner Zeit unterscheidet, ist die Bereitschaft, ein gesellschaftlich heikles Thema wie Sterben und Selbstmord nicht auszuklammern, sondern es mit Tempo, Ironie und einer gehörigen Portion Selbstironie direkt anzugehen. Der Film scheut sich nicht, seine Hauptfigur in immer groteskere Situationen zu manövrieren, verliert dabei aber nie ganz den Blick für die zugrunde liegende menschliche Tragik. Diese Gratwanderung zwischen Slapstick-Komödie und bitterer Lebensbilanz macht den besonderen Reiz des Films aus und erklärt, warum er sich bis heute eines gewissen Kultstatus erfreut, ohne je zum breiten Mainstream-Erfolg geworden zu sein. Gerade diese Eigenständigkeit, die sich bewusst vom glatten Unterhaltungskino seiner Entstehungszeit abhebt, macht „Nobody Is Perfect“ auch aus heutiger Sicht zu einer faszinierenden Entdeckung für alle, die sich für unkonventionelles, mutiges 70er-Jahre-Kino begeistern.
Die Blu-ray von Plaion Pictures
Wer diese eigenwillige Perle des amerikanischen Komödienkinos nun in bestmöglicher Qualität erleben möchte, kommt an der neuen Blu-ray von Plaion Pictures nicht vorbei. Die Veröffentlichung präsentiert den Film in einem sauberen, ordentlich aufbereiteten Bild, das der Vorlage sichtlich guttut und Details sowie Farbgebung der originalen 70er-Jahre-Optik angemessen zur Geltung bringt. Als Bonusmaterial liegen der Blu-ray der Original-Kinotrailer sowie eine Bildergalerie bei. Zwar handelt es sich dabei um ein eher schlankes Extras-Programm, das sich vor allem an Sammler und Fans richtet, die den Film in erster Linie in bestmöglicher audiovisueller Qualität besitzen möchten, doch gerade der Kinotrailer bietet einen netten nostalgischen Einblick in die damalige Vermarktung des Films, während die Bildergalerie einen schönen visuellen Rückblick auf die Produktion ermöglicht. Für Fans von Burt Reynolds, Dom DeLuise oder schwarzhumorigem 70er-Jahre-Kino insgesamt ist diese Veröffentlichung eine willkommene Gelegenheit, sich diesen ungewöhnlichen Genrebeitrag ins heimische Regal zu holen.
Fazit
„Nobody Is Perfect“ ist ein mutiger, eigensinniger Film, der ein heikles Thema mit erstaunlicher Leichtigkeit und zugleich spürbarer Ernsthaftigkeit verbindet. Burt Reynolds zeigt sich hier als Regisseur und Hauptdarsteller von seiner ungewohnt schrägen Seite und liefert gemeinsam mit einem hervorragend aufgelegten Ensemble rund um Dom DeLuise, Sally Field und Strother Martin eine schwarzhumorige Star-Komödie ab, die auch heute noch mit ihrer Kompromisslosigkeit überzeugt. Die neue Blu-ray von Plaion Pictures bietet die passende Gelegenheit, diesen unterschätzten Klassiker in ansprechender Bildqualität wiederzuentdecken oder erstmals kennenzulernen.